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13.02.2018

Manchmal geht doch nichts mehr

Johann Meier kennt sich aus: er hat schon viele Fahrräder repariert. Im Wertinger Jugendhaus macht er „Dienst“ im Repaircafé, das schon fünfmal stattgefunden hat.
Bild: Filippa Mörz

Jugendzentrum „Reparieren statt wegwerfen“ heißt das Motto im Repaircafé, das sich in Wertingen etabliert hat. Meist kann geholfen werden, aber nicht immer

Wertingen Mit großen Augen beobachtet die zehnjährige Jasmin, wie Joachim Keil ihre Digitalkamera Stück für Stück auseinander- schraubt und in Einzelteile zerlegt. Erst vor zwei Jahren hat sie sich den Fotoapparat gekauft und jetzt ist das Objektiv kaputt. Ihr einjähriges Brüderchen hat die Kamera aus Versehen auf den Boden geworfen. Sie macht ihm aber keinen Vorwurf: „Er ist eben noch sehr klein.“ Desto mehr hofft sie jetzt, dass Joachim Keil die Kamera wieder reparieren kann.

Jasmin ist mit ihrem Papa zum so- genannten „Repair-Café“ ins Wertinger Jugendhaus gekommen. Hier werden von einigen Experten für Technik kostenlos defekte Gegenstände repariert. Im Gegenzug können die Besucher dann für die Reparatur spenden. Mit dem Geld schafft das Juze neue Werkzeuge an.

Schon zum fünften Mal findet diese Aktion nun statt. Die Idee dafür hatten Joachim Keil, Geschäftsführer des Mehrgenerationenhauses, und Tobias Kolb, Wertingens Stadtjugendpfleger. Ihre Intension dahinter ist es, den Leuten klar zu machen, dass man nicht alles neu kaufen muss, nur weil ein Teil kaputt geht, erklärt Keil. „Ein Schritt, um gegen diese Wegwerf-Gesellschaft anzukämpfen“, so der Batzenhofener.

Keil tüftelt, schraubt und gibt sich nach einer Weile geschlagen: „Hier ist ein komplett verschweißtes Element, da komme ich nicht hinein.“ Etwas enttäuscht nimmt das Mädchen ihre Kamera wieder zurück. Doch Tobias Kolb will nicht so schnell aufgeben und schlägt vor, mit einer Rohrzange zu versuchen, das Objektiv wieder gerade zu rücken. Jasmin ist einverstanden: „Kaputter kann sie ja sowieso nicht werden.“

Mit einer beherzten Drehung bringt Kolb das defekte Teil wieder in seine richtige Position und siehe da: Das Objektiv lässt sich wieder ausfahren und schließen. Strahlend bedankt sich Jasmin bei den beiden Männern und geht mit ihrer reparierten Kamera nach Hause. Auch Joachim Keil freut es, dass der Fotoapparat wieder funktioniert. Die ganze Reparatur-Aktion mache ihm sehr viel Spaß, da es immer wieder eine neue Herausforderung sei, weil jedes Gerät anders ist, findet er. Er sei zwar kein professioneller Techniker, doch er habe sich schon früh für dieses Gebiet begeistern können: „Ich habe als Kind schon immer alles auseinandergebaut.“ Das Wichtigste hier sei es, den Fehler zu finden, der behoben werden muss.

Was kaputt ist, hat Thomas Bühler aus Gersthofen schon herausgefunden. Der 29-Jährige ist dabei, einen alten Kassettenrekorder zu reparieren. Diesen hat Ute Keis aus Wertingen mitgebracht. Den Kassettenspieler hat sie schon seit 35 Jahren, sagt die 76-Jährige. Dieses Gerät ist ihr sehr wichtig: „Ich höre damit jeden Abend vor dem Schlafengehen Musik.“

Damit sie dieses Ritual weiter fortführen kann, muss Thomas Bühler das Gerät auseinanderbauen und einen gerissenen Riemen austauschen. Da kein passendes Ersatzteil vorhanden ist, versucht der 29-Jährige es mit einem üblichen Haushaltsgummi. Als alles wieder zusammengebaut ist, legt Ute Keis eine ihrer Kassetten ein. Es ertönt zwar wieder Musik, jedoch klingt es schräg aus dem Rekorder. Er muss nach 35 Jahren wohl doch auf den Elektromüll.

„Manchmal scheitert es am kleinsten Teil“, bedauert Bühler, der zurzeit eine Ausbildung zum Mechatroniker macht. Er ist zum ersten Mal beim Repair-Café in Wertingen dabei. Die Aktion findet er toll, da er hier Menschen helfen und sein technisches Wissen erweitern kann. Neben technischen Geräten können auch Fahrräder zur Reparatur ins Jugendhaus gebracht werden. Um diese kümmert sich Johann Meier aus Lauterbrunn. Der 63-Jährige ist seit zwei Jahren in Rente und nutzt seine Freizeit zur Fahrradreparatur.

Rund 500 kaputte Fahrräder besitzt er. Diese bringt er wieder in Schwung und verkauft sie für niedrige Preise oder spendet sie an Flüchtlinge, erzählt Meier. Das Geld, das er im Repair-Café einnimmt, will er auch spenden: „Ich finde es wichtig, den Menschen zu helfen, die nicht auf der Sonnenseite sind“, sagt der 63-Jährige, während er eine Hinterradbremse repariert.

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