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Reisen

22.09.2017

Zwei Wertinger radeln von Norwegen bis nach Sizilien

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Bei ihrem Zwischenhalt in Wertingen sind es genau 4572 Kilometer, die Benjamin Schwitz und Jana Eichler seit ihrem Start am 5. Juli zurückgelegt haben. Jetzt ist das Paar schon unterwegs zu ihrem nächsten Ziel: Palermo in Italien.
Bild: Judith Roderfeld

Jana Eichler und Benjamin Schwitz radeln seit mehr als zwei Monaten durch Europa. In Wertingen machen sie einen Zwischenstopp. Knapp 3000 Kilometer liegen noch vor ihnen

Mit einem schwarzen Filzstift malt Jana Eichler die Zahlen auf dem braunen Pappkarton nach. „4572“, sagt sie und lächelt. „So viele Kilometer haben wir schon geschafft.“ Mit ihrem Freund Benjamin Schwitz fährt die 24-Jährige von Norwegen bis zu ihrer Heimatstadt Wertingen  – mit dem Rad. Dabei ist der Landkreis nicht das Ende ihrer Reise. Sie treten wieder in die Pedale, sind auf dem Weg zu ihrem nächsten Ziel: dem sizilianischen Palermo.

Insgesamt wollen die beiden  eine Strecke von 6500 Kilometern zurücklegen – so war zumindest der Plan. Doch Pläne ändern sich. Durch die eine oder andere Abzweigung mehr, das etwas längere Verweilen an einem Ort oder durch absichtliche Umwege. „Es werden wohl 7500 Kilometer“, sagt der 25-Jährige, der mit seiner Freundin am 5. Juli mit dem „Abenteuer Radtour“ begann.

Akribisch geplant haben sie ihre Route nicht. Mittels Landkarten fahren sie von einem Dorf zum nächsten. „Wir haben absichtlich weniger Pläne gemacht, weil wir dadurch viel flexibler sind.“ Bei den bisherigen Reisen von Jana Eichler lief es anders. „Einen Monat vorher habe ich mir Reiseführer gekauft und alles genau festgelegt.“ Jetzt genießt sie die Freiheit, die sie auf der Tour spürt. „Man ist nicht eingebunden. Geht es mir oder Benjamin nicht gut, hören wir einfach auf.“

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In Tromsø in Norwegen beginnt ihr Trip. Ein Land, das die 24-Jährige schon immer sehen wollte. Die Berge zum Radeln verlangten ihr aber einiges ab. „Norwegen, du warst vielleicht nicht der leichteste Einstieg in unsere erste Radreise, aber dafür vermutlich der allerschönste“, schreibt sie auf ihrem Blog. Beide sind angetan. Besonders von den Lofoten. „Das sieht aus wie im Katalog“, sagt sie, schaut auf das Bild und wischt mit ihrem Finger über den Bildschirm ihres Tablets.

Die Tour ging vom norwegischen Tromsø über die Lofoten, Bodø und Oslo. Weiter nach Göteborg, Kopenhagen und Fehmarn. Quer durch Bremen, Papenburg, Osnabrück, Göttingen und Würzburg. In Wertingen endete der erste Teil ihrer Reise.

Mit dem Urlaub erfüllt sich die angehende Lehrerin einen großen Wunsch. Zwischen Studienabschluss und Referendariat wollte sie einen Schnitt. „Eine Wanderung wäre toll“, dachte sie sich im Sommer 2016. In der Zeit entstand die Idee. „Weil es von Norwegen bis Palermo nur sehr weit ist, haben wir uns für das Fahrrad entschieden.“ Das sei einfach schneller, sagt sie und lacht.

Schwitz und Eichler haben in Würzburg studiert, Bauingenieurwesen und Sonderpädagogik. Extra trainiert haben die beiden vor ihrem Trip nicht. Die 24-Jährige erzählt, sie sei vorher nicht einmal besonders sportlich gewesen. „In der Uni-Zeit bin ich eher mit dem Bus gefahren.“ Für die Tour besorgte sich jeder ein neues Rad und spezielle Radlerhosen. „Damit der Hintern nicht weh tut.“

Im Schnitt fahren sie jetzt 80 bis 90 Kilometer pro Tag. „Am Anfang haben wir den Weg nicht so schnell geschafft und abends sind wir todmüde ins Bett gefallen“, berichtet Benjamin Schwitz. Doch jetzt sind sie fit, erreichen ein höheres Tagespensum. „Das längste waren 136 Kilometer.“ Motivation gibt ihnen stets das kommende Etappenende. „Die nächste Pause ist mein nächstes Ziel“, sagt Eichler.

