Newsticker

EU sichert sich bis zu 160 Millionen Dosen des Corona-Impfstoffs von Moderna
  1. Startseite
  2. Lokales (Aichach)
  3. Junge Flüchtlinge büffeln an Berufsschule für ihre Zukunft

Aichach-Friedberg

19.06.2015

Junge Flüchtlinge büffeln an Berufsschule für ihre Zukunft

Auch an den Beruflichen Schulen Wittelsbacher Land werden junge Flüchtlinge auf eine berufliche Zukunft vorbereitet. Unser Symbolfoto zeigt junge Asylbewerber in Kempten.
Bild: Symbolfoto: Ralf Lienert

38 Asylbewerber werden an den Berufsschulen Wittelsbacher Land auf eine Ausbildung vorbereitet. Nun soll das Projekt ausgeweitet werden

Aichach-Friedberg Der Landkreis weitet sein Angebot zur beruflichen Integration von jungen Flüchtlingen aus. 38 Asylbewerber werden seit dem vergangenen Jahr in zwei Vorklassen an den Beruflichen Schulen Wittelsbacher Land unterrichtet. Nach dem laufenden Schuljahr sollen sie in ein Berufsintegrationsjahr wechseln, wo sie auf eine Berufsausbildung vorbereitet werden. Der Bildungsausschuss des Kreistags beschloss nun, ab Herbst drei weitere Vorklassen einzurichten.

Die Nachfrage ist da. Für 60 Plätze gibt es laut Gerhard Kestner, Leiter der Beruflichen Schulen Wittelsbacher Land, bereits jetzt 81 Anmeldungen. Kestner rechnet fest damit, dass weitere folgen. Nicht alle Interessenten sind jedoch geeignet. Mit einem Test prüft die Schule die sprachlichen und rechnerischen Fähigkeiten der jungen Flüchtlinge. Vor allem, um Analphabeten unter ihnen herauszufiltern. Auf sie seien die Vorklassen nicht abgestimmt.

Trotz der sprachlichen Hürden funktioniert der Unterricht Kestner zufolge gut – in beiden Klassen. Sie wurden nach dem ersten Halbjahr je nach Sprachniveau der Flüchtlinge geteilt. Für die Lehrer sei der Unterricht anfangs zwar eine große Herausforderung gewesen. Doch sie hätten sich darauf eingestellt und seien begeistert dabei.

Ebenso die Schüler. Sie seien „alle sehr bemüht“ und machten gut mit, betont Kestner. In der Vorklasse gehe es nicht nur darum, ihnen sprachliche Grundkenntnisse beizubringen. Auch der Fachwortschatz für eine spätere Ausbildung will erst einmal gelernt sein. Der Vorteil ist, dass sich die Schüler hier in den praktischen Unterrichtsteilen viel abschauen können.

Die Berufsschule ist vor allem für den fachlichen Teil zuständig. Um den Sprachunterricht und die sozialpädagogische Förderung kümmert sich das Berufsbildungszentrum Augsburg der Lehmbaugruppe. Es betreut auch im nächsten Jahr für insgesamt 170000 Euro die – dann drei – Vorschulklassen sowie die Schüler, die ins Berufsintegrationsjahr aufrücken.

Schulleiter sieht Vorteile für beide Seiten

Zehn Stunden pro Woche für die sozialpädagogische Betreuung und 15 beziehungsweise 19 Lehrerstunden sind vorgesehen. Die Kosten trägt voraussichtlich weitgehend die Regierung von Schwaben.

Um die Vermittlung von Praktika kümmert sich das Berufsbildungszentrum Augsburg der Lehmbaugruppe. Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer und Arbeitsagentur stehen ebenfalls bereit.

Die Schüler in den beiden Vorklassen kommen etwa je zur Hälfte aus dem Wittelsbacher und dem Augsburger Land. Der nördliche Teil des Nachbarlandkreises Augsburg gehört der Schulsprengel-Einteilung der Regierung zufolge zu Aichach-Friedberg.

Kestner sagt: „Ich bin froh, dass wir das Angebot erhöhen können.“ Das Projekt habe Vorteile für beide Seiten. Der Fachkräftemangel mache sich inzwischen auch bei den Betrieben in der Region bemerkbar. Der Schulleiter sieht hier mittelfristig Potential bei den jungen Flüchtlingen. Auch diese profitierten. Falls sie später in ihre Heimat zurückkehrten, „haben wir wirkliche Entwicklungshilfe geleistet“, so Kestner.

Bei Weitem nicht alle, die derzeit oder ab Herbst Unterricht an der Berufsschule haben, werden ihn allerdings auch abschließen können. Der Schulleiter sieht ein Risiko von 50 Prozent, dass sie abgeschoben werden. Ein Risiko, das er und die Lehrer in Kauf nehmen: „Es ist wichtig, dass man offen ist, dass man die Leute aufnimmt.“

Dennoch spricht auch er sich für das erklärte Ziel der Industrie- und Handelskammer aus, wonach junge Flüchtlinge für den gesamten Ausbildungszeitraum und in den zwei Jahren nach der Lehre ein Bleiberecht bekommen sollten. Zudem solle nach der Ankunft der Flüchtlinge schneller entschieden werden, wie es mit ihnen weitergehe.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren