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Abschied

30.12.2017

An Weihnachten denkt sie schon ans Stadtfest

Marktmeisterinnen unter sich: Marianne Breitsameter verabschiedet sich Ende des Jahres in den Ruhestand. Ihre Nachfolgerin Martina Baur war daher bei der Präsentation des Konzeps für 2018 im Aichacher Pfarrzentrum bereits dabei.
Bild: Erich Echter

Unter Regie von Marianne Breitsameter im Aichacher Infobüro sind „Pflänzchen“ wie Kunst-Antik-Markt, Ostermarkt und Mittelalterliche Markttage gewachsen. Am Montag beginnt ein neuer Lebensabschnitt.

Während die Aichacher noch über den Christkindlmarkt geschlendert sind, hat sie schon das Stadtfest im August organisiert. Im Sommer war der Ostermarkt am Sisi-Schloss immer schon „eingetütet“. Dieses antizyklische Denken wird Marianne Breitsameter nicht so einfach abschütteln, wenn sie ab Montag offiziell im Ruhestand ist. 20 Jahre lang stand sie an der Spitze des Aichacher Infobüros und hat so mancher Veranstaltung auf die Welt geholfen und sie „groß gezogen“. Nicht von ungefähr nannte Bürgermeister Klaus Habermann sie bei ihrer Verabschiedung eine Macherin, ein „Organisationsgenie“ (wir berichteten).

Bei der Stadt Aichach hat Marianne Breitsameter aber schon viel früher angefangen: im September 1971 im Hauptamt, im Vorzimmer von Habermanns Vorvorvorgänger Wilhelm Wernseher. „Damals hatte die Verwaltung so viele Mitarbeiter wie jetzt ein Referat“, erinnert sie sich. Zu tun gab es damals schon genau so viel wie heute, sagt sie: „Aber mit einfacheren Arbeitsmitteln.“ Auch bei Wernsehers Nachfolger Alfred Riepl saß sie bis zur Geburt ihrer ersten Tochter 1985 im Vorzimmer. Danach arbeitete sie Teilzeit unter Bürgermeister Heinrich Hutzler im Personalamt. Und als sie 1997 nach der Geburt ihrer zweiten Tochter ins Rathaus zurückkam, hieß der Bürgermeister Klaus Habermann.

Dem kam sie offenbar gerade recht: Gemeinsam mit dem damaligen Hauptamtsleiter Heinz Luksch überlegte er, wie das Leben in der Stadt touristisch und gesellschaftlich mehr Schwung bekommen könnte. Aichach war damals vor allem für sein Frauengefängnis bekannt. An Veranstaltungen gab es kaum mehr als die Sebastiansprozession und die Sternwallfahrt nach Oberwittelsbach. Das Infobüro wurde eingerichtet, und Marianne Breitsameter zu dessen Leiterin erkoren.

Das Infobüro mit zunächst einem Mitarbeiter war nicht nur die erste Anlaufstelle für die Bürger mit Anliegen aller Art und Telefonzentrale, es kümmert sich seither auch um das touristische Marketing der Stadt und um kulturelle Veranstaltungen. „Ein Sammelsurium“, sagt Breitsameter lachend. Heute sind es vier Mitarbeiter und fünf Hilfskräfte.

Bei den Veranstaltungen war die erste Herausforderung 1997 sogleich die ersten Historischen Markttage zum damaligen Stadtjubiläum. Gemeinsam mit dem damaligen Hauptamtsleiter Heinz Luksch bereitete Breitsameter sie vor. „Wir sind überall rumgefahren und haben geschaut, wie andere solche Feste gestalten“, erzählt sie. „Das war eine Riesenherausforderung.“ Ideen mussten entwickelt und umgesetzt, Vereine dafür gewonnen werden. Heute sind die Mittelalterlichen Markttage, wie sie mittlerweile heißen, ein Besuchermagnet, der die Stadt alle drei Jahre in einen Ausnahmezustand versetzt – das nächste Mal im September 2018. Etwa 150 Gruppen gilt es zu koordinieren, das Programm zu erarbeiten, Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Bei Breitsameter laufen alle Fäden zusammen. Vom Mülleimer bis zum Bühnenprogramm, von der Standdekoration bis zum Warenangebot, das historisch stimmig sein muss, hat sie alles im Blick. Dass sie dabei in ihrem Element ist, ist nicht zu übersehen. „Ich bin gern unter Leuten“, sagt sie. Wenn Vereine und andere Mitwirkende ihre Ideen aufsetzen und sich einbringen – das ist für sie der schönste Lohn.

