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Augsburg

06.02.2019

Premium Aerotec produziert Teile für Elon Musks "Hyperloop"

In einer Kapsel in Schallgeschwindigkeit durch Röhren reisen: Die Vision, an der nun weltweit Firmen arbeiten, stammt ursprünglich von Tesla- und SpaceX-Grüner Elon Musk.
Bild: obs, JumpStartFund

Plus Mit 467 km/h rast das Fahrzeug von Münchner Studenten durch die Hyperloop-Röhre in L.A. Was ein Augsburger Unternehmen damit zu tun hat.

Der Film, den die Studenten der Technischen Universität München vorführen, erinnert an einen Comic-Streifen. Wenn der Held eine Zeitreise antritt. Man sieht einen Tunnel, dessen Wände immer mal wieder beleuchtet sind. Je länger das Video geht, desto schneller rauschen die Lichter vorbei. Immer schneller und schneller. Und dann, ganz abrupt, stoppt der Lichterrausch. Es staubt. Nur ist niemand in eine andere Zeit gefallen.

Die Aufnahme war real. Die Bilder stammten von einem Fahrzeug, das durch die Hyperloop-Röhre von Elon Musk rast. Am schnellsten Punkt war das Fahrzeug mit 330 Stundenkilometer unterwegs – und es geht noch schneller. Beim Wettbewerb im vergangenen Jahr jagten die Münchner ihren Wagen mit 467 km/h durch den Tunnel.

Im Hyperloop sollen Fahrzeuge bis auf 1200 Stundenkilometern beschleunigen

Wer sich jetzt denkt: Röhre? Hyperloop? Wie bitte? Die Technik ist nicht ganz so unverständlich, wie sie sich anhört. Aber doch ziemlich futuristisch. Vor etwa sechs Jahren hatte Tesla-Gründer Elon Musk eine Idee: Könnte man Fahrzeuge durch eine Röhre schicken, in der ein Vakuum herrscht, würden sie wesentlich schneller vorankommen. Denn was Züge oder Autos verlangsamt, ist vor allem der Luftwiderstand, erklärt der TU-Student Florian Janke. „Schon jetzt fahren Züge mit 400 km/h. Aber der Schritt von 400 auf 500 oder 600 Stundenkilometer braucht sehr viel Energie.“ Und deshalb lohne sich die höhere Geschwindigkeit kaum.

Warum also nicht die Luft aus einem Tunnel saugen und Züge mit 1200 Stundenkilometern – knapp unter Schallgeschwindigkeit – hindurchjagen, dachte sich Musk. Die Idee zum Hyperloop war geboren. „In voller Geschwindigkeit könnte man in etwas mehr als einer halben Stunde von München nach Berlin kommen“, sagt Janke. Bislang ist das Zukunftsmusik. Schätzungen gehen davon aus, dass frühestens in zehn bis 15 Jahren jemand dieses Transportmittel nutzen kann. Wenn überhaupt. Denn viele Kritiker glauben nicht daran, dass sich diese Mobilitätsform jemals durchsetzen wird: zu teuer und zu gefährlich.

Premium-Aerotec-Chef Thomas Ehm (links), Florian Janke, Student der TU München (Mitte), und Tobias Wirtz zeigen das Rekordfahrzeug.
Bild: Ulrich Wagner

Dennoch arbeitet Musk daran, dass seine Idee nicht nur ein Hirngespinst bleibt. 2015 schrieb seine Raumfahrtfirma Space X zum ersten Mal einen internationalen Wettbewerb aus. Studenten und Forscher sollten gegeneinander antreten. Das Team, dessen Fahrzeug – Pod genannt – am schnellsten durch eine 1,2 Kilometer lange, fast luftleere Röhre fährt, gewinnt.

Die Studenten der TU München gewinnen schon zum dritten Mal in Folge

Die Studenten von der TU München schafften es schon damals nicht nur unter die besten drei Teams weltweit, sie waren auch die schnellsten. Im ersten Jahr genauso wie in den folgenden zwei. 2018 stellten sie dann den neuen Rekord auf: 467 Stundenkilometer. Und auch bei der vierten Wiederholung des Wettbewerbs sind die Studenten dabei. Diesmal möchten sie ihr Fahrzeug auf 600 Stundenkilometer beschleunigen, erzählt Paloma Garcia Guillén, die schon mit etlichen Mitstreitern am neuen Konzept arbeitet. Denn der Pod wird jedes Jahr neu entwickelt und gebaut. Dafür stecken die Studenten immens viel Arbeit in das Projekt. „Wir arbeiten etwa 80 Stunden in der Woche“, erzählt Janke. Und Guillén sagt: „Wir sind einfach immer in der Werkstatt.“

Ein Partner war beim vergangenen Wettbewerb die Firma Premium Aerotec. Sie stellt für die Studenten den Rahmen des Fahrzeugs her, an dem später alle anderen Bauteile befestigt werden. „Das ist wirklich sehr wichtig für uns“, sagt Guillén. Betreut hat die Zusammenarbeit Tobias Wirtz. Er hat selbst in seiner Studienzeit von einem solchen Wettbewerb profitiert: der Formula Student. Dabei bauen Uni-Teams Rennautos und treten gegeneinander an. Wirtz sagt: „Die Zusammenarbeit ist toll. Die Studenten sind unheimlich forsch und innovativ. Und gleichzeitig sehr unerfahren.“ Mit der Erfahrung könne eine Firma wie Premium Aerotec helfen. So ergänze man sich.

Auch Premium-Aerotec-Chef Thomas Ehm ist von dem Projekt begeistert. So begeistert, dass er den Studenten bei ihrer Präsentation in Augsburg gleich zusagte, sie auch dieses Jahr wieder zu unterstützen. „Für uns ist das eine tolle Sache, weil wir uns natürlich mit den Materialien, die dort wichtig sind, auskennen“, sagt Ehm. Und sollten die Menschen eines Tages tatsächlich per Hyperloop reisen, kann sich Ehm gut vorstellen, dass Teile der Fahrzeuge dann von Premium Aerotec kommen.

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