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Theater

03.12.2013

Derbe Bauern und feine Städter

Mit Blumen kommt der Assessor zur Rechtsratswitwe Scheuflein.
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Mit Blumen kommt der Assessor zur Rechtsratswitwe Scheuflein.

Das Stück „Madam Bäuerin“ lebt auch von den Spannungen im Eheleben der Schiermoser. Volksbühne Aindling hat Rollen ideal besetzt

Aindling Darf ein junger Bauer so ganz einfach eine Frau aus der Stadt heiraten, eine Städterin also? Heute mag man über diese Frage lächeln, vor 100 Jahren war das noch etwas anders. Im Theaterstück „Madam Bäuerin“ aus dem Jahr 1910 dreht sich nahezu alles um dieses Thema. Am vergangenen Wochenende waren im Moosbräusaal in Aindling die ersten beiden Aufführungen zu sehen.

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Jeweils 150 Besucher durften am Samstag und am Sonntag darüber staunen, wie passend der Theaterverein Volksbühne Aindling die Rollen besetzt hatte. Mit am besten war dies mit dem Schiermoser gelungen, den Walter Pasker spielte. Der Bauer ließ sich von den Debatten um die Hochzeit seines Sohnes Franz nicht beeindrucken, sondern rauchte lieber genüsslich seine Pfeife. Ganz im Gegensatz zu seiner zänkischen Ehefrau, die in Hannelore Wolf eine ideale Darstellerin gefunden hat.

Selbst ganz am Ende, als es galt, zum finalen Applaus noch einmal in Erscheinung zu treten, war sie nach Kräften bestrebt, ihren Gatten zu kommandieren.

Derbe Bauern und feine Städter

Nicht nur die angespannte Beziehung zwischen dem Ehepaar Schiermoser sorgte immer wieder für Heiterkeit. Auch im Zusammenleben der Landbevölkerung mit den Gästen aus der Stadt, die zur Sommerfrische anreisen, läuft es keineswegs harmonisch. Hier die einfachen, bisweilen ausgesprochen derben Bauernleute, dort die feine Gesellschaft im urbanen Bereich, die ihre Gastgeber mit Arroganz zu strafen sucht.

Der Regisseur hat das Stück selbst überarbeitet

Auf der Bühne sieht man Josef Schoder nicht allzu lange, dennoch spielt er eine Schlüsselrolle bei dieser Aufführung. Er hat das Stück von Lena Christ, die 1881 das Licht der Welt erblickte, in eine Bühnenfassung überarbeitet und fungiert zudem als Regisseur. 20 Darsteller hat Schoder engagiert, dazu werden zahlreiche weitere Personen hinter dem Vorhang benötigt.

Nicht vergessen sollte man auch die Hilfen von außerhalb. Weil die Aindlinger Unterstützung von der Hiasl-Bühne in Kissing, von der Fidelio-Bühne in Augsburg und vom Trachtenverein in Pöttmes erhielten, war es möglich, die Künstler so detailgetreu zu kleiden, wie sich die Bevölkerung vor 100 Jahren im richtigen Leben präsentierte.

Was ebenfalls charakteristisch ist für diese Aufführung, das sind die vielen kurzen Szenen, die zu häufigen Wechseln im Bühnenbild führen. Frauen kommen im Übrigen relativ schlecht weg in dem Stück – vornehmlich als rechthaberische, streitbare Wesen, die sich berufen fühlen, in allen Bereichen des Lebens den Ton anzugeben. Das ändert sich erst im letzten Auftritt.

Und zwar als die Schiermoserin am Ende eben doch noch einlenkt, weil sie ihr liebes Enkelkind in den Arm nehmen will. Erst jetzt akzeptiert sie ihre Schwiegertochter, die sie zuvor so energisch bekämpfte, und bietet ihr gar ihre Mithilfe an. Und damit dürfte auch die Ehe der beiden Bauersleute etwas harmonischer verlaufen, nachdem der Landwirt früher seine Gattin mal wenig charmant als „Rindviech, des saudumme“ abqualifizierte. Und die hatte ihre Sturheit beispielsweise mit dem Satz unterstrichen: „Den Hof kriegt nur eine Bäuerin, die mir passt.“

Mit Übersetzung der Mundartbegriffe

Im Programmheft wurde eine Seite der Übersetzung verschiedener Mundartbegriffe gewidmet. Ebenfalls keine schlechte Idee. Denn dass man seinerzeit unter „Fiduz“ Mut und Vertrauen verstand, dürfte den wenigsten bekannt gewesen sein.

Termine Dreimal kommt „Madam Bäuerin“ in Aindling noch auf die Bühne, vom Freitag, 6. Dezember, bis Sonntag, 8. Dezember, jeweils um 19.30 Uhr.

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