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Theater

04.12.2018

Der Boandlkramer und der Kerschgeist

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2 Bilder
Neugierig lugt der Brandner Kaspar rüber ins Paradies. Angespannt warten der Portner (Werner Riegl) und der Boandlkramer auf seine Entscheidung.

Volksbühne Aindling spielt „Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben“. Zur Kultverfilmung fehlt nicht viel, ist sich das Publikum einig. Neue Technik eröffnet der Truppe neue Möglichkeiten, die sie genüsslich ausschöpft

Noch vor wenigen Jahren hatte „Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben“ seinen festen Platz im Programm des Bayerischen Rundfunks. Jeweils an Allerheiligen, am 1. November, lief das Paradestück zur besten Sendezeit – natürlich in der Besetzung mit Fritz Straßner als Kaspar, Toni Berger als Boandlkramer und Gustl Bayrhammer als Portner aus dem Jahr 1975. In Aindling feixte jetzt Andrea Rohn, Vorsitzende des Theatervereins Volksbühne Aindling, bei der Premiere im Moosbräu: „Mia spuin des in der Fassung, wias im Fernsehen war – fast a bisserl besser.“

Nach der Vorstellung waren sich die Besucher einig: „Wenn überhaupt was fehlt, dann nicht viel.“ Es hat schon seine eigene Faszination, dieses Stück, das bildreich sowohl lustig als auch nachdenklich, tiefgründig, ja fast philosophisch daherkommt. In dem der Boandlkramer solche Sätze von sich gibt: „Zuerschd jammerns, dass ’s Leben so schwer wär. Und kimm dann i daher, mechtens ums Verrecka weiterlebn.“ Und wie ihm dann auch noch sein Todeskandidat Kaspar vorschwärmt, was so alles er als 72-Jähriger noch vorhat, welcher Freuden er beraubt würde, trinkt der Tod Kerschgeist mit dem Brandner – bis er, die Sinne schon verwirrt, beim Gras-Ober-Spiel den Überblick verliert. 18 weitere Lebensjahre trotzt ihm der Kaspar ab, was oben im Himmel den Heilsplan gehörig durcheinanderwirbelt.

Mit enormem Elan, mit Fantasie und technischer Raffinesse haben die Verantwortlichen im Theaterverein den Brandner auf die Bühne gestemmt. Insgesamt stehen beim Schlussapplaus rund 30 Mitwirkende auf der Bühne. Eine komplett neue LED-Lichtanlage sorgt nicht allein für die „genau richtigen, nun programmierbaren Farbnuancen“, wie Wolfgang Rieder, Chef des Bühnentechnik-Teams, erläutert, sie bewirkt auch für die Mimen angenehmere Temperaturen. Franz Riegl erlebte die Premiere mit. Er hatte vor rund 30 Jahren den alten, nun nicht mehr benötigten Siemens-Schaltschrank geplant und installiert. Nun sorgen virtuelle Regler am Computer für Licht und Sound. Die neue Anlage für Geräusche kann auch deren Ursprünge im Saal auf, neben oder hinter die Bühne verlegen – und die Regie unter Josef Schoder schöpft genüsslich all die neuen Möglichkeiten aus. Im Vergleich zur Aufführung vor 13 Jahren haben Walter Pasker und Josef Schoder deutlich an Bühnenpräsenz hinzugewonnen. Eindrucksvoll wirkt ihr Können vor allem in den ernsten Szenen, wenn die beiden etwa als Tod und Kaspar disputieren, oder wenn der Brandner nach dem Tod seiner Enkelin Marei die verfeindeten Flori (Martin Held) und Simmerl (Stefan Ohm) erfolgreich zur Versöhnung mahnt. Da gibt es kein peinliches Abgleiten in den Kitsch. Da fallen die Worte mit den exakt notwendigen Pausen, um genau andersherum in der Hektik als fein abgestimmtes Stakkato ineinanderzugreifen. Erfrischend singen zu Brandners 75. Geburtstag Rosi Winkler, Maria Knauer und Andrea Rohn als Dreigesang auf der Bühne, Jürgen Fuchs begleitet dazu auf dem Akkordeon. Stephan Paula ist nicht nur als Bühnentechniker, sondern auch als Gstanzlsänger gefragt und Julia Hader spielt auf der Trompete zum Beispiel live die Jagdsignale und begleitet die Feierlichkeiten. Noch was ist neu bei der Volksbühne Aindling: Der Vorverkauf findet heuer erstmals auch online unter www.theater-aindling.de statt. Doch wer es lieber persönlich mag, kann am Mittwoch, 5. Dezember, zwischen 16 und 18 Uhr seine Karten im Moosbräusaal erwerben.

Die weiteren Termine sind Freitag, 7. Dezember, Samstag, 8. Dezember, Freitag, 4. Januar 1919, Sonntag, 6. Januar, Samstag, 12. Januar, Sonntag, 13. Januar. Freitags und Samstag beginnen die Vorstellungen um 19.30 Uhr, sonntags um 17 Uhr.

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