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12.11.2018

Deutschlands Software-Riese SAP rüstet auf

SAP investiert gigantische Summen, um weiter zu wachsen.
Bild: Uwe Anspach, dpa (Archiv)

Um weiter gegen die US-Konkurrenz bestehen zu können, investiert SAP jetzt gigantische Summen in den Kauf von Qualtrics.

Als in Amerika Bill Gates und Steve Jobs sich gerade einmal für ein Studium eingeschrieben hatten und noch weit von ihren Karrieren als Weltveränderer entfernt waren, begann in Deutschland eine kleine moderne Wirtschaftswundergeschichte. 1972 schart Dietmar Hopp vier IBM-Kollegen um sich und gründet mit Hasso Plattner, Claus Wellenreuther, Klaus Tschira und Hans-Werner Hector ein Unternehmen. Damals standen die drei Buchstaben der Neun-Mitarbeiter-Firma SAP noch für „Softwareunternehmen Systemanalyse und Programmentwicklung“. Heute steht SAP für den einzigen Software-Riesen aus Deutschland mit Weltrang.

SAP ist größter Software-Hersteller außerhalb der USA

Der Konzern mit Sitz im baden-württembergischen Walldorf ist der größte Software-Hersteller außerhalb Amerikas und zählt weltweit über 90.000 Mitarbeiter. SAP zählt damit zu den größten Anbietern der Welt für Unternehmenssoftware und bietet dabei Computerprogramme und Steuerungssoftware für alle Unternehmensbereiche von der Produktion, dem Vertrieb über die Buchhaltung bis zur Lagerhaltung und Personalverwaltung. Um seine Spitzenstellung im harten Wettbewerb mit der internationalen Konkurrenz zu behaupten, investiert der Walldorfer Konzern nun erneut Milliardenbeträge: So kauft SAP jetzt das US-Unternehmen Qualtrics, das eigentlich bald an die Börse gehen wollte, für rund sieben Milliarden Euro, wie der Dax-Konzern in der Nacht zum Montag ankündigte.

Es ist bereits die zweite Milliardenübernahme in diesem Jahr, mit der SAP-Vorstandschef Bill McDermott gezielt im Revier seines größten Konkurrenten wildert – des US-Software-Konzerns Salesforce. Das nun erworbene Unternehmen Qualtrics ist spezialisiert auf das Sammeln von Kunden-, Mitarbeiter- und Produktdaten. Unter anderem sollen Webseitenbesucher so schneller wiedererkannt werden, um ihnen gezielt Produkte anbieten zu können. Vor allem die Verbindung solcher Kunden-Informationen mit Daten aus dem eigenen Unternehmen verheiße ein gutes Geschäft für die Kunden, sagt SAP-Chef McDermott.

Übernimmt sich SAP mit dem Kauf von Qualtrics?

SAP hatte sich eigentlich auf kleinere Übernahmen konzentrieren wollen, nachdem der Konzern Anfang des Jahres bereits 2,4 Milliarden Dollar für den irisch-amerikanischen Unternehmenssoftware-Anbieter Callidus ausgegeben hatte.

Callidus bietet vor allem Vertriebsmitarbeitern die Möglichkeit, vor Ort beim Kunden Angebote zu erstellen – was bislang einer der großen Pluspunkte des großen Konkurrenten Salesforce ist. „Wir hätten niemals gedacht, dass wir Qualtrics bekommen könnten“, sagte SAP-Chef McDermott am Montag stolz. Er verwies auf einen „massiven“ Markt mit einem Volumen von mehr als 44 Milliarden Dollar, den man mit Qualtrics beackern könne. Doch es gibt auch kritische Töne, ob sich die deutsche Software-Schmiede mit der Milliarden-Übernahme nicht etwas überheben könnte: Analysten der NordLB etwa nannten den Kaufpreis für die Übernahme von Qualtrics zumindest „recht sportlich“.

Der amerikanische SAP-Hauptkonkurrent Salesforce mit rund neun Milliarden Euro Umsatz ist Branchenführer für Software-Lösungen, die internetbasiert „in der Cloud“ arbeiten. SAP macht mit rund 24 Milliarden Euro fast viermal so viel Umsatz und ist Marktführer bei Unternehmenssoftware, die als fest installierte Programme auf den Rechnern der Kunden laufen. Das Cloud-Geschäft gilt aber als Markt mit den größten Wachstumschancen der Zukunft. Deshalb steuert SAP-Chef McDermott zusammen mit Co-Chef Jim Hagemann Snabe den Konzern seit seinem Amtsantritt 2010 auf die schnell wachsende Cloudsoftware um. Seitdem hat der Konzern für dutzende Milliarden in dem Geschäft zugekauft und seine eigene Kernsoftware ebenfalls in die Cloud gebracht. (mit dpa)

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