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Geschichte

30.03.2013

Immer wieder Streit, wo der Sonntagsgottesdienst abzuhalten sei

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Blick vom Chorraum in das Langhaus zur Empore, wo derzeit noch keine Orgel vorhanden ist.

Die Kirche in Anwalting ist im Jahre 935 erstmals in den Archiven belegt. Die Filialkirche hatte schon früher „bedeutende Rechte“

Affing-Anwalting Die Kirche zu Anwalting ist 935 erstmals belegt. Im Jahr 1220 wurde vom damaligen Pfarrer, dem Magister Marquardus, bestätigt, dass Gebenhofen und Anwalting seit mindestens 40 Jahren zum Kollegiatenstift St. Andreas in Freising gehörte. Anton von Steichele schreibt in seiner Bistumsbeschreibung („Das Bistum Augsburg – historisch und statistisch beschrieben“, 1883): „Schon aus dem Jahre 1220 wird (...) eine Kapelle zu Ongoltingen, nach Gebenhofen filialisiert (...).

Mit „Omelding“ (so im Schematismus, einer Auflistung aller Pfarreien und Pfarrer von 1762) oder „Augoltingen“ ist Anwalting gemeint. Und bei der „Kapelle“ handelt es sich um die Anwaltinger Kirche St. Andreas. Die Filialkirche hatte „bedeutende Rechte auf Gottesdienste“ – so wird es von Steichele beschrieben: Am 27. November 1440 wurde durch den bischöflichen Generalvikar festgelegt, dass „am Karfreitage das Kreuz in das Grab des Heilandes zu legen, am Ostertage aber es aus demselben zu erheben (sei)“. Wurde Anwalting im Zuge einer Schenkung filialisiert? Das könnte die erwähnten „bedeutsamen Rechte“ erklären. Denn immer wieder gab es Streitigkeiten innerhalb der Pfarrei, wo der Sonntagsgottesdienst abzuhalten sei.

Bittgang nach Inchenhofen geht wohl auf „Lungenseuche“ zurück

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1502 legte schließlich Generalvikar Heinrich von Lichtenau fest, dass die Sonntagsmessen abwechselnd in Gebenhofen und Anwalting abzuhalten seien, allerdings an den hohen Festtagen Kirchweih, Palmsonntag (und andere) in der Mutterkirche in Gebenhofen sein müssten.

Und wenn man dann schon bei den Bräuchen ist – warum gibt es einen Bittgang nach Inchenhofen von den Anwaltingern? Nach einem Verkündigungsbuch der Pfarrei Inchenhofen findet diese Wallfahrt seit dem Jahre 1890 statt. Vermutlich geht er auf die „Lungenseuche“ (eine Viehseuche) in Anwalting im Jahr 1850/51 zurück. Im „Jahresbericht der Königlichen Central-Thierarznei-Schule zu München, 1851/52“ wird vermerkt, dass bei der Seuche „zu Anwalting unter 59 Stücken, davon 30 geheilt, 10 getödtet, 17 gefallen“ seien.

Eine Verbindung zwischen Bittgang und der Kirche St. Andreas besteht also so wohl nicht – dennoch hingen Leben und Glaubenspraxis eng zusammen. (chsm)

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