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Augsburg

17.11.2011

Weltbild-Chefaufseher Klaus Donaubauer tritt zurück

Weltbild-Verlag.
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Weltbild-Verlag.
Bild: Ulrich Wagner

Nach den Pornografie-Vorwürfen: Der Streit um die inhaltliche Ausrichtung der katholischen Verlagsgruppe Weltbild hat zu ersten personellen Konsequenzen geführt.

Der Streit um die inhaltliche Ausrichtung der katholischen Verlagsgruppe Weltbild hat zu ersten personellen Konsequenzen geführt. Der Finanzdirektor der Diözese Augsburg, Klaus Donaubauer, legte am Donnerstag sein Mandat als Vorsitzender des Aufsichtsrats mit sofortiger Wirkung nieder. Er wolle, so sagen Insider, seinen Kopf nicht länger hinhalten, dass Weltbild unterschiedslos alles versendet, was der deutsche Buchmarkt auch an Scheußlichkeiten produziere. Der Rücktritt könnte ihm aber auch dringend nahegelegt worden sein.

Donaubauer selber sprach von einer „wachsenden systemischen Problematik“, die mit der marktführenden Teilnahme eines Unternehmens der Kirche am allgemeinen Buch- und Medienhandel verbunden sei. Eine Option zur Auflösung dieser Problematik sei unter seiner Leitung erarbeitet. „Allerdings zeichnet sich eine einvernehmliche Annahme dieser Option durch die Gesellschafter derzeit nicht ab“, erklärte er zu seinem Rücktritt.

Wie diese Option konkret aussieht, wollte gestern niemand verraten. Der Augsburger Weltbild-Verlag selbst hüllte sich in Schweigen. Seine Teilhaber sind zwölf deutsche Bistümer, das Katholische Militärbischofsamt und der Verband der Diözesen Deutschlands. Um dem moralischen Dilemma zu entgehen, aber auch wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage wollten die katholischen Gesellschafter die Verlagsgruppe bereits im Jahre 2009 verkaufen. Weil sie nicht den erhofften Erlös erzielen konnten, gaben sie den Plan wieder auf.

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Diözese Augsburg verfolgt „klare Option“

Die Diözese Augsburg verfolge bereits seit einiger Zeit eine „klare Option“ für Weltbild, erklärte am Donnerstag ihr Sprecher Markus Kremser. Er kritisierte die „Verwobenheit des Unternehmens mit der Produktion und dem Vertrieb literarischer Erzeugnisse, die der Menschenwürde und damit der Verkündigung und Lehre der katholischen Kirche zutiefst widersprechen“.

So fand die kritische Katholiken-Initiative „Nie Wieder!“ noch Ende Oktober . Ebenfalls bestellbar waren Bücher der Porno-Darstellerin Dolly Buster , erschienen im Droemer-Knaur-Verlag, der zur Weltbild-Gruppe gehört.

Innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz schlägt das Thema offensichtlich Wellen. Auf der Sitzung des Ständigen Rates der 27 Diözesanbischöfe am kommenden Montag und Dienstag in Würzburg „müssen“ laut Kremser dazu weitere konkrete Schritte beraten werden, „die der Komplexität der Unternehmensgruppe Weltbild angemessen sind“. Diese ergibt sich zum einen aus der Vielzahl ihrer Gesellschafter und zum anderen aus der schieren Größe der Verlagsgruppe, die zuletzt einen Jahresumsatz von 1,65 Milliarden Euro erzielte.

Der Weltbild-Verlag sieht sich in direkter Konkurrenz zum Buchversender Amazon und hat deshalb dasselbe breite Sortiment im Vertrieb. Geschäftsführer Carel Halff nennt 775000 lieferbare Titel. Hier setzt die Kritik konservativer kirchlicher Kreise an. Warum, so fragen sie, sollte ein katholisches Buchhandelsunternehmen sein Sortiment nicht auf das beschränken, was von der Kirche als moralisch vertretbar angesehen wird.

Die Diözesen wollen nicht von der Beteiligung profitieren

Für Unmut sorgt zudem der Umstand, dass die Diözesen von der Beteiligung bei Weltbild gar nicht profitieren. Der Gewinn der Verlagsgruppe werde sofort in neue Geschäftsbereiche investiert. „Wozu sollten die deutschen Bischöfe ihre Glaubwürdigkeit riskieren, wenn am Ende des Tages nicht einmal ein finanzieller Gewinn für sie herausschaut?“, sagt ein Insider.

Finanzdirektor Donaubauer war gestern nicht erreichbar. Der 54-jährige Diplomkaufmann gehört dem Aufsichtsrat seit 18 Jahren an und führte die vergangenen sieben Jahre den Vorsitz. Bistumssprecher Kremser erklärte, Donaubauers Rücktritt „kann sicher nur als eine erste persönliche Konsequenz verstanden werden“.

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