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08.10.2019

Naturschützerin aus Leidenschaft: Hildegard Wessel feiert ihren 80. Geburtstag

Der Adelzhausener Bürgermeister Lorenz Braun gratulierte Hildegard Wessel zu ihrem 80. Geburtstag.
Bild: Ingrid Friedl

Hildegard Wessel aus Adelzhausen hat ihren 80. Geburtstag gefeiert. Sie wurde im September 1939 als Hildegard Heinrich in München geboren. Mit ihrer zwei Jahre jüngeren Schwester wuchs sie in unruhigen Zeiten auf. Aus der Stadt München evakuiert, verschlug es die Heinrichs erst in die Pfalz, von dort nach Salzburg und dann weiter nach Bischofswiesen. Wessel kann sich bis heute an die Fliegeralarme in Salzburg erinnern, die sie als Vierjährige erlebte. Hautnah bekam sie mit, wie das Nachbarhaus komplett „weggebombt“ wurde.

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In Berchtesgaden fand die Familie eine neue Heimat. In den ersten Jahren empfand sie die Gegend im Vergleich zu München als sehr rückständig. Der Schulweg war im Winter teilweise mit dem Schlitten zu bewältigen, im Sommer wurde mit einer Leiter ein Lastwagen erklettert. Wie arm die Familie war, zeigt sich in der Erzählung der Jubilarin. Für die beiden Töchter der Heinrichs stand nur ein paar Schuhe zur Verfügung. Die Mädchen besuchten daher im Winter die Schule abwechselnd.

Nach der Gymnasialzeit in Berchtesgaden besuchte Wessel ab 1959 das Dolmetscher-Institut in Heidelberg. Sie arbeitete als Übersetzerin für Englisch und Russisch. 1969 heiratete sie den Amerikaner Andrew Wessel. Mit Freude erfüllte sie die Erziehung der vier Kinder Madelyn, Alan, Markus und Ingrid. Inzwischen ist die Familie um acht Enkel und einen Urenkel gewachsen. Als die Wessels in den 1970er-Jahren nach Adelzhausen zogen, war es für Hildegard Wessel eine beliebte Freizeitbeschäftigung, die Flora und Fauna in der Region zu erkunden.

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1992 bewarb sie sich als ehrenamtliche Naturschutzwächterin bei der Naturschutzbehörde. Inzwischen dürfte es für die Expertin nur noch selten Einzelheiten im Ecknachtal geben, die sie nicht kennt. Als Koordinatorin für das Projekt zur Umsetzung des bayerischen Arten- und Biotopschutzprogramms im Landkreis organisiert sie seit nahezu 20 Jahren Treffen des Arbeitskreises, an dem Fachbehörden, Verbände sowie die Kommunen Aichach, Sielenbach und Adelzhausen beteiligt sind.

Wessels kompetente und engagierte Arbeit seit zwei Jahrzehnten erfuhr schon mehrfach öffentliche Anerkennung – so zum Beispiel mit der Verleihung des Umweltpreises, des „Grünen Engels“ des Umweltministeriums und der Silberdistel unserer Zeitung.

Hildegard Wessel tritt für die Sache ein, ohne den Blick dafür zu verlieren, dass wirtschaftlicher Druck auch zu schwierigen Entscheidungen führt. Deshalb sucht sie den Kontakt zu den Landwirten und versucht, für beide Seiten vertretbare Lösungen zu vereinbaren, um die Pflanzenvielfalt zu optimieren. Wenn Holzpfosten in den Wiesen des Ecknachtals Mähbegrenzungen zeigen, ist es sehr wahrscheinlich, dass Wessel die theoretischen Planungen in die Tat umgesetzt hat.

Wenn kein Ferienprogramm ansteht und die Lesepatin an der Adelzhausener Schule noch Zeit findet, besucht sie einen Teil ihrer Familie. Dazu unternahm die 80-Jährige kürzlich eine Reise in die USA – alleine, da ihr Mann bereits verstorben ist.

Weit angereiste Gratulanten machten sich an ihrem Geburtstag auf den Weg nach Adelzhausen, um ihre Glückwünsche zu überbringen. Auch Adelzhausens Bürgermeister Lorenz Braun gratulierte und sprach seinen Dank und Anerkennung für Wessels großes Engagement und ihre fachkundigen Einsätze für das Projekt Ecknachtal aus. Neben der Liebe zur Tier- und Pflanzenwelt freut sich die vitale Jubilarin sehr über Besuche ihrer Familie. (if)

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