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Gift im Griff

27.05.2012

Stiftung Warentest warnt vor Schadstoffbelastung in Reisekoffern

Die meisten jungen deutschen Urlauber lassen auf Reisen die Kleidung im Koffer. (Bild: dpa)
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Gefährliche Fracht. Stiftung Warentest warnt vor Schadstoffbelastungen in den Griffen von Reisekoffern. Die Belastungen sind teilweise so hoch, dass allein durch das Anfassen der Produkte Gefahren für die Gesundheit ausgehen können.
Bild: dpa

Die Stiftung Warentest hat mehrere Koffer unter die Lupe genommen und auf Schadstoffbelastung getestet. Die Ergebnisse sind teilweise alarmierend.

Vor Beginn der Sommersaison prüfte die Stiftung Warentest in der Juni-Ausgabe von Test 17 Koffer. Neben der Haltbarkeit und der Wasserdichtigkeit war der Punkt "Schadstoffe in den Griffen" mit nur fünf Prozent Anteil an der Gesamtnote ein eher geringes Kriterium bei der Prüfung. Die Prüfer fanden in manchen Produkten jedoch solch hohe Dosen giftiger und krebserregender Stoffe, dass sie die entsprechenden Produkte trotz sonst guter Ergebnisse durch den Test rasseln ließen.

Bereits durch Anfassen der Griffe erhebliche Gesundheitsrisiken

Einige der Griffe müssten eigentlich als gesundheitsschädlicher Giftmüll entsorgt werden. Das Schadstoffproblem sei in einigen Griffen derart groß, erklärten die Tester, dass allein durch das Anfassen eine Gefährdung der Gesundheit bestünde. Aus technischer Sicht liegt der Hund in den Zusatzstoffen begraben, die die Griffe elastisch, griffig und flexibel machen sollen: polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und die , die sogenannten Weichmacher.

1800-fache Überschreitung des kritischen Wertes

Sind in einem Griff mehr als 10 Milligramm PAK pro Kilogramm Kunststoff enthalten, vergibt die Stiftung Warentest dafür die Note mangelhaft. Im Tragegriff des Samsonite American Tourister Tokyo Chic fand das Labor das 1800-fache dieses kritischen Wertes: rund 18.000 Milligramm PAK pro Kilogramm. Mit diesem Ergebnis konfrontiert, erklärt Samsonite, den American Tourister vom Markt zu nehmen. Die Restbestände verkauft der Anbieter aber trotzdem weiter und ruft sie nicht zurück. Auch der Samsonite Cubelite bleibt weiter im Handel. Hier ermittelte das Labor rund 60 Milligramm PAK pro Kilogramm. 

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Der K-Classic von Kaufland und den Travelite Elbe One wurden im Test ebenfalls mit mangelhaft bewertet. Sie wiesen eine sehr hohe Belastung mit Phthalaten auf. Aber auch Lidl/TopMove, Travelpro, Travelite Flair und Roncato können die Gesundheit ihrer Kunden gefährden, heißt es im Test.

Je öfter und je länger der Kontakt, desto höher das Risiko

Die PAK sind höchst krebserregend, können das Erbgut verändern und Kinder bereits im Mutterleib schädigen. Die Phthalate wiederum wirken sich negativ auf die Fortpflanzungsfähigkeit aus. Je mehr Schadstoffe und je länger und häufiger der (Haut-)Kontakt zum Koffer besteht desto größer ist das Risiko.

Besonders betroffen sind also Vielflieger oder Geschäftsreisende. Wer auf den Komfort eines griffigen und elastischen Griffs bei seinem Koffer nicht verzichten will, kann auf Alternativen zurückgreifen. Die sind allerdings teuer. Teuer ist aber nicht gleich schadstofffrei. Denn der Samsonite Cubelite Spinner mit dem sechsfach überhöhten Grenzwert weist den höchsten Preis in der Testreihe auf.

Keine gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte für PAK und Phtalate

Die Hersteller der entsprechenden Gift-Koffer bewegen sich jedoch rechtlich auf sicherem Boden. Denn es gibt keinerlei gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte. In der EU werden Beschränkungen für PAK derzeit diskutiert, Grenzwerte für gefährliche Phthalate sollen 2015 eingeführt werden. Weil es keine Gesetze gibt, gegen die die Hersteller verstoßen, haben Besitzer solcher Koffer auch wenig Aussichten, die giftige Ware wieder zurückzugeben. Die Stiftung Warentest rät aber trotzdem zu einem Versuch, viele Händler seien bereit, die Produkte zurückzunehmen.

Wie erkennt man die Schadstoffe?

Einen Hinweis liefert ein Geruchstest: Intensiver, stechender Gummigeruch könnte ein Hinweis auf größere Mengen PAK sein. Doch nicht alle PAK stinken, ebenso wenig die Phthalate. Die Hersteller müssen auf Nachfrage jedoch erklären, ob sie diese Stoffe in ihren Produkten verwenden. "Test" empfiehlt: "Fragen Sie nach." AZ

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