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Putenfleisch

12.01.2015

Pute vom Discounter: Studie weist bei 90 Prozent gefährliche Keime nach

Die Geflügelbranche steht immer wieder im Kreuzfeuer der Kritik. Nun wurden gefährliche Keime bei Putenfleisch vom Discounter nachgewiesen.
Bild: Carmen Jaspersen dpa

Billiges Putenfleisch vom Discounter ist oft mit gefährlichen Keimen belastet: Eine Stichprobe hat in fast 90 Prozent der Fleischstücke antibiotikaresistente Keime nachgewiesen.

Preiswertes Putenfleisch von Aldi, Lidl und Co. ist einer aktuellen Studie zufolge oft mit gefährlichen Keimen belastet. Bei einer bundesweiten Stichprobe seien auf knapp 90 Prozent der Fleischstücke antibiotikaresistente Keime nachgewiesen worden, teilte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) am Montag mit. Die Organisation verlangte, den Einsatz von Antibiotika in der Tiermast deutlich zu reduzieren.

Untersuchung von Putenfleisch bei Aldi, Lidl, Netto & Co.

Für die Untersuchung hatte der BUND in zwölf Städten frisches, abgepacktes Putenfleisch bei Aldi, Lidl, Real, Netto und Penny gekauft und im Labor untersuchen lassen. Getestet wurde auf sogenannte MRSA-Keime - Bakterien, gegen die viele Antibiotika unwirksam sind. Untersucht wurde auch das Vorhandensein von ESBL-produzierenden Keimen. Das sind Bakterien, die Antibiotikaresistenzen an andere Bakterien weitergeben können. Das Labor wurde 42 Mal bei MRSA fündig und 30 Mal bei ESBL. Nur sieben der 57 Proben waren unbelastet.

Zum Vergleich testete der BUND auch vier Proben aus Hofschlachtereien, bei denen die Puten alternativ gehalten worden waren. Dabei wurden keine Belastungen nachgewiesen.

Gefährliche Keime in Fleisch vom Discounter

Laut BUND können die gefährlichen Keime auf Menschen übertragen werden, wenn etwa das rohe Fleisch mit dem gleichen Messer geschnitten wird wie andere Lebensmittel, die dann roh verzehrt werden. Das durchgegarte Fleisch sei nicht gefährlich.

Die Leiterin Agrarpolitik beim BUND, Reinhild Benning, nannte die Studienergebnisse "schockierend, aber nicht überraschend". In der deutschen Tierhaltung würden jährlich 1450 Tonnen Antibiotika für 800 Millionen Euro eingesetzt.

Der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger sagte, die Untersuchung sei zwar nicht repräsentativ - dies könne die Organisation nicht finanzieren. Eine flächendeckende Erhebung sei zwingend notwendig; dafür müssten Bund und Länder sorgen. Der Handlungsbedarf sei aber bereits klar. Keime, die mit Antibiotika nicht mehr bekämpft werden können, seien eine der größten Gesundheitsgefahren.

BUND fordert: Antibiotikaeinsatz muss sinken

Die Politik müsse klar vorgeben, in welchem Umfang der Einsatz dieser Medikamente in Tierhaltung reduziert werden soll, sagte Weiger. Die Verwendung sogenannter Reserveantibiotika, die bei Menschen als ein letztes Mittel gegen resistente Keime eingesetzt werden, müsse umgehend verboten werden.

BUND-Expertin Benning sagte, der Antibiotikaeinsatz in der Tiermast müsse um mindestens die Hälfte sinken. Sie verwies auf Dänemark und die Niederlanden an: Beide hätten die Antibiotikagabe deutlich zurückgedrängt.

Steigende Preise bei Schweine- und Geflügelfleisch?

Der agrarpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Friedrich Ostendorff, schloss sich der Handlungsaufforderung an. Obwohl der übermäßige Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung lange bekannt sei, fehlten ernst gemeinte Konsequenzen des Landwirtschaftsministers und der Tierhaltungsindustrie.

Unterdessen kündigte der Deutsche Bauernverband am Montag steigende Preise für Schweine- und Geflügelfleisch an. Der Preis werde in den nächsten Monaten um vier Cent je Kilogramm steigen, sagte Verbandspräsident Joachim Rukwied der Neuen Osnabrücker Zeitung. Hintergrund sei die Initiative Tierwohl von Handel und Erzeugern, bei der teilnehmende Bauern für bessere Haltungsbedingungen in ihren Ställen Ausgleichszahlungen vom Einzelhandel erhalten sollen. Der Handel zahlt dabei vier Cent pro verkauftes Kilogramm Fleisch in den Fonds. AZ/AFP

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