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12.11.2019

Sie kämpft seit 20 Jahren für die Hauswirtschaft

Die Frauen der ersten Stunde: (von links) Adelinde Bschorr, Monika Gundel, Marianne Gaugler, Hertha Keis, Karin Wörner, Jutta Wemmer. Sie gründeten am 9. November 1999 den HWF.
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Die Frauen der ersten Stunde: (von links) Adelinde Bschorr, Monika Gundel, Marianne Gaugler, Hertha Keis, Karin Wörner, Jutta Wemmer. Sie gründeten am 9. November 1999 den HWF.
Foto: Bärbel Schoen

Der Hauswirtschaftliche Fachservice wuchs unter der Führung von Adelinde Bschorr zu einer respektablen Größe heran. Doch derzeit mangelt es an Nachwuchs

„Es wäre falsch, den Hauswirtschaftlichen Fachservice aufs Putzen zu reduzieren“, sagte Magnus Mayer. Der Leiter des Wertinger Amtes für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten, würdigte während einer Feierstunde am Samstagabend im Finninger Schlössle die Arbeit des HWF. Der Verein mit 25 aktiven und elf passiven Mitgliedern – ausschließlich Frauen – gehört seit 20 Jahren zu den am breitest gefächerten Organisationen in Bayern. Wer hauswirtschaftliche Dienstleistungen anbiete, müsse vielfältige Tätigkeiten beherrschen und reichliche Eigenschaften mitbringen. Weil hauswirtschaftliches Wissen in der Bevölkerung abnimmt, seien Profis heute mehr gefragt denn je. „Ich hätte nie gedacht, dass es den HWF nach 20 Jahren noch geben wird“, so Mayer weiter. Die steigende Zahl von Einsätzen zeige aber, dass hauswirtschaftliche Dienstleistungen ein zunehmender Arbeitsmarkt sind.

Adelinde Bschorr aus Wengen, eine der Frauen der ersten Stunde und Vorsitzende des HWF, wusste schon vor 20 Jahren: „Die Menschen brauchen uns.“ Wenn zum Beispiel eine Mutter erkrankt, kann der HWF für Entlastung sorgen. Die eingesetzten Frauen seien allesamt professionelle Fachkräfte – Hauswirtschafterinnen, Hauswirtschaftsmeisterinnen, Familienpflegerinnen und manche sogar Krankenschwestern. Nur so könnten sie in Not- und Lebenssituationen bei den Familien bedarfsgerecht und effizient eingesetzt werden. Ein Durchbruch gelang Anfang des Jahres: Seit 1. Januar können selbstständige Hauswirtschafterinnen nach Anerkennung die sogenannte Alltagsbegleitung erbringen und mit der Pflegekasse abrechnen. Kürzlich haben sich sieben Frauen aus dem HWF außerdem zu Demenzhelferinnen weiterqualifiziert. Die Demenzbegleitung kann auch ein Teil der „Verhinderungspflege“ sein, wenn etwa eine dieser Personen für diese Art der Pflege ausfällt. Aus der Pflegekasse stehen dafür jährlich über 1600 Euro zur Verfügung. Seit der Pflegereform fragen immer mehr Senioren beim HWF an.

„Ich habe damals ihren Mut bewundert“, erinnerte sich Gisela Otto, ehemalige Mitarbeiterin des Landwirtschaftsamtes, an die Anfänge zurück. Ursprünglich sei die Gründung von HWFs als Zusatzeinkommen von Bäuerinnen gedacht gewesen und vom Bayerischen Staatsministerium angeregt worden. Auch der damalige Landrat unterstützte den Start mit einer Geldspende.

Gisela Otto gratulierte Adelinde Bschorr zum Erfolg des HWF. „Der Verein steht und fällt mit Ihnen.“ Während der Gründung sei Bschorr stellvertretende Kreisbäuerin gewesen, hatte drei zum Teil noch schulpflichtige Kinder und einen Milchviehbetrieb. Dazu kamen Einsätze und die Leitung des HWF. Trotz dieser großen Belastung habe sie den Service zur heutigen Größe und Bekanntheit gebracht.

Wie viel Arbeit der HWF leistet, verdeutlichen Zahlen: Bei Sozialeinsätzen erbrachte der Verein vor zwei Jahren im Landkreis Dillingen 4629 Stunden, im vergangenen Jahr waren es 6282 Stunden.

Nach einem Zwölf-Stunden-Tag und mehreren Einsätzen fühlt sich Silvia Ludewig erschöpft, wie sie während des Essens erzählt. Trotzdem sei sie erfüllt. Die 56-Jährige betreut seit fast 20 Jahren Kinder vom Jugendamt, Kranke und Senioren. „Ich versuche, jeden Wunsch zu erfüllen.“ Oftmals sei sie die einzige Ansprechpartnerin für alte Menschen und das Bindeglied zu den Angehörigen. Gleichzeitig spürt sie eine große Verantwortung.

Auch Monika Gundel, die stellvertretende Vorsitzende des HWF, hat in ihrer Tätigkeit die Erfüllung gefunden. Mehr als 2000 Kilometer fährt sie im Monat zu Familien, um dort auszuhelfen. Sie tröstet Kinder, kocht deren Lieblingsgericht, geht Einkaufen und macht die Wäsche. Alles, was im Haushalt anfällt.

Um die steigende Nachfrage decken zu können, braucht es mehr Frauen wie Monika Gundel oder Silvia Ludewig. Doch dem Hauswirtschaftlichen Fachservice fehlt der Nachwuchs.

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