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Kirchweihrallye

23.08.2019

Begeisterung für alles, was röhrt

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Der Sielenbacher Motorclub wird in diesem Jahr 40. Andreas Obeser war von Anfang an dabei. Wie er die frühe Leidenschaft für Motorsport mit seiner Clique entdeckte und wie die Polizei damals darauf reagierte

Bei der ersten Rallye über einen abgeernteten Acker saßen die Sielenbacher noch in ihren Privatautos. Andreas Obeser war damals 16 Jahre alt und Zuschauer. Zwei Jahre später war er eines der 32 Mitglieder, die den Motorclub Sielenbach (MC) gründeten. Den Verein gibt es jetzt seit 40 Jahren. Jedes Jahr veranstaltet er eine Kirchweihrallye, die Tausende von Zuschauern anzieht. Auch heuer bei der 40. Rallye wird Obeser wieder am Steuer eines Wagens über den Acker in Raderstetten pflügen.

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Begeisterung für alles, was röhrt, kennzeichnete vor 40 Jahren eine Clique aus jungen Sielenbachern, die ihren Treffpunkt am Hof der Obesers hatten. Mittendrin der 16-jährige Andreas und seine sechs Brüder. An einem Kirchweihsonntag im Herbst 1977 kam die Clique auf die Idee, in ihren Privatautos ein Rennen auf einem fast abgeernteten Maisacker beim Ortsteil Schafhausen auszutragen. Das Ergebnis: Zum Teil erhebliche Schäden an den Fahrzeugen und ein Totalschaden.

Das Rennfieber war jedoch geweckt. Im Jahr darauf fand die nächste Rallye statt. Aus Kostengründen hätten sie sich diesmal allerdings für schrottreife Fahrzeuge entschieden, die sie aufpeppten, erinnert sich der heute 58-jährige Obeser. Er war bei dem Rennen als Streckenposten eingeteilt gewesen. Obeser muss schmunzeln, wenn er daran denkt. Denn nach kaum einer Stunde stellte die Polizei die Rallye ein. „Weil wir so laut waren und es nicht genehmigt war.“

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Damit sie ganz offiziell eine Motorsport-Veranstaltung ins Leben rufen konnten, folgte vor 40 Jahren die Gründung des MC Sielenbach. Obeser war gerade 18 Jahre alt geworden und durfte jetzt auch selbst an der Rallye teilnehmen. Schon damals sei eine Rennstrecke auf einem Acker abgesteckt worden, erzählt er. „Der Acker war aber um einiges kleiner als heute.“ Damals waren es rund 20 Fahrer, von denen jeder mit einem selbst hergerichteten Auto an der Rallye teilnahm.

„Heute sind die Dimensionen viel größer“, sagt Obeser. Fast alle Fahrer gehen mit drei Fahrzeugen in verschiedenen PS-Klassen an den Start. Auch die Zahl der Zuschauer stieg von ein paar Hundert auf inzwischen ein paar Tausend an.

Die Sicherheit spielte schon immer eine wichtige Rolle, erzählt Obeser. Sowohl beim Ausbau der Fahrzeuge als auch auf der Strecke. Heute zeigen Ampeln den Fahrern an, wenn sie langsamer fahren oder stehen bleiben müssen. Früher wurde ihnen das mit Flaggen signalisiert. Das Zählen der gefahrenen Runden überwacht heute ein Computer. Früher gab es eine von Hand geführte Strichliste.

Und noch etwas gab es früher: eine eigene VW-Käfer-Klasse. In dieser Klasse seien bei der Rallye damals die meisten Autos gefahren, erinnert sich Obeser. „Fast jeder hatte einen Käfer. Das war schon sehenswert.“ Die Käfer-Klasse ist die einzige, in der Obeser nie fuhr. Bei allen anderen war er dabei und sahnte auch meistens mindestens einen Pokal ab.

„Der Golf GTI war damals unschlagbar“, erzählt Obeser. Das Auto, das am schönsten zu fahren war, sei ein Audi Quattro gewesen. „Der war souverän.“ Nur gewonnen habe er mit ihm nie, bedauert der 58-Jährige.

Was die Faszination an dem Rennsport ausmacht? Das kann Obeser gar nicht so einfach in Worte fassen. „Man kann es mit dem normalen Fahren gar nicht vergleichen. Es ist ein tolles Gefühl.“

Heuer will er zum letzten Mal mit einem bunt bemalten und umgebauten Schrottauto an den Start gehen. Noch drei Tage später spüre er die Rallye in den Knochen, sagt Obeser und lacht. Über den abgeernteten Acker zu fahren, das „haut einen schon umeinander“. Es deswegen ruhiger angehen lassen, will der 58-Jährige aber auch nicht: „Dabei sein ist alles, aber Siegen ist schon ganz schön.“

Die nächste Rallye findet am Sonntag, 1. September, auf einem Acker im Sielenbacher Ortsteil Raderstetten statt. Die Anfahrt ist ausgeschildert. Beginn ist um 11 Uhr.

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