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Jubiläum

25.08.2017

Erinnern Sie sich noch daran?

Der Film „Neue Abenteuer mit Flipper“ aus dem Jahr 1963 zeigt Luke Halpin (Sandy Ricks) mit dem Delfin Flipper. Neben dem Film gab es auch eine Fernsehserie. Vor 50 Jahren erst wurde das Farbfernsehen eingeführt, davor waren „Bonanza“, „Dick und Doof“ oder „Lassie“ nur schwarz-weiß zu sehen.
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Der Film „Neue Abenteuer mit Flipper“ aus dem Jahr 1963 zeigt Luke Halpin (Sandy Ricks) mit dem Delfin Flipper. Neben dem Film gab es auch eine Fernsehserie. Vor 50 Jahren erst wurde das Farbfernsehen eingeführt, davor waren „Bonanza“, „Dick und Doof“ oder „Lassie“ nur schwarz-weiß zu sehen.
Bild: Imago stock&people

Vor 50 Jahren startete das Farbfernsehen. Nicht ohne Probleme bei „mächtigen Kisten“ und Schlieren im Bild

Wer erinnert sich noch an „Lassie“ oder „Bonanza“? Seit genau 50 Jahren gibt es das Farbfernsehen. Doch die Umstellung von schwarz-weiß auf knallbunt fiel damals nicht nur rosig aus. Der damals zehn Jahre alte Günther Leippert erinnert sich an unschöne Flecken, Schlieren, mangelnde Schärfe an den Bildrändern und Krawattenfarben, die es so nicht geben konnte. Heute kann der 61-jährige Fernsehtechnikermeister in Aislingen über die anfänglichen Kinderkrankheiten des Farbfernsehens nur schmunzeln. Seit der Erstausstrahlung am 25. August 1967 wurde die moderne Technik immer mehr ins rechte Bild gerückt und kommt heute hochauflösend auf leinwandgroßen Displays in den Fachgeschäften der Region daher.

Dass der Schritt ins Bunte an der Flimmerkiste sehr anspruchsvoll war, ist dem Experten Leippert nur allzu klar, der schon fünf Jahre danach eine Ausbildung in der TV-Branche antreten sollte. Denn vom Prinzip her gleicht das Farbfernsehen zwar der elektronischen Übertragung von Schwarz-Weiß-Bildern. Aufgenommen und wiedergegeben werden allerdings zeitgleich drei Bilder in den Farbauszügen Rot, Grün und Blau, die zusammen ein naturgetreues Buntbild liefern sollen. Einfacher als die Funktionsweise erscheint im Nachhinein die Preisgestaltung, die vor einem halben Jahrhundert mit der Einführung der neuen Geräte einherging: „Mit bis zu 3000 Mark kosteten sie fast fünfmal so viel wie ein Schwarzweiß-Empfänger“, staunt Leippert noch heute. Kein Wunder, dass mancher Verbraucher beim „Startschuss“ auf der Berliner Funkausstellung noch ein wenig zögerte. Von den 15 Millionen Fernsehern im Jahr 1969 kamen gerade mal eine knappe halbe Million koloriert auf den Markt. Statt die Farben im eigenen Wohnzimmer auf sich wirken zu lassen, drückte man sich lieber die Nase an den Schaufenstern der Elektronik-Läden platt.

Auch wegen des Gewichts der „mächtigen Kisten“, wie Manfred Hartl aus Frauenstetten sogar am eigenen Leib zu spüren bekam, herrschte in den Anfangsjahren eher Zurückhaltung vor. Vor allem weil der Meister und ehemalige Geschäftsbetreiber in dem Buttenwiesener Ortsteil seinen treuen Kunden stets drei Systeme unterschiedlicher Hersteller zum Ausprobieren aufgestellt hatte. Eine abenteuerliche Sache: „Das Farbige war so schwer und klobig, dass man es aufgrund der großen Tiefe mit den Armen nicht ganz umfassen konnte und es schwer zu transportieren war.“ Karl-Heinz Artinger vom gleichnamigen Elektrofachhandel in Wertingen erinnert sich auch noch an „die Masse der saugroßen Apparate“, die sich ihm ähnlich einer ausladenden Musiktruhe präsentierten. Der Endsechziger stellte sich der gewaltigen Herausforderung bis zum Renteneintritt 2006. Auch Kollege Manfred Hartl verbrachte später noch viele Abende und Nächte am Fernseher: „Nicht davor, sondern dahinter und mit geöffneter Abdeckung beim Reparieren“, witzelt der 74 Jahre alte Gemeinderat und Kulturreferent, der immer noch gerne an Haushaltsgeräten herumschraubt.

Wie der aus Burghagel stammende Günther Leippert weiß Manfred Hartl von einigen Bekannten, die einfach bei den farblosen Systemen geblieben sind. Dazu könnte auch der Gottmannshofer Otto Killensberger gezählt werden, der sich selbst heute noch an einem fast 40 Kilogramm schweren Graetz – Baujahr 1956 – erfreuen kann, dessen technischer Inhalt minutenlang aufgeheizt werden muss, bis er ein mäßiges Schwarzweiß-Bild von sich gibt. Das Gerät steht allerdings wie fast 20 solcher anderer im Radio- und Telefonmuseum von Wertingen, das der 65-Jährige mit großem, Erfolg betreut. Übrigens genoss Killensberger „Lassie“, „Rin Tin Tin“ oder „Bonanza“ am liebsten in prächtigen Farben. Etwas anderes will sich Heribert Giner gar nicht vorstellen. Der Fachverkäufer aus Dillingen, der zu Beginn des neuen Fernsehzeitalters im zarten Alter von acht Jahren stand, meint zum Jubiläum: „Wir leben im Zeitalter der Farbe, unsere Umwelt erscheint uns ebenso.“ Eine Rückkehr zu den Grautönen scheint ihm ausgeschlossen. Günther Leippert stimmt zu: „Ein Comeback wie bei der guten alten Schallplatte wird es hier nicht geben.“ Tatsächlich erscheint der alte Graetz im Museum neben den modernen Displays und Beamern wie ein Ding vom anderen Stern.

Das Radiomuseum hat am Samstag, 9. September, wieder geöffnet, dann findet von 9 bis 12 Uhr ein Radio-Flohmarkt statt, und am Sonntag, 17. September von 14 bis 17 Uhr.

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