Als die Stadt 1999 das Sisi-Schloss kaufte, boten sich neue Möglichkeiten – für Veranstaltungen, aber auch für die touristische Vermarktung. Aichach ist nun auch für das Schloss bekannt – und nicht nur für das Frauengefängnis wie früher. Der Ostermarkt und der Kunst-Antik-Markt wurden aus der Taufe gehoben. Auch dafür ist Breitsameter oft weit umher gefahren, um die richtigen Aussteller für Aichach zu gewinnen – oft mit beiden Töchtern im Schlepptau. „Ich habe da mein Hobby zum Beruf machen können“, sagt Breitsameter. „Wenn man kein Faible dafür hat, funktioniert’s nicht.“ Mittlerweile bewerben sich die Aussteller von sich aus bei der Stadt.

Dazu kamen Großveranstaltungen wie die Sonnenfinsternis 1999, als der Bayerische Rundfunk live vom Stadtplatz sendete, oder die BR-Radltour, die zweimal in Aichach Station machte. Mehr als 1000 Radler mussten untergebracht, die Anforderungen des Senders erfüllt werden. „Daran ist man dann schon wieder gewachsen“, erinnert sich Breitsameter und lacht. Der Christkindlmarkt hat nun schon zum 13. Mal unter städtischer Regie stattgefunden, das Stadtfest, die Gewerbeausstellung Wila, die Veranstaltungen der Aichacher Kulturszene, die Städtepartnerschaften kamen dazu.

Auch am Stadtmarketing arbeitete Breitsameter intensiv mit, zum Beispiel an der Entwicklung des Stadtlogos und des Slogans „Gut beinander“. Sie besuchte Tagungen, Workshops, Seminare. Die Stadt ist heute Mitglied der Regio Augsburg, des Tourismusverbands Allgäu/Bayerisch-Schwaben, der Sisi-Straße und der Schwabenstädte, deren Geschäftsführerin Breitsameter mehrere Jahre war. Der Tourismus nimmt zu. Vor allem viele Gruppen kommen nach Aichach. Das macht Marianne Breitsameter auch ein wenig stolz. Zusätzlichen Schub erwartet sie von der Bayerischen Landesausstellung 2020 gemeinsam mit Friedberg: „Da kommt was auf uns zu.“

Ihre Arbeit hat sie immer gern gemacht. Unterstützt von einem guten Team, wie sie betont, mit Partnern vom Bauhof bis zum Landratsamt, mit denen sie gut zusammengearbeitet hat, und Chefs, die ihr freie Hand gelassen haben. Wenn sie nun in Ruhestand geht, wird ihr das fehlen: das Mittendrin sein, das Mitmischen, der Kontakt mit Bürgern und Vereinen. Vor Langeweile fürchtet sie sich trotzdem nicht. Daheim, im Kühbacher Ortsteil Stockensau, wartet der große Garten auf sie und ihren Ehemann, der ebenfalls in den Ruhestand geht. Im Fasching wird sie wieder bei der Paartalia mitmischen und am Weiberfasching mit den Stadthexen durch Aichach ziehen. Mehr Zeit hat sie jetzt auch für ihr Enkelkind, freut sie sich. Das zweite ist unterwegs. Sie will wieder mit dem Töpfern anfangen und weiter auf Feste und Märkte gehen, natürlich auch auf die in Aichach. Mittendrin sein wird sie auch bei den nächsten Mittelalterlichen Markttagen. Breitsameter wird das Infobüro unterstützen – mit Herzblut und ihrer ganzen Erfahrung. So, wie sie ihre Arbeit immer gesehen hat: „Im Dienste des Bürgers.“ Die Eckpunkte, das Bühnenprogramm und das Ritterturnier stehen längst.

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