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Aichach-Friedberg

21.04.2015

Für die Gefahren auf der Straße gerüstet

Marlene Großhauser aus Aichach mit ihrem Wagen bei der Kreisfahrt. Schon bei relativ geringer Geschwindigkeit beginnen die Fliehkräfte zu wirken. Solche und andere Effekte sollen die Teilnehmer beim Fahrsicherheitstraining der Kreisverkehrswacht besser einschätzen lernen.
Bild: Jakob Stadler

Die Kreisverkehrswacht bietet ein Fahrsicherheitstraining für junge Autofahrer an. Die ersten Teilnehmer merken schnell, warum

Aichach-Friedberg Vorausschauend Fahren, Mitdenken, Situationen richtig einschätzen. All das haben Fahrschüler oft gehört. Doch nach der bestandenen Führerscheinprüfung vergessen manche die Warnungen der Fahrlehrer. Das ist wohl einer der Gründe dafür, dass junge Fahrer besonders häufig in den Unfallstatistiken auftauchen.

Zudem fehlt ihnen die Erfahrung, die Ältere nach vielen Jahren besitzen. Was können Führerscheinneulinge tun, um nicht in der Unfallstatistik zu landen?

Eine Möglichkeit: das Fahrsicherheitstraining der Kreisverkehrswacht. Unter dem Motto „Könner durch Er-fahrung“ üben Ehrenamtliche mit jungen Autofahrern das richtige Verhalten in Extremsituationen. Das Training soll ab jetzt einmal im Monat angeboten werden. Ein solches Training fand am Samstag statt.

Elf junge Autofahrer sitzen im Schulungsraum der Jugendverkehrswacht. Helmut Beck, Vorsitzender der Kreisverkehrswacht Aichach-Friedberg, nimmt sie in Empfang. Vor der Praxis kommt auch hier die Theorie. Wie verhält man sich in einer Gefahrensituation? Wie entstehen Unfälle? Eine knappe Stunde lang spricht Beck über Ablenkungen, Selbstüberschätzung und Alkohol am Steuer.

Zum Thema Alkohol zeigt er einen Kurzfilm der Aktion „Discofieber“. Im Schulungsraum wird es ruhig. Die jungen Autofahrer blicken gebannt auf die Leinwand. Erzählt wird die Geschichte eines jungen Mannes, der in der Disko ein Mädchen kennenlernt. Obwohl er getrunken hat, steigen beide in sein Auto. Er kommt von der Straße ab und fährt gegen einen Baum. Der junge Mann überlebt. Doch er muss am Unfallort zusehen, wie ein Leichentuch über seine Begleiterin gelegt wird.

Klassische Discounfälle passieren immer wieder

„Genau solche Unfälle passieren immer wieder“, erklärt Beck. Er muss es wissen, hauptamtlich ist er Polizist und analysiert als Verkehrssachbearbeiter Unfälle im Landkreis. Seit den 90er-Jahren habe sich die Statistik zwar deutlich verbessert, aber noch immer sterben auf diese Weise im Schnitt zwei bis drei junge Autofahrer jährlich im Wittelsbacher Land.

Nach dem Theorieunterricht dürfen die Teilnehmer sich wieder selbst ans Steuer setzen. Die Ehrenamtlichen der Verkehrswacht haben auf dem Parkplatz der Mea-Group im Aichacher Stadtteil Ecknach bereits einen Parcours mit mehreren Übungen aufgebaut. Die Teilnehmer werden in drei Gruppen aufgeteilt.

Dann geht es los. Rangieren auf engem Raum, eine Vollbremsung, Einparken. Knapp drei Stunden lang üben die jungen Fahrer in ihren eigenen Autos auf dem Parkplatz.

Einer von ihnen ist Saffet Yildirim. Der 19-Jährige aus Mering hat seinen Führerschein seit dem vergangenen September. „Ich fahre schon viel Auto“, sagt er. Durch das Training will er weitere Erfahrungen sammeln.

Rückwärts fahren fällt einigen schwer

Dass er häufig fährt, ist bereits bei seiner ersten Übung zu sehen. Ein Halbkreis aus Verkehrshütchen stellt eine enge Parkhausauffahrt dar. Für Saffet kein Problem. Zumindest vorwärts. Als es darum geht, den Wagen rückwärts durch das „Parkhaus“ zu lenken, fallen bei ihm und den anderen Teilnehmern die ersten Hütchen.

Als Nächstes soll Saffet seinen Wagen schnell durch einen Slalomkurs lenken. Das macht ihm sichtlich Spaß, später sagt er: „Das hat am meisten getaugt.“

Den Trainer der Verkehrswacht interessiert noch etwas anderes: „Wie sieht es bei euch mit Handys am Steuer aus?“ Die Fahranfänger wissen natürlich, dass das verboten ist. Auf dem Parkplatz können sie auch so eine Situation testen. Durch den Slalomkurs mit nur einer Hand am Steuer, das Handy in der anderen – schon kurz darauf liegen mehrere Hütchen am Boden. „Da merkt man schon, was passieren kann“, sagt eine Fahrerin.

Teilnehmer wollen Training weiterempfehlen

Das bemerkt auch Marlene Großhauser aus Aichach beim Kreisfahren. Immer schneller soll die 18-Jährige ihr Auto um die Pylonen lenken. Schon bei relativ geringen Geschwindigkeiten werden die Fliehkräfte groß und drücken sie nach außen, das Heck droht auszubrechen. „Man bekommt hier ein besseres Gefühl für das Auto“, sagt sie später.

Jeder Teilnehmer erhält am Ende der Übung eine Urkunde. Die Teilnehmer sind zufrieden. Saffet sagt: „Ich werde schon ein paar Freunde ansprechen und das auf jeden Fall weiterempfehlen.“

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