Insgesamt hängen 64 Kilogramm Gepäck an den Rädern. Viel Kleidung ist nicht dabei. „Ich habe fünf Unterhosen und vier Paar Socken mit“, so die junge Wertingerin. Wechselnde Outfits sind nicht drin. Der Look ist fast jeden Tag derselbe. „Nur für die Städtetrips haben wir extra was mit.“ Gewaschen wird, sobald der nächste Campingplatz in Sicht ist.

Was dafür mit in die Tasche musste, waren Spiegelreflexkamera, Stativ, Tablet und Bluetooth-Box. Das kleine tragbare Gerät klemmt hinten auf dem Gepäckträger. Musik hilft. Gerade in den Momenten, wenn es regnet, sagt Schwitz. „Oder du richtig erschöpft bist.“ Solche Tage gibt es. Solche, an denen die junge Radlerin an ihre Grenzen kommt. „Manchmal hatte ich vor jeder nächsten Kurve die Hoffnung, dass die Etappe vorbei ist“, erinnert sich die 24-Jährige an den Start in Norwegen und ergänzt: „Ich war den Tränen nahe. Ich konnte einfach nicht mehr “ Doch sie hat es immer wieder geschafft, ist die Berge in Norwegen hinaufgefahren. Belohnt wurden beide gleichermaßen. „Mit der Landschaft.“

Die Bilder der Idylle sind fest eingebrannt in ihren Erinnerungen. Ein Blick auf die Fotos genügt und der Glanz in den Augen ist zurück. Sie sahen Delfine, Wale, Papageientaucher und einen Elch. Sie flanierten durch die Straßen von Oslo und Kopenhagen oder genossen die Stille in den Lofoten. Es gab viele Situationen, an denen sie sich dachten: „Besser wird es nicht mehr, weil es so schön ist.“ Sie seien überschwemmt worden von den vielen Eindrücken.

In Deutschland besucht das Paar die Oma in Papenburg, Freunde in Würzburg oder die Tante in Ahlen.

Trotz tausender Kilometer: „Die Reifen sind bisher nicht geplatzt“, sagt Schwitz. Defekte Lichter gab es ebenso wenig. „Nach 3500 Kilometern haben wir erst Luft nachgepumpt.“

Mittlerweile sind die beiden schon wieder unterwegs. Ab München geht es über die Alpen. In der Zeit werden sie von Tim Middendorf, dem Cousin von Schwitz, begleitet.

Am Ende will das Paar im sizilianischen Palermo am Strand liegen. „Wir haben auch schon eine Verabredung zum Pizzaessen.“ Mit einem Radfahrer, den sie auf ihrem Weg in Dänemark kennenlernten und der dann auch in Italien weilt.

Viele tolle Menschen hätten sie während der Zeit auf dem Rad kennengelernt. Drei Mal übernachteten Eichler und Schwitz auf den Wiesen unbekannter Bauernhöfe. „Wir wurden so freundlich aufgenommen, haben Kaffee und Süßigkeiten bekommen.“

Bis Ende Oktober wollen sie Radfahren. Nach der Tour soll es weitergehen. Am liebsten nach Asien. Dort aber ohne ihre Gefährte.

Ab Juli nächstes Jahres startet der Beginn ins Berufsleben. Bis dahin genießen die jungen Wertinger ihre Freiheit. „Wir machen das so lange, bis uns das Geld ausgeht.“ Während des Studiums haben sie viel gearbeitet, um sich den Trip leisten zu können. Jetzt genießen sie es, sich treiben zu lassen. Brauchen sie zwei Wochen länger, bis sie in der italienischen Sonne brutzeln, dann sei das nicht schlimm. „Wir haben keinen Druck.“

Schwitz und Eichler sind seit sechseinhalb Jahren zusammen, gingen beide zum Wertinger Gymnasium. Nach dem Prüfungsstress an der Uni suchten sie sich diesen besonderen Weg aus, um sich Noten und Lernbücher aus dem Kopf pusten zu lassen. Zugleich sollte es eine Reise sein, die eine Herausforderung darstellt. „Ich wollte ein Ziel, irgendwas schaffen“, sagt die 24-Jährige. Und auch wenn die Versuchung zeitweise groß war, die nächste Bushaltestelle oder einen Bahnhof anzupeilen: „Geschummelt wurde nicht. Kein einziges Mal.“

Der Reiseblog der beiden Radler ist zu finden unter:

https://einfachtreten.tumblr.com/

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