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27.10.2009

Ungewöhnliche Rettungsaktion für die Schlossmauer

Wertingen Eine ausgefallene Idee zur Finanzierung der Umfriedung des Pappenheimer Schlosses in Wertingen will Bürgermeister Willy Lehmeier gemeinsam mit den Stadthistorikern Alfred Sigg und Jürgen Fiedler sowie mit dem Stadtbaumeister Anton Fink in die Tat umsetzen. Wie berichtet, ist die Schlossmauer so marode, dass sie einzustürzen droht. Der Friedberger Architekt Peter Schindler, dessen Büro auf die Sanierung alter Gemäuer spezialisiert ist, stellte kürzlich den Räten die Baustelle im Südwesten des Schlosses vor, wo derzeit eine Musterachse von zehn Metern Länge nach historischen Kunstregeln saniert wird. Die verwendeten Steine sind so genannte "Handstrich-Ziegel" und werden überwiegend von Hand hergestellt. Der Vorteil gegenüber industriellen Klinkerziegeln liegt in der Frostsicherheit. Damit sollen Aufbrüche durch Frost und Salz, wie sie in der Vergangenheit passiert sind, verhindert werden. Fünf Meter lange Erdnägel, die mit einem Korrossionsschutz ummantelt sind, sollen die bis zu sechs Meter hohe Mauer zusätzlich stabilisieren.

Die Stadt hat in einem ersten Schritt 200 000 Euro im Haushalt von 2010 eingeplant. Das dürfte für 20 Meter reichen. Der desolateste Abschnitt auf der Südwest-Seite des Schlosses ist aber mindestens fünf Mal so lang. Wie die zwischen 50 und 110 Zentimeter dicke Mauer auf der gegenüberliegenden Seite im Inneren aussieht, kann noch gar nicht definiert werden. Die äußere Schicht wird zunächst Stück für Stück abgetragen und mit neuen Ziegeln wieder aufgebaut. Gut erhaltene Steine sollen mit verbaut werden. "Wir haben es hier mit einem lebendigen Bauwerk zu tun", spricht Stadtbaumeister Fink die nötige Sanierung an, die jede Generation einmal treffe.

Eine Billigvariante, womöglich aus Beton gegossen, schließen Bürgermeister, Historiker und Denkmalschützer allerdings kategorisch aus. "Die Mauer ist Teil der Stadt und hat unschätzbaren, geschichtlichen Wert", macht Alfred Sigg deutlich. Und auch Jürgen Fiedler, der Stadtarchivar, appelliert, die im 13. oder 14. Jahrhundert errichtete Mauer unbedingt in ihrer Originalität zu erhalten, um den Charme zu bewahren: "Sie hat mit dazu beigetragen, dass der Ort als einer der Ersten in Schwaben zur Stadt geworden ist." Von der Anlage her ist anzunehmen, dass die bäuerlichen Teile Wertingens, die große Vorstadt mit Zusmarshauser Straße und Haudelgasse sowie die kleine Vorstadt mit Bauerngasse und Ebersberg (richtig Webersberg) die ältesten Siedlungen sind. Zwischen diesen Bauernsiedlungen wurde dann die Stadt angelegt.

Die Schlossmauer sollte so gepflegt und gehegt werden wie ein Oldtimer-Fahrzeug, appelliert Lehmeier an die Bürger. Mit ihrem finanziellen Beitrag könnten sie sich mit der Heimat identifizieren.

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