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Binswangen

21.08.2019

Wow – So eine reiche Geschichte hat Binswangen!

Ein historischer Spaziergang durch Binswangen bietet viele Einblicke in die Geschichte des Dorfes.
Bild: Andrea Meitinger

Was ein Spaziergang durch das Dorf doch für Einblicke gewähren kann.

Was bietet sich mehr an, als an heißen Tagen kühlen Unterschlupf zu suchen und nebenbei noch die Geschichte eines Ortes kennenzulernen? Gelungen war dies dem Friedens- und Heimatverein, als bei gleißender Hitze die dritte Gruppe in der Mittagszeit zu einigen Sehenswürdigkeiten des Ortes in Binswangen aufbrach. Die aufgesuchten, kühlen Räumlichkeiten waren die Marienkapelle, die Pfarrkirche St. Nikolaus, das Schillinghaus, sowie die Synagoge.

Los ging es am Dorfplatz. Von dort aus steuerten die Ortsfreudigen zu Fuß die erste Station an, die Marienkapelle. Reiner Bühler, der die Gruppe anführte, erzählte dabei die ein oder andere Anekdote. So teilte er mit, dass der Ort Binswangen 1182 erstmals urkundlich erwähnt worden sei.

An der Schwelle zur Friedhofskapelle erwartete die Kulturbegeisterten der erste Sprecher für dieses architektonische Juwel. Helmut Storr ließ seine Zuhörer im Zentrum der Kirche um den Altar Platz nehmen und begann dann mit seinen Ausführungen.

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Binswangen hat eine reiche Vergangenheit

Am 17. November 1630 wurde das Kirchenhaus, dessen Bauherren die Freiherren von Schertlin waren, eingeweiht. Der Name des Planers lautet Johann Alberthal, welcher damals noch Unterstützung durch den renommierten Augsburger Stadtbaumeister Elias Holl fand. Viele Deckengemälde, so erzählte Storr, haben mit der Mutter Gottes zu tun. Auch die vier Kirchenlehrer sind bildlich dargestellt. 1809 hätte die Marienkapelle versteigert werden sollen. Doch die Binswanger Bürger erwarben es für 349 Gulden in ihren eigenen Besitz. Auch ihre jüdischen Mitbürger haben dafür mitbezahlt.

Auf dem Schlossberg, wo die Kirche steht, warteten schon Gertrud Schrezenmeir und Leonhard Rupp, die ihr Bestes vortrugen. Dazu gehörte, dass das Ur-Binswangen früher um das damals etwas hinterhalb der Kirche stehende Schloss herum angesiedelt war. Die Kirche wurde hier mehrmals immer wieder aufgebaut, jeweils einem neuen Baustil folgend.

Der heilige Nikolaus, Patron des Ortes, steht unter anderem für den Schutz von Kindern, Reisenden und Seeleuten. Das Schloss selbst gibt es heute nicht mehr. Viele Materialien dieses Herrschaftsbaus wurden aber damals in sämtlichen Wohnhäusern der Gemeinde wiederverwendet beziehungsweise integriert. Ob Türen, Fenster, sogar die Mauersteine wurden abgetragen und neu verbaut.

Das Schillinghaus erreichte die Fußgruppe dann schon mit etwas knurrendem Magen. Alexander Gumpp trug hier zu Beginn seine Erzählungen in dem hinteren, neu gebauten Trakt des schmucken Vereinshauses vor. Dieser große saalähnliche Raum lässt die Klänge der Bläser bei den Proben in bester Akustik widerhallen.

Die jüdische Bevölkerung war oft im Gemeinderat vertreten

Weil in Binswangen jede Menge tatkräftiger und talentierter Handwerker in den Vereinen eingegliedert sind, sei die Umsetzung dieses baulichen Vorhabens möglich gewesen, sagte Gumpp.

Anschließend fand die Begehung des komplett sanierten Schillinghauses im vorderen Bereich statt. Die ursprünglichen Fenster des Schillinghauses stammten übrigens vom Schloss. Sie konnten jedoch nicht wiederverwendet werden, die Substanz befand sich in einem zu schlechten Zustand. Ein Fenster jedoch wurde erhalten und im oberen Stockwerk zur Erinnerung verbaut.

Durch die letzte Geschichte des Tages führte Anton Kapfer: die Geschichte der Synagoge.

Dass Binswangen eine ehemalige Landjudengemeinde war und das jüdische Volk sich in den Dörfern immer im Osten ansiedelte, wusste nicht jeder der Gruppe. Die jüdische Bevölkerung nahm sehr aktiv am öffentlichen Leben teil. So fand man sie oft als Gründungsmitglieder bei der Feuerwehr oder dem Gesangsverein, auch im Gemeinderat waren sie oftmals sehr aktiv.

Die Synagoge selbst trägt typische architektonische Merkmale des jüdischen Brauchtums. Ihr Baustil ist „neo-maurisch“, die Fenster sind mit Hufeisenbogen ausgestattet und die Ausrichtung des Gotteshauses geht Richtung Osten.

In genau diese Richtung, nach Osten nämlich, wurden dann nach fast dreistündigem Rundgang die Teilnehmer zu einem abschließenden kühlen Getränk und einem Mittagessen auf den Dorfplatz entlassen. Wieder sind die Menschen einem Ort ein bisschen näher gekommen. Den Veranstaltern gelang es bestens, durch erzählte Geschichte eine Verbindung zu schaffen.

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