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Buttenwiesen

30.07.2020

Werden im Donauried Steuergelder verprasst?

Historische Momente: Bund Naturschutz-Ehrenvorsitzender Hubert Weiger (links) erinnert sich gemeinsam mit seinem Mitstreiter Gernot Hartwig (rechts) an den Widerstand gegen ein Atomkraftwerk im Donauried vor 40 Jahren. Das Mahnkreuz aus Beton vom Wertinger Künstler Manfred J. Nittbaur bot dazu gute Gelegenheit. Landeschef Richard Mergner zeigte sich von dem damaligen erfolgreichen Engagement der ganzen Region tief beeindruckt.
Bild: Günter Stauch

Plus Prominente Naturschützer wollen ein Umdenken bei den Finanzspritzen. Zuschüsse für den Straßenbau seien „süßes Gift“.

Naturschützer haben bei einem Ortstermin im Donauried ein Umdenken bei Finanzspritzen für den Straßenbau gefordert. Das bayerische System der staatlichen Zuwendungen bei Baumaßnahmen könne für Natur und Landschaft schlimme Folgen haben. Das ist die Meinung des Landesvorsitzenden des Bund Naturschutz (BN), Richard Mergner. Vor den auf einem Feldweg nördlich von Pfaffenhofen angetretenen BN-Vorstandsmitgliedern, Kreisgruppen-Chefs sowie zwei Dutzend Anwohnern und Interessenten setzte der streitbare Umweltschützer immer wieder zu einer System-Schelte an, der sich einige Redner mit harscher Kritik an der bestehenden Vergabe-Praxis anschlossen.

Im Donauried soll eine Straße massiv ausgebaut werden

„Gerade beim Straßen- und Wegebau werden durch die Fördermittel überdimensionierte Bauwerke nach staatlichen Richtlinien mit erheblichen Auswirkungen erst initiiert, wo sonst einfach Sanierungsmaßnahmen ausreichend wären“, attestierte der seit zweieinhalb Jahren amtierende Landesvorsitzende. Das bedeute ein „Verprassen von Steuergeldern“. Dabei stand der Leiter einer Organisation mit 245 000 Mitgliedern nicht zufällig am Kopfende der Gemeindeverbindungsstraße Buttenwiesen-Tapfheim. Zumal laut dem BN-Regionalreferenten für Schwaben, Thomas Frey, der dort geplante Ausbau „als Paradebeispiel dafür steht, was da in Bayern schiefläuft.“ Auch Richard Mergner ließ durchblicken, wie wenig er von dem Sieben-Millionen-Euro-Projekt hält, das laut BN unter anderem eine Verbreiterung von heute fünf Meter auf künftig bis zu 25 Meter inklusive Radwegen vorsieht. „Dieser Anschlag auf die Heimat steht leider in einer unseligen Tradition bei diesem Thema.“ Und: „Wir brauchen keine Rennstrecke im Donauried.“

Diese Ansicht vertrat auch Dillingens BN-Vorsitzende Heidi Terpoorten, die wie Buttenwiesens Ortsvorsitzender Gernot Hartwig die Notwendigkeit eines überdimensionierten Vorhabens in Frage stellte und für ein Umdenken in den Gemeinden warb. So auch der mit zweieinhalb Jahrzehnten Ratserfahrung ausgestattete Ex-Lehrer Hartwig, der sich seit 40 Jahren für die Umwelt ins Zeug legt: „Kommunen brauchen Zuschüsse – aber sie sollten so gestaltet sein: Je weniger Natur zerstört wird, umso höher sollte der Zuschuss sein. Heute ist es andersherum.“ Ein Ärgernis aus Sicht der Naturschützer stellen auch Finanzspritzen vom Freistaat für die Landwirtschaftswege dar, die Terpoortens Stellvertreter Thomas Hefele zuvor ins Spiel gebracht hatte. Seinen Angaben zufolge stehen im Landkreis Ausbauten auf einer Länge von 60 Kilometern und einer Breite von fünf Metern in der Planung. Als Alternative dazu regte der stellvertretende BN-Landeschef Sebastian Schönauer Investitionen in kleinbäuerliche Biolandwirtschaft an, „anstatt die Industrialisierung der Landwirtschaft zu unterstützen.“

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Der erfolgreiche Kampf gegen das AKW macht den Naturschützern Mut

Von der Gegenwart in die Vergangenheit marschierten die Teilnehmer der sogenannten „Vorstandsbereisung“ mit Stationen in drei schwäbischen Landkreisen abschließend zum Atomkreuz im Norden Pfaffenhofens. Dort wurde vor bald 40 Jahren ein über zwölf Meter hohes Mahnmal des Wertinger Künstler Manfred J. Nittbaur, Höhepunkt eines langen wie erbitterten Widerstands gegen das geplante Atomkraftwerk. Dort ragen heute statt zweier Kühltürme prächtige dunkelgrüne Laubbäume in den weiß-blauen Himmel. BN-Ehrenvorsitzender Hubert Weiger, aufgewachsen in Glöttweng im Kreis Günzburg, marschierte einst an der Seite von Dichter Alois Sailer und vielen weiteren Mitstreitern gegen das AKW-Projekt an. „Ein historischer Moment“, merkte der Professor ergriffen an. „Dieser einstige Sieg sollte uns auch für unsere Aktivitäten gegen übertriebene Straßenvorhaben Mut machen.“

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