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Villenbach

21.07.2020

Villenbacher Räte senden ein deutliches Signal

Der Mast am Villenbacher Postweg ist seit seiner Errichtung zu hoch. Kritiker zweifeln deshalb an seiner Standsicherheit. Der Gemeinderat lehnte eine nachträgliche Genehmigung des zu hohen Baus mit deutlicher Mehrheit ab.
Bild: Benjamin Reif

Plus Der Mobilfunkmast am Postweg ist nicht wie ursprünglich genehmigt 29 Meter hoch und damit de facto illegal. Die Diskussion ging nicht nur um die nachträgliche Erhöhung und endet in einer klaren Abstimmung.

Um keinen einfachen Bauantrag handelt es sich bei der Erhöhung eines bestehenden Funkübertragungsmasts um 0,60 Meter. Schon seit Jahren tun die Anwohner mit anwaltlicher Unterstützung alles, damit der Mast in der Villenbacher Poststraße entfernt wird oder zumindest keine neuen Mobilfunkantennen hinzukommen. Diese Bemühungen sind wohl auch der Grund dafür, dass dem Gemeinderat am Montagabend ein Bauantrag des Eigentümers, der Telekom, vorlag.

Was als Erhöhung bezeichnet ist, bedeutet, dass der Mast schon immer 29,60 Zentimeter hoch war. „Immer“ heißt, seit er 1983 aufgestellt wurde. Bürgermeister Werner Filbrich las den Gemeindevertretern ein Schreiben von Georg Wiedenmann vor, in dem dieser den Bau des Fundaments und das Setzen des Masts erläuterte und den Grund, warum er schon damals 60 Zentimeter höher als genehmigt war. In den nachfolgenden Jahren sei er nochmals um ein Turmendrohr erhöht worden. Und da Erhöhungen schon ab einem Zentimeter genehmigt werden müssten, sei das ein Schwarzbau.

Anwohner berichten von Schäden am Villenbacher Funkturm

Außerdem betonte Wiedenmann, dass der Mast aufgrund „enormer Baumängel“ nicht standfest sei. Dies führt der Anwohner sowohl auf Risse zurück als auch auf herunterfallende Brocken im Inneren des Betonkörpers. Dies untermauert er mit Fotos, die dem Bürgermeister vorliegen und dieser dem Gutachter geschickt hat. Das Gewicht der Mobilfunkantennen, die inzwischen angebracht wurden, tragen Wiedenmanns Meinung nach dazu bei, dass der Mast eine konkrete Gefahr für die Anwohner ist. Noch dazu strahlten die Antennen ins Gemeindegebiet.

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Vertreter der Telekom jedoch erklärten Bürgermeister Filbrich: „Die Strahlung ist in der Ortsmitte nicht so gefährlich, als wenn sie von Weitem reinstrahlt.“ Georg Wiedenmann bekam vom Bürgermeister die Möglichkeit, seine Ausführungen auch persönlich vorzutragen. Die Windangriffslast mit den in den vergangenen Jahren hinzugekommenen Antennen sei Wiedenmanns Wissen nach bei dem Standfestigkeitsgutachten, das dem Bürgermeister vorlag, nicht berücksichtigt worden, nur ein damals angebrachter Parabolspiegel. Dem widersprach Bürgermeister Filbrich jedoch, der in den Unterlagen bei der standortgeprüften Berechnung den Hinweis auf einen aktuellen Plan fand. Jedoch stimmte er Wiedenmann zu, dass der Gutachter nicht vor Ort war. Der Bürgermeister sagte: „Ich habe mich deshalb extra mit ihm in Verbindung gesetzt.“

Die Gemeinderäte segnen das Vorhaben nicht nachträglich ab

Der Gutachter stützte sich auf eine Prüfung im Jahr 2018, die ergeben hatte, dass die Standsicherheit nicht gefährdet ist. Filbrich erklärte: „Die Risse sind im Gutachten aufgeführt, die Schadensbehebung ist erforderlich, eine Beeinträchtigung der Standfestigkeit ist dadurch nicht zu befürchten.“ Die Stahlbetonweise sei immer mit Rissen verbunden, das sei laut Gutachter völlig unbedenklich.

Ratsmitglied Patrick Hecken fragte: „Wieso lassen wir nicht erst die Sanierung durchführen? Vielleicht sehen die dann, dass es doch eine größere Maßnahme ist, dann tun wir uns auch mit der Entscheidung leichter.“ Dritte Bürgermeisterin Lydia Edin meinte: „Wer kontrolliert die Sanierung? Wir entscheiden hier über eine Tektur.“ Also über eine nachträgliche Zustimmung zum ursprünglichen Bau. Uta Hill bekräftigte, dass der Statiker die Standfestigkeit nur bestätigt, wenn keine Zweifel bestehen.

Dem Beschluss, dem Bauantrag zuzustimmen, wurde ein Hinweis ans Landratsamt hinzugefügt, das prüfen soll, ob umweltschädliche Emissionen vorliegen, und an den Betreiber, dass die Schäden behoben werden müssen. Mit nur zwei Fürstimmen gegen zehn Gegenstimmen lehnten die Räte ab – neben Bürgermeister Filbrich stimmte lediglich noch Uta Hill zu. Filbrich meinte: „Warten wir ab, was die nun sagen.“

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