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Altbayern in SchwabenSerie (1)

10.08.2020

Gab es einmal eine Stadt Schiltberg?

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Ein schwerer Orkan verschafft neuere Erkenntnisse /

Heimatgeschichte aus dem Wittelsbacher Land steht bei der Buchreihe „Altbayern in Schwaben“ im Mittelpunkt. 14 Autoren haben Beiträge für den reich bebilderten 18. Band verfasst. Wir stellen sie in einer Serie vor. Der Leiter des Redaktionsteams, Wolfgang Brandner, hat sie zusammengefasst. Michael Schmidbergers Beitrag trägt den Titel „Überraschungen der Vorgeschichte in Schiltbergs Norden – Xanderberg und Rapperzeller Bach“:

Am 16. Juli 1958 verwüstete ein Orkan das Gebiet im Osten der Kreisstadt Aichach, Katastrophenschäden in nie gesehener Dimension traten auf. Schwer getroffen waren auch der Staatsforst und die privaten Waldungen im Raum Schiltberg. Bäume wurden wie Streichhölzer umgeknickt und entwurzelt. Nach dem Abtransport der Stämme blieben die Wurzelteller liegen – Wind und Wetter ausgesetzt.

In den Höhenlagen der Weilachleite gibt es die stummen Zeugen der Katastrophe noch heute. Auch auf dem Xanderberg im Nordosten Schiltbergs. Ein halbes Jahrhundert nach dem Orkan fand Michael Schmidberger 2009 auf einem Wurzelstock die ersten prähistorischen Scherben. Weitere folgten, summierten sich zu Fundmaterial und bewirkten für den Xanderberg die Einstufung als Höhensiedlung.

Wenn es auf dem Xanderberg vorgeschichtliche Aktivitäten gab, dann wohl ebenfalls zu seinen Füßen? Dass vieles für geschichtsrelevante Grundstücke auch in Schiltbergs Norden spricht, verdeutlicht die heimatkundliche Literatur. In seinem Büchlein „Auf nahen Pfaden“ schreibt Gustav Euringer um 1910: „Nach der Tradition soll Schiltberg früher eine Stadt gewesen sein und als solche auch eine Stadtmauer mit Graben besessen haben.“ Über archäologisch relevantes Fundmaterial aus dem verflachten Graben oder über Nachweise von Mauerresten gibt es keine Nachrichten. Überhaupt war der Rest dieser möglichen Dorfbefestigung ohnedies völlig in Vergessenheit geraten.

Der trapezförmige Graben war 2016 an der klarsten Stelle noch etwa sechs Meter breit. Er begann unmittelbar an der Nordwest-Ecke des Brand-Anwesens in der Unteren Ortsstraße. Das seitlich gleichmäßig ansteigende Gelände erreichte nach etwa 75 Metern in einer Wölbung seinen höchsten Punkt und fiel dann als östliche Böschung in den nun im rechten Winkel südwärts verlaufenden Graben ab. Ein anschließender Abschnitt ist aktuell noch erkennbar: Als schmaler Streifen und östliches Nachbargrundstück des im Mai 2018 abgebrochenen Raiffeisen-Lagerhauses führt der Graben ein kurzes Stück weiter. Von der heutigen Raiffeisenstraße zweigte hinter dem Anwesen Kellerer ein Fußweg Richtung Süden ab. Er folgte dem Verlauf des in der historischen Landkarte sichtbaren schmalen Streifens und existierte bis Ende der 1960er-Jahre. (AZ)

Der vollständige Beitrag ist erschienen im Band „Altbayern in Schwaben 2019“. Dieser ist im örtlichen Buchhandel zum Preis von 15,90 Euro erhältlich (ISBN 978-3-9813801-7-0) oder beim Landratsamt, www.lra-aicfdb. de/hier-leben/kultur/altbayern-inschwaben

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