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Landkreis Dillingen

23.06.2020

Naturschützer: Die Landwirtschaft im Kreis Dillingen muss sich neu ausrichten

Der Landkreis Dillingen muss weg von der konventionellen, industrialisierten Landwirtschaft, fordert die Kreisgruppe des Bundes Naturschutz. Das Ziel müsse eine „Ökologisierung“ sein, bei der neben Umweltschutz auch das Tierwohl im Mittelpunkt stehe. Im Bild zu sehen sind Wasserbüffel in der Mertinger Höll.

Plus Der Landkreis Dillingen muss sich für die Zukunft neu erfinden, fordert der Bund Naturschutz. Die Kreisgruppe will gemeinsam mit den Bauern eine Neuausrichtung, hin zu mehr ökologischer Landwirtschaft.

Welche Landwirtschaft wollen wir zukünftig, bei uns im Landkreis und weltweit? Zu diesem Thema ist in der Region eine rege Diskussion entbrannt, die sich auch in zahlreichen Zuschriften und Leserbriefen äußert. Hintergrund ist unser Bericht „Gastwirte und Bauern verkaufen weniger Fleisch“ vom 16. Juni.

Nun meldet sich der Bund Naturschutz (BN) zu Wort. „Wie kann regionale Versorgung mit ökologischen Lebensmitteln hier bei uns vorangebracht werden? Politik muss die Rahmenbedingungen für Alle schaffen“, heißt es in einer Pressemitteilung. Naturschutzverbände wie der Bund Naturschutz unterstützten jedes Vorhaben im Landkreis Dillingen, Landwirtschaft ökologischer zu gestalten und der „industriellen Massentierhaltung mit all ihren Schattenseiten“ eine Absage zu erteilen. „Wir sind sehr gern Teil einer gemeinsamen Auseinandersetzung und Diskussion rund um die Frage, welche Landwirtschaft wollen wir für uns und unsere Nachkommen“, sagt Heidi Terpoorten, Vorsitzende der BN-Kreisgruppe.

Der Landkreis muss sich in der Landwirtschaft neu aufstellen

Die Corona-Pandemie zeige, mit dem Brennglas vergrößert, die Bedeutung gegenseitiger Verantwortung. Sie fördere eine Sensibilisierung hinsichtlich existenzbedrohender Gefahren wie die Zunahme von Infektionsrisiken, jedoch auch menschenverursachte Beeinträchtigungen von Klima und Umwelt. Und sie verdeutliche noch etwas: wo nämlich die „Ernährungssouveränität“ in Deutschland, Europa und weltweit bedroht ist.

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Heidi Terpoorten sagt dazu: „Wir stellen in Deutschland nur 40 Prozent der Gemüseversorgung sicher, haben aber gleichzeitig eine Überproduktion insbesondere auf dem Schweinefleischmarkt.“ Dies, so Terpoorten, könnten wir uns langfristig nicht mehr leisten.

Trotz verständlicher Sehnsucht nach gewohnter Normalität seien grundlegende Veränderungen in vielen Bereichen unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens nicht mehr aufzuhalten und zudem erforderlich, um den Herausforderungen der Zukunft gewachsen zu sein. Das betreffe nicht nur Mobilität und Energieversorgung, sondern auch die Produktion und Verarbeitung von Lebensmitteln – gerade auch im landwirtschaftlich geprägten Landkreis Dillingen.

Die Agrarpolitik mit ihrer Maxime „Wachse oder weiche“ habe die Landwirtschaft weltweit nicht nur in eine Sackgasse, sondern auch regelrecht in die Irre geführt. Tausende kleinbäuerliche Betriebe seien in den letzten Jahrzehnten vom Markt verdrängt, Menschen ihrer Heimat beraubt, Natur zerstört und Tiere in ihren elementaren Bedürfnissen missachtet worden, sagt Thomas Hefele, stellvertretender Vorsitzender der Kreisgruppe.

Terpoorten: Ende der "Blut- und Boden"-Ideologie

Mit fragwürdigen Subventionen und Privilegien wurden falsche Anreize gesetzt und Weichen grundlegend falsch gestellt: Die Landwirtschaft müsse dringend ökologisiert werden – stattdessen wurde ihre industrielle Intensivierung jahrzehntelang ohne Rücksicht auf negative Folgen vorangetrieben. Laut Terpoorten werden bestehende Natur-, Umwelt- und Tierschutzgesetze dabei leider allzu oft ausgehebelt und missachtet: Die Vielfalt, Eigenart und Schönheit von Natur und Landschaft gehe auch in unserem Landkreis zunehmend und auf dramatische Weise verloren, ohne dass der Staat sie schützen würde. Tiere werden im überholten heutigen Verständnis immer noch zur Sache degradiert und unsäglichen Leiden ausgesetzt.

Bund Naturschutz wolle aber nicht die Landwirte an den Pranger stellen, sondern gemeinsam mit ihnen „Wege aus der existenzgefährdenden Sackgasse aufzeigen“. Terpoorten sagt dazu: „Wir wollen den Blick öffnen für eine nachhaltige Lebensweise und für tragfähige Perspektiven einer zeitgemäßen Landwirtschaft“. Der Schutz der biologischen Vielfalt und der natürlichen Lebensgrundlagen, die Achtung von Tieren als Mitgeschöpfe, ihre Rechte, soziale Gerechtigkeit und die lebenswerte Zukunft kommender Generationen höchste Priorität seien das, was angestrebt werde. „Die Zöpfe einer längst überholten „Blut- und Boden“-Ideologie und ihre Nachwirkungen gehören endlich komplett abgeschnitten“, sagt Terpoorten. „Ökologisch und so viel wie möglich regional produzierte Lebensmittel müssen das „neue/alte“ gemeinsame Ziel sein.“ Dafür suche der Bund Naturschutz intensiv das Gespräch und den Austausch mit den Landwirten. (pm, dz)

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