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Natur
30.03.2020

Regen und milde Nächte machen Kröten Beine

Schilder, wie hier an der Straße zwischen Blumenthal (Stadt Aichach) und Sielenbach (unten links), warnen Autofahrer vor den tierischen „Fußgängern“. Zäune verhindern, dass die Kröten über die Straße laufen und überfahren werden. Fotos: Gerlinde Drexler (2), Marcus Merk (Archiv)
Foto: Marcus Merk

Die Amphibien sind aus dem Winterschlaf erwacht und wandern zu ihren Laichplätzen. Gilt die Ausgangsbeschränkung auch für Helfer?

Kröten, Frösche und Lurche erwachen aus ihrer Winterstarre. Schon seit Mitte März wandern sie zu ihren Laichgründen. Krötenzäune und Tunnel sollen verhindern, dass die Laichwanderer dabei unter die Räder kommen. Ehrenamtliche Helfer vor allem des Bund Naturschutzes (BN) im Landkreis sammeln sie ein und tragen sie über die Straße. Im vergangenen Jahr retteten die Helfer der BN-Ortsgruppe Aichach damit 353 Fröschen, 2275 Kröten und 1396 Molchen das Leben.

Fünf Wochen lang trugen sie morgens und abends an der Verbindungsstraße von Hiesling (Stadt Aichach) nach St. Georg die Tiere über die Straße ans Laichgewässer. Den rund 700 Meter langen Krötenzaun hätten sie heuer sogar noch verlängert, erzählt Johanna Lenz von der Aichacher Ortsgruppe. „Es ist trotzdem nicht ausreichend, weil viele Amphibien auch noch bei St. Georg laufen.“ Eine temporäre Straßensperre, wie sie vor zwei Jahren aufgestellt worden war, brachte laut Ortsgruppenvorsitzender Helga Fritscher auch nichts. „Die wurde einfach auf die Seite geschoben.“

Kröten bleiben gern auf dem warmen Asphalt sitzen

Genau wie Lenz plädiert sie für eine richtige Sperre der Straße während der Laichzeit. Etwa seit Ende Februar steht heuer der Krötenzaun bei Hiesling. Eine Zeit lang seien es nur einzelne Tiere gewesen, die in den aufgestellten Eimern entlang des Zaunes landeten, sagt Fritscher. Den genauen Zeitpunkt, wann die Amphibien mit ihrer Wanderung beginnen, könne man nicht sagen, weiß sie aus Erfahrung. „Wenn es etwas regnet und nicht mehr friert, geht es los.“ Statt die Straße zügig zu überqueren, bleiben Frösche und Kröten gerne auf der Fahrbahn sitzen. Fritscher weiß warum: „Der dunkle Asphalt erwärmt sich schön.“ Die Amphibien, die von Wärmequellen außerhalb ihres Körpers abhängig sind, „tanken“ hier auf.

Schilder warnen Autofahrer vor den tierischen „Fußgängern“.
Foto: Gerlinde Drexler

Insgesamt rund 80 Kröten haben die Helfer im Bereich des Obergriesbacher Weihers in den vergangenen Tagen entlang des Krötenzauns gefunden. „Meines Erachtens ist jetzt die Hauptkrötenwanderungszeit“, sagt Gustav Herzog. Er ist Mitglied im Kreisvorstand des Landesbundes für Vogelschutz und arbeitet schon seit Jahren mit dem BN zusammen.

2019 insgesamt 2000 Tiere über die Straße getragen

Seit 2013 steht der Krötenzaun in Obergriesbach. „Es hat sich gut eingespielt“, freut sich Herzog. Am Anfang waren es 600 Amphibien, die die Helfer während der Laichzeit über die Straße trugen. Im vergangenen Jahr seien es um die 2000 gewesen, erzählt er. Meistens sind es Grasfrösche und Erdkröten, die die rund 20 Helfer finden. Herzog über ein selteneres Tier: „Ein Bergmolch war auch schon dabei.“

Er hat den Eindruck, dass die Amphibien während der Laichzeit „irgendwo aus dem östlichen Bereich des Ortes“ kommen. Genau an der Stelle, wo der Krötenzaun steht, wollen sie über die Straße wandern zum Weiher. Problematisch ist nach Herzogs Ansicht der niedrige Wasserstand des Weihers. Er bedauert: „Die Behörden sehen es nicht so dramatisch.“ Dabei sei ein höherer Wasserpegel auch für das Vogelleben wichtig.

Tiere sind zwei Wochen früher als sonst unterwegs

Zwei Krötenübergänge gibt es im Bereich des BN Pöttmes. Sie sind in den Ortsteilen Schorn und Kühnhausen jeweils an den Staatsstraßen. Vor allem Erdkröten sowie einige Grasfrösche und Molche würden sie hier einsammeln, sagt Ernst Haile, stellvertretender Kreisvorsitzender des BN. Etwa zwei Wochen früher als sonst seien die Tiere heuer unterwegs, sagt er. Haile geht davon aus, dass die Krötenwanderung noch bis Anfang April andauern wird.

Zäune verhindern, dass die Kröten über die Straße laufen und überfahren werden.
Foto: Gerlinde Drexler

Aufgrund der aktuellen Ausgangsbeschränkungen will er sich erkundigen, wie weit die Krötensammler davon betroffen sind. Er gehe davon aus, dass die Helfer mit einer einfachen Bescheinigung auch weiterhin in eingeschränkten Zeiten unterwegs sein dürfen, so Haile.

Wer sich als Helfer engagieren und helfen möchte, findet die Kontaktdaten der jeweiligen BN-Ortsgruppe im Internet unter der Adresse www.bn-aic.de.

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