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Augsburg

15.03.2018

Messe Grindtec: "Wer sich nicht weiter entwickelt, hat verloren"

Die Unternehmen müssen sich auf Elektromobilität einstellen, sagt Wilfried Saxler.
Bild: Judith Roderfeld

Die Weltleitmesse für Schleiftechnik findet alle zwei Jahre in Augsburg statt. Heuer präsentieren 640 Aussteller aus 30 Nationen ihre Neuheiten auf der Grindtec.

Es ist eng zwischen den Messeständen der Grindtec, der Weltleitmesse für Schleiftechnik, die noch bis morgen in Augsburg stattfindet. Vorwiegend Männer in dunklen Anzügen schieben sich durch die Gänge, weichen Gegenverkehr aus und machen schließlich an einem der Stände der 640 Aussteller aus 30 Nationen halt. Sogar zwei mobile Hallen wurden auf dem Freigelände aufgebaut, um allen Ausstelleranfragen gerecht zu werden. Die Grindtec ist mit ihren 45.000 Quadratmetern die größte Messe, die in Augsburg stattfindet. Kein Wunder, dass es bisweilen kuschelig zugeht.

Wandel in der Automobilindustrie als Herausforderung

Die Besucher nehmen das in Kauf, denn schließlich ist die Messe weltweit der Treffpunkt der Branche. „Wegen der Fokussierung auf ein spezielles Themengebiet finden sie hier genau das, was sie auch suchen. Ohne Streuverluste“, sagt Henning Könicke vom Veranstalter Afag. Das sei wichtig, auch für die Aussteller, denn die Branche steht vor großen Herausforderungen.

Eine davon ist der Wandel in der Automobilindustrie. Weil das Thema Elektromobilität immer stärker in den Fokus rückt, müssen neue Werkzeuge zur Bearbeitung der Fahrzeugteile her. „Wenn man sich überlegt, dass es bei einem Elektroauto keinen klassischen Antriebsstrang oder Getriebe mehr gibt und auch keinen Verbrennungsmotor, dann ist klar, dass weniger Werkzeuge zur Bearbeitung dieser Komponenten gebraucht werden. Dafür aber andere. Darauf müssen sich die Unternehmen einstellen“, erklärt Wilfried Saxler, Geschäftsführer des Fachverbands Deutscher Präzisionswerkzeugschleifer (FDPW). Es gelte, sich neue Geschäftsbereiche zu suchen. Einer davon hänge eng mit der Wende hin zu mehr Elektromobilität zusammen. „Der Strom für diese Fahrzeuge muss irgendwo her kommen. Man braucht Generatoren. Hier stecken wiederum Bauteile drin, die geschliffen werden müssen und für deren Herstellung Werkzeuge gebraucht werden“, erklärt der Experte.

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Das haben die Unternehmen bereits erkannt, sich darauf eingestellt und präsentieren auf der Grindtec erste Lösungen. Tim Patrick Helmecke vom Aussteller Haas Schleifmaschinen aus Trossingen sagt: „Die Energiewende führt dazu, dass Generatoren immer mehr Bedeutung zukommt. Hier stehen auch immer größere Bauteile zur Bearbeitung an. Das bedeutet, dass wir größere Maschinen konstruieren und bauen müssen. Die stellen wir auf der Grindtec vor.“

Immer anspruchsvollere Kunden

Dass Innovationen für die Branche eine größere Herausforderung sind als die Digitalisierung, sagt Jens Bleher, Geschäftsführer der Fritz Studer AG aus der Schweiz. „Die Kunden werden immer anspruchsvoller. Wir arbeiten mittlerweile auf das Zehntel My genau. Das ist, als teile man ein Haar noch zweihundert Mal längs“, verdeutlicht er. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, müsse man sich ständig weiterentwickeln, die Laufzeit von Maschinen nehme ab, die Branche werde schnelllebiger. „Man muss heute entwickeln, was morgen gebraucht wird, ohne sich dabei zu verzetteln und aufs falsche Pferd zu setzen“, erzählt er. Weil ein Unternehmen das längst nicht mehr alleine kann, arbeitet man mit Wissenschaft und Forschung zusammen, holt sich Anregungen beim Kunden und hat den Markt mit seinen Entwicklungen genau im Blick. So entstünden ständig neue Ideen. „Unternehmen, die keine Ideen haben, haben verloren“, sagt Bleher.

Neue Ideen hat auch der Messeveranstalter Afag. Er denkt schon an die Grindtec 2020 und will den Ausstellern und Besuchern dann noch bessere Voraussetzungen bieten als bisher. Vor allem, was die Ausstellungsfläche betrifft. 2020 steht die neue Messehalle 2 zur Verfügung und soll mehr Platz auch für innovative Messekonzepte bieten. Dann wird die Marke von 700 Ausstellern angepeilt, die dann ausreichend Platz haben, sich an den Messeständen zu informieren.

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