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Stiftung Warentest
12.05.2014

Onlineversand vs. Apotheke vor Ort: Unterschiede bei Preis und Beratung

Zwischen Internet- und Vor-Ort-Apotheken gibt es deutliche Unterschiede.
Foto: Uli Deck, dpa

Jeder fünfte Deutsche kauft Medikamente im Internet. Doch sind Versandapotheken wirklich günstiger? Und wie sieht es mit der Beratung aus? Die Stiftung Warentest hat das untersucht.

In die Stadt gehen oder doch schnell im Internet bestellen? Eine Frage, die sich viele Verbraucher inzwischen stellen – nicht nur, wenn es um ein neues Notebook oder ein paar Schuhe geht. Viele Deutsche sind auch dazu übergegangen, Medikamente online zu ordern.

16 Millionen Kunden kauften im Jahr 2012 Arzneimittel bei Versandapotheken, wie eine Studie des IT-Branchenverbands Bitkom ergeben hat. Doch rechnet sich das überhaupt? Wie lange dauert das? Und wie gut ist die Beratung? Wir haben bei der Stiftung Warentest nachgefragt, die beide Modelle in einem aktuellen Test unter die Lupe genommen hat.

Rezeptpflichtige Medikamente

Das Internet ist immer billiger? Stimmt nicht unbedingt. Das hängt in erster Linie von der Art der Arznei ab. Für rezeptpflichtige Medikamente zahlt der Kunde in jeder Apotheke den gleichen Preis. Dabei übernimmt die Krankenversicherung die Kosten, der Versicherte zahlt zehn Prozent zu. Pro Packung sind das mindestens fünf, aber höchstens zehn Euro – und nie mehr als der tatsächliche Preis. Auch Versandapotheken dürfen auf verschreibungspflichtige Medikamente keinen Nachlass gewähren – auch nicht, wenn sie in einem anderen EU-Land sitzen.

Für viele Patienten dürfte die Vor-Ort-Apotheke daher der deutlich bequemere Weg sein, vor allem wenn es um eine akute Erkrankung geht, betont Katrin Andruschow von der Stiftung Warentest. Also: Rezept vom Arzt holen, rein in die Apotheke. Wer rezeptpflichtige Medikamente dagegen im Internet bestellt, zahlt zwar keine Versandkosten. Er muss aber das Rezept vorab per Post beim Versender einreichen. Dieser ist verpflichtet, das Medikament zwei Tage nach Eingang der Bestellung auszuliefern.

Rezeptfreie Medikamente

In diesem Fall können Apotheker selbst festlegen, was ein Medikament kostet. Das gilt, seit die Preisbindung vor zehn Jahren aufgehoben wurde. Daher können die Unterschiede groß sein – vor allem zwischen Versand- und Vor-Ort-Apotheken.

Katrin Andruschow von der Stiftung Warentest betont: „Vor allem Patienten mit chronischen Erkrankungen oder langfristiger Medikation können im Internet Geld sparen.“ Die Stiftung Warentest hat das für drei Arzneimittel untersucht. Das Ergebnis: Die 17 Versandapotheken boten die Präparate fast immer zu einem niedrigeren Preis an. Beim Antiallergikum etwa lagen zwischen der günstigsten Internet- und der günstigsten Vor-Ort-Apotheke gut 40 Prozent, bei Nikotin-Kaugummis waren es 20 Prozent.

Allerdings zahlt der Kunde für die Online-Bestellung Versandkosten, die schnell manchen Preisvorteil wieder auffressen. Nur Mycare und Apotal lieferten ohne Portokosten, dafür muss der Kunde aber jeweils einen Mindestbestellwert erreichen.

Wie die Tester festgestellt haben, gibt es auch deutliche Unterschiede zwischen den 21 stationären Apotheken, die in mehreren deutschen Städten getestet wurden. Das Raucherentwöhnungsmittel etwa kostete im besten Fall 26,95 Euro – im teuersten dagegen 34,69 Euro.

Beratung

Hier waren die Tester nicht zufrieden. Beide Sparten kommen ihrer Beratungspflicht nicht voll nach, so das Urteil. „Im Durchschnitt haben sowohl Versand- als auch Vor-Ort-Apotheken befriedigend abgeschnitten“, sagt Andruschow. Internet-Apotheken erkannten im Test Wechselwirkungen rezeptpflichtiger Medikamente besser als die stationären Apotheken. Diese gaben dafür bessere Auskünfte bei der Abgabe rezeptfreier Präparate.

Andruschow rät Patienten nachzufragen – sowohl beim Apotheker vor Ort als auch bei der Hotline der Versandapotheke. „Apotheker sind zu einer umfassenden Beratung verpflichtet. Dafür muss der Kunde aber auch Zeit mitbringen.“ Also: Symptome schildern, auf die Fragen des Apothekers eingehen und ihn bitten, Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln zu prüfen, die man einnimmt. Diesen Test bieten auch manche Online-Apotheken.

Datenschutz

In Sachen Datenschutz ist die Vor-Ort-Apotheke klar im Vorteil. „Da liegt bei den Versandapotheken noch Einiges im Argen“, sagt Andruschow.

Die Stiftung Warentest hat geprüft, wie gut die sensiblen Patientendaten verschlüsselt wurden. „Hier gibt es deutliche Defizite“, betont die Verbraucherschützerin. „Sorge macht uns zudem, dass die Kunden im Unklaren darüber gelassen werden, was mit ihren Daten passiert.“ Am besten hat hier die Deutsche Internet Apotheke abgeschlossen, die auch insgesamt Testsieger wurde.

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