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Aichach

16.10.2015

Hundehasser legen Weißwürste mit Rasierklingen aus

Ein Unbekannter hatte zwei mit Rasierklingen gefüllte Weißwürste im Garten von Marietta Greisl abgelegt.
Bild: Hans Greisl

Ein Tier frisst einen Köder mit Rattengift und stirbt fast. In einem anderen Fall kann die Halterin gerade noch verhindern, dass ihr Hund eine Weißwurst mit Rasierklingen frisst.

Es ist Freitagmittag, als Stefan Dilger mit seinen beiden Hunden in der Schrobenhausener Straße in Aichach Gassi geht. 100 Meter von seiner Wohnung entfernt frisst sein 20 Monate alter Zwergrehpinscher Lolle etwas vom Boden.

Wenig später sind Dilger und seine beiden Tiere wieder daheim. 20 Minuten vergehen, dann beginnt Hündin Lolle, sich ungewöhnlich zu verhalten. Erbricht sich, hat Blut im Stuhl, kippt zweimal um. Dilger sucht umgehend einen Tierarzt auf. Der bestätigt: Dilgers Hündin hat offenbar einen Giftköder mit Rattengift und einer weiteren unbekannten Substanz gefressen.

Dilger erinnert sich mit Schrecken an diesen Tag: „Der Tierarzt ging davon aus, dass sie es nicht schaffen würde.“ Erst seit Sonntag hat der 35-jährige Hundehalter Gewissheit, dass Lolle überleben wird. Am schlimmsten sei der Gedanke gewesen, nicht zu wissen, ob sein Haustier wiederkommt, erzählt er: „Meine Tiere sind für mich wie meine Familie.“

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Giftköder sind ein großes Gesprächsthema

Laut Dilger ist es unter Hundehaltern ein großes Gesprächsthema, dass es im Aichacher Raum bereits mehrfach Fälle gab, in denen Hundehasser Giftköder auslegten. „Deshalb achte ich besonders darauf, wo meine Hunde herumschauen.“ Doch: „Auch wenn man darauf achtet, kann man so schnell nichts machen.“ Ehe Dilger sich versah, hatte seine Hündin Lolle den Giftköder verschluckt.

Eine andere Art von Köder fand Marietta Greisl in ihrem Garten in der Oskar-von-Miller-Straße in Aichach. Im Garten der Hundehalterin lagen zwei Weißwürste. Sie waren mit Rasierklingen gespickt. „Ich lasse meine Hunde abends immer noch einmal in den Garten“, erzählt Greisl. An dem besagten Abend Ende September ging sie selbst mit in den Garten, um sich eine Zigarette anzuzünden. Das war das Glück der Hundehalterin. Im Garten trat sie auf etwas, das sich wie ein Tannenzapfen anfühlte. Greisl bückte sich und sah eine Weißwurst, in der eine Rasierklinge steckte.

Ob Stefan Dilgers Hündin Lolle die Vergiftung überleben würde, war zunächst unklar.
Bild: Stefan Dilger

Der Hund knabberte bereits an der Weißwurst

In der nächsten Sekunde bemerkte sie, dass ihr Pinschermischling Pacco auf der Wiese an etwas knabberte: an einer zweiten Weißwurst, ebenfalls mit einer Rasierklinge. „Ich bin froh, dass er auf mich hört“, erzählt sie. Denn auf ihren Zuruf hin hörte Pacco sofort auf zu fressen. Der Hund blutete bereits am Gaumen.

Greisl ist sich sicher, dass jemand ihr Grundstück betreten und die Würste dort abgelegt hat. Wenn man sie werfe, falle die Klinge heraus, sagt sie. Sie habe das getestet. Wer die Weißwürste in ihrem Garten deponiert haben könnte, weiß Greisl nicht. Sie verstehe auch nicht, warum jemand so etwas tut, sagt sie: „Das ist halt traurig. Man rettet sie und dann müssen sie so jämmerlich sterben.“ Pacco und der zweite Hund der Familie, Tasso, sind ehemalige Straßenhunde, die Greisl aufgenommen hat. Alleinstehende Senioren und Kinder aus der Nachbarschaft kämen regelmäßig vorbei, um mit den beiden zu spielen, erzählt sie.

Nach dem Vorfall hat Greisl in Aichach Plakate aufgehängt. Ihr Gartentor schließt sie nun immer zu, in der Früh sucht sie ihr Grundstück mit einer Taschenlampe ab. Maulkörbe hat sie bestellt, eine Kamera ist so gut wie installiert.

Pacco, der Hund von Marietta Greisl, hatte bereits von der präparierten Weißwurst gegessen und sich dabei am Gaumen verletzt, als seine Besitzerin die Weißwurst entdeckte.
Bild: Hans Greisl

Hundehasser: Ob die Polizei den oder die Täter findet, ist ungewiss

Greisl und Dilger haben beide bei der Polizei Anzeige erstattet. Die Aichacher Polizei bestätigt die Fälle. Die Polizei ermittle, sagt ihr Sprecher Erich Weberstetter.

Zugleich schränkt er ein: „Es ist bei solchen Sachen immer schwierig, den Verursacher herauszufinden.“ Einen Giftköder zu hinterlassen, dauere nicht lange und falle kaum auf. Heuer tauchten bereits im Aichacher Stadtteil Sulzbach, in Obergriesbach und im Pöttmeser Ortsteil Handzell Giftköder auf. Den oder die Täter fand die Polizei nicht.

Hundehalter Stefan Dilger glaubt auch nicht, dass das dieses Mal gelingt. „Ich bin einfach froh, dass ich so schnell reagieren konnte“, sagt er.

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