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Klimaschutz

12.06.2019

So viel kostet es, den CO2-Ausstoß einer Flugreise zu kompensieren

Fliegen schadet dem Klima - und gehört für viele zum Leben dazu. Ein Dilemma,.
Bild: Patrick Pleul, dpa

Immer mehr Menschen sind bereit, ihren CO2-Ausstoß bei Flügen durch eine Spende auszugleichen. Was das kostet? Wir haben die Kosten für beliebte Flugrouten recherchiert.

Klimaschutz ist in aller Munde: Öfter mal auf Fleisch verzichten, mit dem Rad zur Arbeit fahren statt mit dem Auto und im Supermarkt die Einkäufe in den mitgebrachten Baumwollbeutel stecken, anstatt eine Plastiktüte zu kaufen - das ist für viele mittlerweile selbstverständlich geworden. Und auch bei ihrem Reiseverhalten denken inzwischen viele Menschen an die Umwelt. Die Treibhausgase, die sie durchs Fliegen verursachen, kompensieren immer mehr Leute durch eine freiwillige Spende an Klimaschutzorganisationen wie beispielsweise Atmosfair.

Julia Zhu von Atmosfair sagte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: "Wir sehen schon seit dem vergangenen Sommer einen deutlichen Zuwachs." Im Sommer 2018 rückte der heiße und trockene Sommer die Erderhitzung ins Bewusstsein der Deutschen und nach oben auf die politische Agenda. 9,5 Millionen Euro Ausgleichszahlungen seien 2018 bei der Organisation eingegangen, 40 Prozent mehr als im Vorjahr.

Was kostet es, Flug-Emissionen zu kompensieren?

Bei Klimaschutzorganisationen wie Atmosfair können Sie online den CO2-Fußabdruck Ihres Fluges berechnen und bekommen einen Kompensationsbetrag genannt, der die ausgestoßenen Treibhausgase durch eine Zahlung an Klimaprojekte ausgleichen soll. Doch was kostet es eigentlich, seine durchs Fliegen verursachten Schadstoffe zu kompensieren?

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Wir haben drei klassische Flugrouten unter die Lupe genommen: einen Inlandsflug, einen innereuropäischen Flug und eine Fernreise.

Inlandsflug München-Berlin: 207 Kilogramm CO2, 10 Euro Kompensation

Für den Inlandsflug haben wir uns für die Strecke München-Berlin entschieden. Hin- und Rückflug für eine Person in der Economy-Klasse erzeugen im Schnitt 207 Kilogramm CO2. Zum Vergleich: Ein Jahr Autofahren mit einem Mittelklassewagen und 12.000 zurückgelegten Kilometern erzeugt 2000 Kilogramm CO2. Als Kompensionsbetrag werden für diese Strecke 10 Euro fällig.

Innereuropäischer Flug München-Mallorca: 477 Kilogramm CO2, 11 Euro Kompensation

Wer seinen Urlaub im Warmen verbringen möchte und per Flugzeug in der Economy von München nach Palma de Mallorca reist, erzeugt 477 Kilogramm CO2. Dafür werden 11 Euro als Kompensationsbetrag fällig.

Aufmerksame Leser werden feststellen, dass das trotz mehr als doppelter CO2-Menge nur ein Euro "teurer" ist. Dazu heißt es bei Atmosfair: "Atmosfair setzt für alle Flüge einen Mindestpreis von 5 Euro für einfache Flüge und 10 Euro für Hin- und Rückflüge an, damit das Thema 'Flugverkehr und Klima' ernst genommen wird." Ein geringerer Beitrag würde suggerieren, Kurzstreckenflüge seien für die Umwelt unproblematisch.

Fernreise München-New York: 3239 Kilogramm CO2, 75 Euro Kompensation

Manchmal soll es zum Urlaub ja auch ein wenig weiter weg gehen... Wer per Linienflug in der Economy-Klasse von München nach New York reist, pustet 3239 Kilogramm CO2 in die Luft. Zum Vergleich: Das klimaverträgliche Jahresbudget eines Menschen, mit dem die Auswirkungen des Klimawandels in verträglichen Grenzen gehalten werden kann, liegt bei 2300 Kilogramm CO2 pro Jahr. Um den Flug nach New York zu kompensieren, setzt Atmosfair einen Betrag von 75 Euro fest.

Wie berechnet sich der Kompensationsbetrag?

Auf der Homepage erklärt die Klimaschutzorganisation: "Der Emissionsrechner setzt einen Preis von 23 Euro pro Tonne Kohlendioxid an. Diese 23 Euro werden aktuell benötigt, um eine Tonne CO₂ in hochwertigen Klimaschutzprojekten in Entwicklungsländern einzusparen." Die Organisation betont jedoch, dass finanzielle Kompensation allein nicht zielführend sei, "sondern ist nur ergänzend zur notwendigen CO₂-Reduktion an der Quelle durch Innovation und Verbreitung der nötigen Technologien und Verhaltensweisen." (mit dpa)

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13.06.2019

Dies ist moderner Ablasshandel. Man wäscht seinen schmutzigen Urlaub rein.
Die Fugger haben mit dem Ablasshandel auch viel Geld verdient, wie wir vor allem hier in Augsburg wissen!
Aber die Menschen glaubten wirklich, dass sie ihre Sünden mit Geldzahlungen kompensieren konnten....
Auch heute noch!

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/co-kompensation-atmosfair-fliegen-1.4483589

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13.06.2019

Die glauben das heute auch noch, nur Dreck kann man nicht kompensieren, dass sollte man eigentlich wissen. Aber es geht ja nur um das eigenen Gewissen, nicht wirklich um die Umwelt.

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