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Analyse

28.11.2019

So wollen die Autobauer Audi, VW und Daimler künftig Geld verdienen

Sind E-Autos die Zukunft der deutschen Autobauer? VW setzt große Hoffnungen in den ID.3.
Foto: Volkswagen

Plus Noch finanzieren größtenteils SUVs die Gewinne der Hersteller VW, Daimler, BMW und Audi. Aber wo geht die Reise hin? Ein Blick in die Zukunft der Autoindustrie.

Audi ist nicht allein. Alle deutschen Autohersteller haben in den vergangenen Wochen Sparprogramme angekündigt. Nach mehreren sehr guten Jahren laufen die Geschäfte für VW, Daimler und BMW nicht mehr rund. Die Branche ist unter Druck, neue Antriebe werden diskutiert, vom Elektroauto bis zu Brennstoffzellen-Fahrzeugen. Da stellt sich die Frage, wie die Autobauer künftig ihr Geld verdienen wollen?

Leicht lässt sich eine Antwort darauf finden, wie die deutschen Hersteller derzeit ihre Einnahmen bestreiten. Zum großen Teil nämlich mit sportlichen Geländewagen, den SUVs. Im Oktober machten SUVs fast 35 Prozent aller Auto-Neuzulassungen in Deutschland aus – ein neuer Rekordwert, berichtet Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen in einer Auswertung. Der Trend werde sich so schnell nicht ändern, ist er überzeugt. Dies sei nicht nur für die Hersteller gut, sondern kurioserweise auch für die E-Mobilität.

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer: Bisher bringen SUV den meisten Gewinn

„Die SUVs sind derzeit die Cash-Cow für die Hersteller, hier kommen die Gewinne her“, sagt Dudenhöffer. Und er ist überzeugt: „Mehr SUVs sind eine Chance, die E-Mobilität schneller in Deutschland umzusetzen.“ Dafür gebe es zwei Gründe: Erstens ermöglichen es die Gewinne aus dem SUV-Verkauf den Herstellern, die Investitionen in die E-Mobilität überhaupt zu stemmen. Und zweitens müssen die Hersteller für ihre Flotten bald strenge Grenzwerte zum CO2-Ausstoß einhalten. „Je mehr SUVs also ein Hersteller baut, desto mehr E-Autos muss er verkaufen, um den CO2-Ausstoß der Geländewagen zu kompensieren“, erklärt Dudenhöffer.

Damit ist auch der Kurs abgezeichnet, wo die Hersteller in Zukunft Geld verdienen wollen. Rein elektrisch betriebene Pkw machten im Oktober zwar nur 1,7 Prozent der Neuzulassungen aus. Das soll sich aber bald ändern. VW hat eben mit großem Aufsehen das Elektroauto ID.3 vorgestellt, sogar die Kanzlerin kam zum Produktionsstart nach Zwickau. Im Jahr 2020 sollen schon 100.000 ID.3 gebaut werden. Dudenhöffer geht davon aus, dass 2030 E-Autos bereits 30 bis 40 Prozent der Neuwagen ausmachen werden. „Die Gewinne kommen dann noch zu über 50 Prozent aus dem Verkauf von Autos mit Verbrennungsmotor“, sagt er. „In den Jahren danach verschiebt sich dies dann Stück für Stück zugunsten der E-Autos.“ Dementsprechend sehen die Pläne der Autobauer aus.

EY-Studie: Investitionen in die E-Mobilität haben sich verdoppelt

Die Investitionen werden massiv in Richtung E-Mobilität umgeschichtet. Einer Studie der Unternehmensberatung EY zufolge haben die 16 weltweit führenden Autokonzerne ihre Ausgaben für die E-Mobilität von 2017 auf 2018 fast verdoppelt – auf 8,4 Milliarden Euro. „Viele Hersteller setzen gerade alles auf eine Karte. Sie nehmen Milliardensummen für die Entwicklung und den Ausbau der Produktion von Elektroautos in die Hand“, sagte EY-Partner Gerhard Schwartz.

VW-Konzern plant 50 Elektromodelle bis 2025

Allein der Volkswagen-Konzern mit Marken wie Audi und Seat will bis 2025 rund 50 reine Elektro-Modelle auf den Markt bringen und dann bis zu drei Millionen E-Autos pro Jahr bauen. BMW kündigt bis 2023 insgesamt 25 Modelle mit Elektro- oder Hybridantrieb an. Und Daimler will bis 2025 mehr als zehn Elektromodelle auf den Markt bringen. Ihr Anteil am Absatz von Mercedes-Benz soll dann „zwischen 15 und 25 Prozent liegen“, heißt es in einem Brief an die Aktionäre.

Aber geht diese Rechnung auch auf? Die Hersteller gehen mit dem Fokus auf E-Mobilität „eine durchaus mutige und teure Wette auf die Zukunft ein“, kommentierte EY-Berater Schwartz. Die Preise der E-Autos seien hoch, an ihnen ist bisher wenig verdient.

Dudenhöffer: „Wasserstoff-Autos werden nicht kommen“

Damit der Plan überhaupt aufgehen kann, muss zudem schnell die Infrastruktur stimmen: Kanzlerin Angela Merkel hat bekräftigt, dass es bis 2030 eine Million Ladepunkte geben soll. Die Industrie müsse sich aber am Aufbau beteiligen. Das kostet nochmals Geld. Außerdem investieren die Autobauer massiv in die Fertigung von Batterien, oft zusammen mit Partnern. VW zum Beispiel hat diesen November in Braunschweig eine Fertigung für Batteriezellen gestartet.

Mit den derzeit häufig diskutierten Wasserstoff-Autos werden die Hersteller dagegen kein Geld verdienen, meint Dudenhöffer. „Schlicht und einfach, weil die Wasserstoff-Autos nicht kommen werden.“ Ein Grund: Die Fahrzeuge seien viel zu teuer.

Und was ist mit der lange Zeit in Deutschland favorisierten Diesel-Technologie? Aus Dudenhöffers Sicht ist die Lage hier eindeutig: „In die Diesel investiert niemand mehr.“

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