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Treibstoff

18.10.2012

Streit um E10: Landwirte verärgert über Kehrtwende bei Biosprit

Biosprit E10: Die EU-Kommission will den Einsatz von Kraftstoffen aus Pflanzen begrenzen. Foto: Oliver Berg/Archiv dpa

Streit um E10: Die EU-Kommission vollzieht eine Wende bei der Förderung von Biosprit. Der Einsatz von Nahrungspflanzen für die Kraftstoffproduktion soll deutlich gesenkt werden.

Künftig will die EU Biosprit aus grünen Energiequellen wie Algen, Holzresten oder Stroh fördern. Ratgeber: Falsch getankt – was nun?

Diese Nachricht löste seitens des Bauernverbands heftige Kritik aus. Auf 20 Prozent der bundesweiten Ackerfläche werden derzeit Energiepflanzen für den Biosprit E10, Biodiesel und Biogas angebaut. Auch Landwirte in der Region haben sich auf diese Weise neue Einnahmequellen erschlossen. Beim Bauernverband fürchtet man, dass diese versiegen könnten, sollten die EU-Staaten den Plänen zustimmen. Präsident Joachim Rukwied kritisierte, die EU-Pläne seien „ein Einknicken vor einer schrägen öffentlichen Debatte um Teller und Tank“. Die heimischen Bauern aber könnten für beides produzieren. Rukwied forderte die EU auf, „die Entwicklungen bei der Bioenergie nicht zunichtezumachen“.

Streit um E10: Kehrtwende bei Biosprit verärgert Landwirte

Auch unter den Biospritherstellern führte der EU-Vorstoß zu Kritik. Der Bundesverband der Bioenergie nannte die Pläne einen „fundamentalen Vertrauensbruch“. Der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie sprach von einem „Schlag gegen die deutsche Energiewende im Verkehrsbereich“. Dass der Anbau von Energiepflanzen zuerst durch die E10-Einführung gefördert worden sei und nun begrenzt werden soll, sei „für Industrie und Landwirtschaft ein Wahnsinn“.

In Brüssel hat man sich zum Ziel gesetzt, bis 2020 zehn Prozent des verbrauchten Benzins und Diesel aus erneuerbaren Energien zu gewinnen. Wie gestern bekannt wurde, soll nur noch die Hälfte davon aus Nahrungs- und Futterpflanzen kommen. Ab 2020 will die Kommission die Förderung dieser Pflanzen einstellen. In Deutschland werden für die E10-Produktion Getreide und Zuckerrüben verwendet, für Biodiesel wird Raps eingesetzt. Problematisch ist, dass diese Zusätze auch importiert werden. Umweltschützer verweisen seit langem auf die katastrophalen Klimafolgen, weil große Flächen in südamerikanischen Regenwäldern abgeholzt werden.

Umweltverbände fordern eine Abschaffung von E10

„Unser Vorschlag wird neue Anreize für Bio-Kraftstoffe mit optimaler Klimabilanz setzen“, sagte Energiekommissar Günther Oettinger. Man werde auch negative Auswirkungen auf das Klima und die sichere Versorgung mit Nahrungsmitteln stärker berücksichtigen.

Ob Deutschland damit auf ein E10-Ende zusteuert, ist umstritten. „E10 ist weiter eine Grundlage, um die Ziele der EU zu erfüllen“, heißt es beim Mineralölwirtschaftsverband. Die Naturschutzorganisation BUND hält die Biospritstrategie der EU dagegen für gescheitert und fordert die Abschaffung von E10. Das verlangt auch Greenpeace-Agrarexperte Martin Hofstetter. „Es ist nicht fair, Getreide in den Tank zu stecken“, sagte er im Hinblick auf die weltweite Ernährungssituation.

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