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Bürgerversammlung 

07.03.2018

Das besorgt die Menschen in Schorn

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Am südwestlichen Ausläufer des Donaumooses, nordöstlich von Pöttmes, liegt das Gebiet „Schorner Röste“. Es ist nach dem Schorner Röstgraben benannt. Der Donaumoos-Zweckverband will in dem Gebiet das Moor zu Klimaschutzzwecken renaturieren. Der Großteil des Projektgebiets liegt im Landkreis Aichach-Friedberg, ein kleinerer Teil im Nachbarlandkreis Neuburg-Schrobenhausen.
Bild: Silvia Eckert-Wagner

Zuhörer diskutieren über geplante Renaturierung des Moors im Gebiet „Schorner Röste“. Sie befürchten bleibende Nachteile durch das Klimaschutzprojekt. Was die Verantwortlichen dazu sagen.

Die geplante Renaturierung des Moores im Gebiet „Schorner Röste“ (siehe Grafik) war das meistdiskutierte Thema bei der Bürgerversammlung am Montag im Pöttmeser Ortsteil Schorn. 28 Zuhörer und 13 Gemeinderäte sorgten für ein volles Haus im Gasthof Zur Linde. Michael Hafner, Projektbetreuer beim Donaumoos-Zweckverband (DZV), und Richard Schöttner von der Regierung von Schwaben warben vor Ort um Vertrauen.

Zu Beginn trat Bürgermeister Franz Schindele Gerüchten entgegen, wonach der Markt Pöttmes die Machbarkeitsstudie zur Renaturierung bezahlt habe: „Kein Euro“ sei dafür geflossen. Projektträger sei der DZV. Es seien auch keine Pachtverträge wegen der Renaturierung gekündigt oder Grundstücke dafür veräußert worden.

Die Diskussion blieb weitgehend sachlich, doch aus den Fragen der Besucher klang – ähnlich wie bei der Bürgerversammlung im Pöttmeser Rathaus im Dezember – viel Skepsis. Es ging vor allem um Themen wie: Steht Schorn nach der Wiedervernässung des Moors nach Starkregen unter Wasser? Wie wird der Wasserstand reguliert? Was bedeutet die Renaturierung für Landwirte? Wie nah liegen die wiedervernässten Flächen an Wohnhäusern?

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Da das Projekt allenfalls ganz am Anfang steht, gab es nicht auf alles konkrete Antworten. Viele Details müssten noch untersucht oder in den geplanten Arbeitskreisen mit allen betroffenen Personengruppen geklärt werden, betonten Hafner und Schöttner. Die Machbarkeitsstudie habe lediglich im größtmöglichen Gebiet untersucht, was machbar wäre. Dass das Projektgebiet dabei bis an Schorn sowie die Ehekirchener Ortsteile Walda und Schainbach (Kreis Neuburg-Schrobenhausen) heranreicht, habe in Schorn Ängste ausgelöst, kritisierte Hubert Birkmeir. Schöttner räumte eine abschreckende Wirkung ein: „Es entsteht der Eindruck, dass wir bis zur Haustür vernässen.“ Doch Hafner zufolge liegen die nächsten Gebäude anderthalb bis zwei Meter über der Renaturierungsfläche. Zudem seien Sicherheitsabstände geplant.

Hafner unterstrich die Bedeutung des Projekts: Ideal für den Klimaschutz wäre ein Wasserstand von etwa 15 Zentimetern unter Gelände. Derzeit liegen die Flurabstände bei 25 Zentimetern im Winter bis 150 im Sommer. Durch die einst systematische Entwässerung, um das Gebiet landwirtschaftlich nutzbar zu machen, gehen pro Jahr anderthalb Zentimeter wertvolle Torfoberfläche verloren, die Kohlenstoff bindet und Wasser speichert.

Gemeinderat Heinz Schrammel (CSU) sagte: „Nachhaltig ist es, den Moorkörper in Teilbereichen zu erhalten.“ Doch auch er hakte wie viele andere nach, wie sich starker Regen auf den wiedervernässten Boden auswirkt. Hafner: „Ein intaktes Moor kann unglaublich viel Wasser aufnehmen. [...] Intakte Moore sind ein wirksamer Hochwasserschutz.“ Auf die Frage von Landwirt Marinus Arnold, wer den Wasserstand reguliere, nannte Schöttner ein vergleichbares Projekt im Dattenhauser Ried als Beispiel, wo der Wasserverband mit Stauwehren arbeite. Ängste, dass die Gräben verschlossen würden und weiter oben eine Überflutung über den Schorner Weiher passiere, nannte er „unbegründet“. Auch Hafner betonte, das Wasser gehe hangabwärts. Erneut wies er Sorgen vor einer Mückenplage zurück. Eine solche drohe nach einer Überschwemmung, nicht in einem intakten Moor. Dort stehe kein Wasser. Auch Schöttner sah in der Staunässe auf bewirtschafteten Böden ein größeres Problem.

Ein Zuhörer sah die Gemeinderäte gefordert: Die Ehekirchener Räte hätten sich schließlich auch gegen das Projekt ausgesprochen. Schindele sagte, noch sei es zu früh, Ja oder Nein zu sagen. Zu viele Details seien ungeklärt. Birkmeirs Frage, ob in 20 oder 30 Jahren eine Flurbereinigung geplant sei, verneinte Hafner. Der DZV habe sich Freiwilligkeit auf die Fahnen geschrieben: „Wir machen’s mit freiwilligem Landtausch, auch wenn das mühselig ist.“ Hafner bat um Vertrauen: „Wir haben noch keinen Landwirt übers Ohr gehauen.“ Schöttner versprach: „Wir wollen mit größtmöglicher Transparenz arbeiten.“

Hier geht es zur Studie zur Schorner Röste

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