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29.07.2010

"Das große Ganze aus den Augen verloren"

Region Augsburg Augsburg, Bonn, Berlin - Andreas Kopton, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwaben, sieht einen besonderen Zusammenhang zwischen den drei Städten. Und zwar - das mag überraschen - , wenn es um die Umsetzung der Mobilitätsdrehscheibe in Augsburg geht. Woran er seine Ansicht festmacht, erläutert Kopton im Interview mit unserer Zeitung.

Der Verkehr bewegt die Augsburger wie kaum ein anderes Thema. Königsplatz-Umbau, die Verkehrsführung in der Innenstadt und natürlich der Bahnhofsumbau sind zentrale Punkte. Was sagt der IHK-Präsident?

Kopton: Ich will zunächst sagen, dass ich die Dinge von außen betrachte. Ich wohne und arbeite nicht in Augsburg. Gerade diese Sicht von Nicht-Augsburgern geht manchmal unter.

Und was denkt der Nicht-Augsburger Kopton?

"Das große Ganze aus den Augen verloren"

Kopton: Ich nenne ein historisches Ereignis, das mir wegen der aktuellen Debatte in Augsburg einfällt. Es geht um die politische Entscheidung von Altkanzler Helmut Kohl, die Hauptstadt von Bonn nach Berlin zu verlegen. Er tat dies anfangs gegen massive Widerstände.

Wo sind die Parallelen zu Augsburg?

Kopton: Schauen Sie, heute sind alle von der Bundeshauptstadt Berlin beeindruckt. Es war richtig, nach Berlin umzuziehen. Vieles ist in den zurückliegenden Jahren geschehen. Ein Beispiel für die gelungenen Investitionen ist der neue Bahnhof. Berlin ist Hauptstadt, keiner diskutiert mehr darüber. Auch Augsburg ist Hauptstadt . . .

. . . von Schwaben. Kann man hier tatsächlich den Vergleich ziehen?

Kopton: Wir von der IHK kämpfen für ein schwäbisches Gefühl. Und hier kommt der Bezirkshauptstadt eine wichtige Funktion zu. Augsburg kann hier einen integrativen Charakter haben. Für ganz Schwaben, das wird schnell mal vergessen.

Von diesem integrativen Charakter ist aber nicht viel zu spüren.

Kopton: Genau. Und jetzt bin ich beim Hauptbahnhof. Der Zugang zu den Gleisen ist hässlicher als auf vielen anderen Bahnhöfen in Deutschland. Der Augsburger Hauptbahnhof erfüllt seine Funktion nicht, den Zugverkehr mit dem Bus- und Straßenbahnverkehr sinnvoll zu verknüpfen, und er ist eine fast unüberwindbare Hürde für Menschen mit Behinderung oder auch nur mit einem Kinderwagen. Was wir brauchen, ist ein Anschluss von Augsburg, der dem Anspruch der Hauptstadt gerecht wird - und den dazu passenden Ausbau des Bahnhofs, eben als sogenannte Mobilitätsdrehscheibe. Dabei steht Augsburg auch in der Verantwortung für das Umland.

Das sehen die Menschen in Augsburg ähnlich. Auch sie wollen den Umbau des Bahnhofs. Andererseits diskutieren sie eben momentan sehr viel über den Königsplatz-Umbau und die Verkehrsführung in der Innenstadt.

Kopton: Stopp. Hier hake ich ein. Für mich und sicherlich viele andere Menschen, die in Schwaben leben, hat nun mal der Hauptbahnhof die Priorität eins. Diesen Menschen ist es eben nicht so wichtig, was nun konkret am Königsplatz passiert.

Aber der Kö-Umbau ist doch die Voraussetzung für den Bahnhofsumbau.

Kopton: Das weiß ich. Ich sage dazu: Die Augsburger haben das große Ganze aus den Augen verloren. Es drängt sich mir mitunter der Eindruck auf, dass jeder nur sein eigenes Süppchen kocht.

Was sagen Sie den Augsburger Bürgern in der Innenstadt, die um ihre Wohnqualität fürchten?

Kopton: Ich denke, die inhaltliche Debatte muss so gestaltet sein, dass das oberste Ziel nicht gefährdet sein darf. Und das oberste Ziel ist der neue moderne Bahnhof. Und natürlich auch die staatliche Finanzierung dieses Millionenprojekts. Insofern habe ich auch meine Probleme mit dem Vorschlag eines Bürgerbegehrens, einen Tunnel am Königsplatz zu bauen.

Warum?

Kopton: Weil in diesem Fall die staatliche Bezuschussung für die Mobilitätsdrehscheibe aus Zeitgründen ernsthaft in Gefahr ist. Schlimmer noch: Sie fällt weg.

Ihr Vorschlag?

Kopton: Ich würde die Tunnellösung fallen lassen.

In der Debatte um den autofreien Königsplatz will Oberbürgermeister Kurt Gribl die Sperrung der Konrad-Adenauer-Allee zur Fuggerstraße. Die heimische Wirtschaft, vertreten durch das Regionalgremium der IHK, spricht sich für eine Bypasslösung aus. Eine Fahrspur soll erhalten bleiben, bis die Tangenten fertiggestellt sind. Wie verhält sich der IHK-Präsident, der auch mit dem Auto zur Kammer in die Stettenstraße fährt?

Kopton: Wir können die Stadt nur bitten, unseren Vorstoß ernsthaft zu prüfen. Im Mittelpunkt der Unternehmensinteressen steht der Nachweis einer weitgehend unproblematischen Erreichbarkeit der Innenstadt auch für Autofahrer. Speziell dazu zählt der hieb- und stichfeste Nachweis der Leistungsfähigkeit der Kaiserhof-Kreuzung.

Genau an diesem Punkt sagt Oberbürgermeister Gribl, dass die Leistungsfähigkeit an der Kaiserhof-Kreuzung gegeben ist, was Teile der Wirtschaft und des Handels anzweifeln. Wie sehen Sie es?

Kopton: OB Gribl betont immer wieder, dass es geht. Es ist eine klare und eindeutige Haltung. Aber das ist letztendlich ein verkehrstechnisches Detailproblem. Die Fragen, die darüber stehen, sind: Wohin soll und will sich diese Stadt entwickeln, wie wird die Innenstadt für Handel und Kunden wieder attraktiver?

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