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Skandale

17.05.2017

So will die Deutsche Bank ihr Image aufpolieren

Die neue Deutsche Bank ist einladender, offener, schuldbewusster. So tritt sie zumindest in einer Dokumentation des ZDF auf.
Bild: Boris Rössler/dpa

Die Führungsetage der Deutschen Bank würde die Vergangenheit gerne hinter sich lassen. Aber hat sie aus den Fehlern gelernt?

Im Mittelalter, als Händler noch zu Fuß unterwegs waren und Geschäftsreisen durch Europa einer Odyssee glichen, da begann der Aufstieg des ehrbaren Kaufmanns. Den ehrbaren Kaufmann zeichnete zweierlei aus. Er handelte ehrlich und wirtschaftete nachhaltig. Beide Tugenden trafen auf einige, die im vergangenen Jahrzehnt bei der Deutschen Bank arbeiteten, nicht zu. Das sagt nicht irgendjemand. Das sagt Christian Sewing, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des in Verruf geratenen Geldhauses.

Die Deutsche Bank hat viel Schuld auf sich geladen. Sie verkaufte Kunden hochriskante Produkte und verprellte Aktionäre. Im Herbst 2016 bekam sie die Quittung. 7,2 Milliarden Dollar Strafzahlung in den USA, Börsensturz, Spekulationen um eine drohende Pleite. Bei der heutigen Hauptversammlung, will sie dieses finstere Kapitel ihrer Geschichte schließen.

Deutsche Bank gibt sich einladender, offener und schuldbewusster

Zuvor sprachen vier Vorstandsmitglieder der Bank mit dem Journalisten Dirk Laabs. Die daraus entstandene Dokumentation strahlte der Sender ZDF gestern aus. Sie zeigte Führungskräfte, die Fehler eingestehen und um neues Vertrauen werben. Doch hat das Management wirklich aus der Vergangenheit gelernt?

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Seit zwei Jahren räumt die Deutsche Bank auf. Gehen mussten die skandalumwitterten Vorstandsvorsitzenden Anshu Jain und Jürgen Fitschen. Seit Mitte 2015 leitet der Brite John Cryan die Bank. Weichen musste zudem der bewährte Werbespruch „Leistung aus Leidenschaft“. Der Hashtag #PositiveImpact, auf Deutsch „Positiver Beitrag“, ersetzt ihn.

In der ZDF-Dokumentation gibt sich die Deutsche Bank anders als früher: einladender, offener, schuldbewusster. „Dass wir Fehler gemacht haben in der Vergangenheit und nicht immer den Fokus nur auf unsere Kunden gehabt haben, das ist unbestritten“, sagt etwa Vorstandsmitglied Sewing. „Wir brauchen eine Art Elektroschock, um dem Großteil der Angestellten klarzumachen, dass wir es ernst meinen“ mit dem Kulturwandel“, bemerkt Sylvie Matherat, die früher bei der französischen Bankenaufsicht arbeitete und nun bei der Deutschen Bank für Regulierungsfragen zuständig ist. Aus früheren Fehlern habe man „gelernt“, ergänzt Gerald Podobnik, Abteilungsleiter für Kapitalbeschaffung.

Der Sanierungskurs der Deutschen Bank trägt erste Früchte

Mehr Eigenkapital als Absicherung, mehr Kontrollen, mehr Risikomanagement. Auf all das achte die Bank nun verstärkt, versichern die Interviewten. Was sie nicht sagen: Ihr Geschäftsmodell hat sich nicht geändert. Weiterhin bewegt die Großbank täglich Milliardenbeträge, geht mitunter wagemutige Geschäfte ein. „Es wäre das Schlimmste, wenn wir nur Leute hätten, die Risiken scheuen“, sagt Matherat. „Schließlich ist es unsere Arbeit, Risiken einzugehen und zu managen.“

Der Sanierungskurs trägt erste Früchte. Das erste Quartal 2017 brachte schwarze Zahlen. Erst kürzlich vertrauten Großinvestoren aus China und Katar der Bank frisches Kapital an. Entgegen der ursprünglichen Planung dürfen sich die Aktionäre dieses Jahr sogar über eine Dividende freuen. 19 Cent pro Aktie stehen zur Debatte.

Altlasten könnten die Deutsche Bank einholen

Doch Altlasten könnten die Bank schneller einholen, als ihr lieb ist. 8000 Verfahren seien noch offen, heißt es in der Dokumentation. Ein New Yorker Rechtsanwalt droht der Bank zudem mit neuen, möglicherweise milliardenschweren Klagen. Dann kommt auch noch Donald Trump ins Spiel.

Die Firmen des US-Präsidenten schuldeten dem Kreditinstitut mehrere hundert Millionen Dollar, heißt es im ZDF-Film. Es kursieren sogar Gerüchte, es könnte einen Zusammenhang zwischen den Geldwäschegeschäften der Deutschen Bank und Trumps mutmaßlichen Russland-Beziehungen geben. Einige Deutsche-Bank-Aktionäre wollen die Russland-Vorwürfe nun prüfen lassen. Fast trotzig klingt es da, wenn der stellvertretende Deutsche-Bank-Chef Marcus Schenck sagt: „Wir wollen jetzt nach vorne gehen.“

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