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Jubiläumsfest in Wertingen

04.07.2016

Volksmusik und Hendl statt Prunk und Ballermann

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2 Bilder
Die ungewöhnliche instrumentale Zusammensetzung der Musiker von „Fünf aus Kraut“ aus Regensburg.
Bild: Günter Stauch

Die älteste und einzige Traditionsbrauerei im Landkreis feiert sechs Jahrhunderte Braukunst

Wenn Paare im Mittelpunkt einer großen Feier stehen, ist das für gewöhnlich bei der ersten Hochzeit und später etwa bei der „Goldenen“ nach 50 gemeinsamen Jahren. Diese Zwei aber stehen sogar für 600 Jahre: Gerda und Fritz Carry haben am vergangenen Samstagabend den hohen Geburtstag der letzten im Landkreis verbliebenen Traditionsbrauerei gefeiert. Keineswegs allein und auch nicht etwa mit Laserlicht, Subwoofer, Powerpoint und Discokugel, sondern – typisch nach ihrer Art – zünftig, lustig, volksnah und leutselig.

Zwar war dem Himmel über Wertingen pünktlich zum Beginn der Jubiläumsfeier eher zum Weinen zumute. Kein Problem, innerhalb von einer knappen halben Stunde war die Brauereihalle mit über 350 Besuchern bereits voll- ein Rekord. Hitverdächtig auch dies: Kaum 30 Minuten vergingen, bis die ersten Schunkelereignisse registriert wurden. Das lag nicht nur am reichlich fließenden Bier, höchstpersönlich ausgeschenkt von den beiden zufrieden wirkenden Chefs. Auch die Mischung des Publikums hatte es in sich: Senioren, junge Mütter mit ihren Kindern auf dem Arm, Teenager, Stadträte, Jäger, Historiker, Feuerwehrleute und Handballer.

Und ein Bürgermeister Willy Lehmeier, der sich kurz fassen wollte. Langatmige Reden hätte ohnehin keiner mitverfolgen können, zumal in der lauten Halle auf ein Mikrofon verzichtet wurde. Kein Wunder, dass die sympathische Hausherrin immer wieder charmant einwerfen musste: „Ihr lieben Wertinger, haltet doch mal kurz eure Gosch.“ Verstanden wurde aber ganz deutlich, dass der erste Mann der Stadt witzelte, den mitgebrachten Blumenstrauß an Gattin Gerda zu überreichen, weil „der Fritz ja eh keine Zeit hat, seiner Frau Blumen zu kaufen.“ Ganz ernst meinte dagegen der Geschäftsführer der Privaten Brauereien in Bayern, Oliver Dawid, dass es „für mich eine große Ehre ist, hier zu sein und mit Ihnen zu feiern“. Der Besucher aus München musste weit ausholen, um an die Anfänge dieser Brauerei zu erinnern. Denn das war sogar 100 Jahre vor dem Bayerischen Reinheitsgebot, dessen 500. Geburtstag seit Monaten im ganzen Land zelebriert. Dieser „gelebte Verbraucherschutz“ sei selbst heute noch zeitgemäß“, urteilte Dawid und überreichte eine nobel eingerahmte Riesenurkunde.

Wertingens Handballer Armin Steininger und Andreas Seitz spendierten das schicke Trikot eines Spielführers, selbstverständlich mit der Nummer 600 auf dem Rücken. Eine besondere Auszeichnung hätten auch die fünf zünftig aufmarschierenden Gäste aus Regensburg verdient gehabt, die mit altbayerischer und alpenländischer Musik die Stimmung noch mehr einheizten. Die „Fünf auf Kraut“ nennt sich das stets gut gelaunte Quintett mit zwei Trompeten, Tuba, Akkordeon und Baritonhorn. Es wollte sich 2009 eigentlich nur mal zur einem „Hochzeitsstanderl“ zusammenraufen, tourt heute aber durch den gesamten Freistaat. Ihre gemeinsame Klammer, sagte einer, sei „die Liebe zur bayerischen Volksmusik, zum Bier und zum weiblichen Geschlecht“. Diesem Bekenntnis wurde auch beim feucht-fröhlichen Carry-Abend die Treue erwiesen.

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