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Übernahmeschlacht

05.12.2019

Das Schicksal von Osram hängt an den Aktionären

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag läuft das Übernahmeangebot von AMS für den Lichtkonzern Osram aus.
Bild: Rene Ruprecht, dpa

Plus Ob das Übernahmeangebot von AMS erfolgreich sein wird, ist erst am Montag klar. Aber es gibt Hinweise, wie es dann weitergehen könnte.

Der Ausgang des Übernahmeangebots von AMS war bis zuletzt nicht vorherzusehen. Ob es erfolgreich war, wird erst am Montagabend bekannt gegeben. Unabhängig vom Ergebnis, kann man aber schon einige Aussagen dazu treffen, wie es ab Montag weitergehen dürfte.

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AMS hat sein Angebot am 7. November öffentlich gemacht. 41 Euro wollte das Unternehmen über eine extra gegründete Tochtergesellschaft für jede Osram-Aktie bezahlen. Bedingung war, dass das Unternehmen dadurch in den Besitz von mindestens 55 Prozent der Papiere gelangt. Rund 20 Prozent der Aktien hatte AMS bei der Platzierung des Angebots bereits in seinem Besitz. Laut der jüngsten Pflichtveröffentlichung kamen als Reaktion auf das Angebot bis zum Mittwochabend, 18 Uhr, weitere 15,85 Prozent zusammen.

Es ist nicht ungewöhnlich bei solchen Transaktionen, dass die meisten Papiere erst ganz kurz vor Schluss angedient werden. Doch bei diesem Angebot war alles noch komplizierter. Ein relativ hoher Anteil der Osram-Aktien ist im Streubesitz, das heißt, viele Anleger haben relativ kleine Positionen der Papiere in ihrem Depot. Dazu kommen noch diverse Investmentfonds, die Osram-Papiere halten, zum Beispiel weil sie einen Aktienindex wie den Dax nachbilden. Doch wo Rauch ist, ist auch Feuer: Die Monate währende Übernahmeschlacht bei Osram, bei der das sich das Unternehmen erst gegen AMS ausgesprochen hat, um dann doch eine Kehrtwende zu unternehmen, hat auch eine Reihe von Hedgefonds auf den Plan gerufen.

Das Schicksal von Osram hängt an den Aktionären

Hedgefonds wollen an der Osram-Übernahme mitverdienen

Diese Investoren haben erst einmal kein Interesse an den Firmen AMS oder Osram, sondern glauben, durch geschicktes Handeln an der geplanten Transaktion verdienen zu können. Klaus Abel, stellvertretender Aufsichtsratvorsitzender von Osram und Unternehmensbetreuer der IG Metall für die Firma, formuliert es vor kurz dem Ende der Übernahmefrist so: „Was wir im Moment erleben, ist reine Spekulation um den Aktienpreis.“

Nach Schätzungen aus Finanzkreisen hielten diverse Hedgefonds vor Ablauf der Übernahmefrist 35 bis 45 Prozent der Osram-Aktien. Ihr gemeinsames Interesse war, dass AMS mit seinem Angebot erfolgreich ist – aber nur so knapp wie möglich. Denn wenn AMS die 55 Prozent zusammenbekommen hat, muss die Firma die angedienten Aktien auch kaufen. 55 Prozent der Anteile reichen aber nicht, um bei Osram eine beherrschende Stellung zu bekommen, dafür müssten es schon um die 70 Prozent sein. Das heißt, AMS müsste weitere Papiere kaufen – von den Hedgefonds, die dafür deutlich mehr verlangen würden, als die nun gebotenen 41 Euro.

Wie geht es weiter, wenn der Übernahmeversuch scheitert?

Wenn das Angebot gescheitert ist, etwa, weil die Fonds sich untereinander nicht einigen konnten, wer wie viele Aktien abgibt, um hernach Kasse zu machen, dürfte der Osram-Kurs an der Börse nach der Bekanntgabe des Ergebnisses in den Keller rutschen, da an der Börse die Ansicht besteht, dass Osram ohne einen externen Investor Schwierigkeiten hat, die nötige Transformation zu meistern. Damit hätten die Hedgefonds Geld verloren.

Lange Zeit waren der Name und die Firma Osram in Augsburg sehr präsent.
Bild: Silvio Wyszengrad

Doch wie geht es in diesem Fall weiter für Osram? Und was passiert mit Konzern-Chef Olaf Berlien, wenn der von ihm gestützte Übernahmeversuch scheitert? „Ich habe bisher von der Arbeitnehmerseite keine Signale vernommen, dass es Bestrebungen gibt, Berlien abzulösen“, sagt Abel. Für Osram komme es dann darauf an, einen Ankeraktionär zu finden, der an das Unternehmen glaubt und ihm die Zeit für die nötige Transformation einräumt. So ein strategischer Investor könne sein Aktienpaket nach einigen Jahren und erfolgreichem Umbau, wieder mit Gewinn verkaufen. Damit könnte ein Bieter wieder ins Spiel kommen, der schon vor dem AMS-Abenteuer Interesse an Osram hatte: die US-Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle.

Lesen Sie dazu auch: Die Osram-Standorte in der Region kämpfen um ihre Zukunft (Plus+)

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