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Neue Studie
05.01.2022

Organ-Schäden auch bei mildem Corona-Verlauf

Ein Behandlungszimmer für Covid-Patienten im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Eine Studie zeigt Organ-Schäden auch bei mildem Corona-Verlauf.
Foto: Axel Heimken, dpa

Untersuchungen an der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf zeigen, dass sich auch Monate nach einer Corona-Erkrankung Spuren an Organen nachweisen – selbst bei einem leichten Verlauf

In den letzten Tagen gab es zunächst eine Spur von Hoffnung: Die inzwischen weltweit verbreitete Omikron-Variante des Coronavirus verursacht meist milde Verläufen bei den Infizierten und verläuft oftmals ganz symptomfrei. Ein Grund zur Entspannung sollte das jedoch nicht sein. Das zeigt eine neue Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE). Die wurde am frühen Mittwochmorgen als sogenannte Fast-Track-Publikation im „European Heart Journal“ veröffentlicht.

Das Ergebnis der aufwendigen Reihenuntersuchung an Herz, Lunge, Nieren und Beinen: selbst ein milder Krankheitsverlauf kann noch nach Monaten zu diversen Organ-Schädigungen führen.

UKE: "größte Gesundheitsstudie zu Covid-19"

Laut den Hamburger UKE-Forschern handelt es sich dabei um „die ersten Ergebnisse der weltweit größten Gesundheitsstudie zu den gesundheitlichen Folgen von Covid-19“. Von Mitte 2020 an untersuchten die Wissenschaftlerinnen insgesamt 443 Menschen im Alter zwischen 45 und 74 Jahren nach einer SARS-CoV-2-Infektion mit nur leichteren Symptomen. Die Befunde wurden dann mit denen von Teilnehmern der laufenden „Hamburg City Health Study“ abgeglichen, die zu keinem Zeitpunkt infiziert worden waren.

Die Studienteilnehmer, die mit dem Coronavirus infiziert waren, hatten keine, milde oder mäßige Symptome angegeben. Die überwiegende Mehrheit von ihnen wurde rein ambulant behandelt, keiner von ihnen benötigte eine intensivmedizinische stationäre Behandlung.

Ergebnis: Organschäden trotz mildem Verlauf

Im Direktvergleich zur nichtinfizierten Kontrollgruppe fanden sich bei den Probanden nach überstandener Infektion Anzeichen von mittelfristigen Organschädigungen: „In der Lungenfunktionstestung konnte bei den Teilnehmenden ein um etwa drei Prozent reduziertes Lungenvolumen sowie ein leicht erhöhter Atemwegswiderstand dokumentiert werden“, so die UKE. „Die Herzuntersuchungen ergaben eine durchschnittliche Abnahme der Pumpkraft um ein bis zwei Prozent sowie eine 41-prozentige Erhöhung eines Markerproteins im Blut, welches Auskunft über die Belastung des Herzens gibt.“

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Auch die Beine waren vom Coronavirus betroffen. Hier konnten die Forscher zwei- bis dreifach häufiger Zeichen einer erfolgten Beinvenenthrombose nachweisen. Die Nierenfunktion hatte um etwa zwei Prozent abgenommen.

UKE-Untersuchung: Gehirne nicht betroffen

Immerhin blieben die Gehirne der Teilnehmer verschont: Die Untersuchung von Struktur und Leistungsfähigkeit des Organs ergab keine Verschlechterung nach einer Infektion im Vergleich mit der Kontrollgruppe.

Die meisten Veränderungen im Körper blieben zunächst für die Betroffenen unbemerkt. Die Organschäden konnten nur durch Untersuchungen in den Kliniken des UKE entdeckt werden.

Die Ergebnisse der Studie sind vor allem für die Einschätzung der Lage im dritten Pnademie-Jahr relevant. Laut Experteneinschätzung haben die Erkenntnisse eine große Bedeutung gerade im Hinblick auf die aktuelle Omikron-Variante, die mehrheitlich mit milderen Symptomen einherzugehen scheint.

UKE: Studienergebnis ermöglicht frühzeitige Maßnahmen

Stefan Blankenberg, ärztlicher Leiter des Universitären Herz- und Gefäßzentrums des UKE, will anhand der Befunde schon jetzt dafür planen, was langfristig auf Patienten und Kliniken zukommen könnte: „Die Ergebnisse ermöglichen es uns, frühzeitig mögliche organische Folgeerkrankungen zu erkennen und die entsprechenden therapeutischen Maßnahmen einzuleiten.“

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