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29.07.2010

Noch kein Geld für Landwirte nach Genmaisaussaat

Landkreis Augsburg Eine Entschädigung für die Bauern, die in diesem Frühjahr mit Genmais verunreinigtes Saatgut ausgebracht hatten, ist in Sicht, aber noch nicht endgültig ausgehandelt. Das ist das Ergebnis eines Treffens von betroffenen Bauern aus Bayerisch-Schwaben und der Saatgutfirma Pioneer aus Niedersachsen, das jetzt in Horgau stattfand.

Von Claudia Bammer und Jana Tallevi

Einer Reihe von Landwirten, etwa sieben bis acht aus dem Landkreis Augsburg und zwei aus dem Nachbarlandkreis Aichach-Friedberg, war in dieser Saatperiode beträchtlicher Schaden entstanden. Sie hatten von der Firma Pioneer ihr Saatgut für Mais erhalten und ausgesät. Der Knackpunkt: Erst nach der Aussaat war aus den Probeuntersuchungen des Landwirtschaftsministeriums in Niedersachsen deutlich geworden, dass das Saatgut mit gentechnisch verändertem Mais verunreinigt war. Die Landwirte waren gezwungen, die etwa einen halben Meter hohen Pflanzen auszureißen. Sie gehen nun von einem Schaden in Höhe von 2000 bis 2500 Euro pro Hektar allein für den Ernteausfall aus, so Reinhard Herb, Obmann des bayerischen Bauernverbands (BBV) im Landkreis Aichach-Friedberg. Die Aufwendungen für das Ausreißen der Saat, die teilweise nachkeimte, seien darin noch gar nicht enthalten.

Mit der Hoffnung auf eine direkte Entschädigung waren die Bauern in das Gespräch gegangen, so Gerhard Ringler, Kreisobmann des bayerischen Bauernverbands (BBV) im Landkreis Augsburg. Dazu kam es noch nicht. 1500 Euro pro Hektar habe Pioneer geboten, so Herb - inklusive eines Rückzahlungsmodus. Diese Soforthilfe, so Leonhard Keller, Vorsitzender des BBV-Landesfachausschusses für pflanzliche Produktion und BBV-Bezirkspräsident von Schwaben, sei eine "Lösung mit großen Pferdefüßen", die so nicht akzeptiert werden könne.

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Hintergrund für die langwierigen Verhandlungen ist auch die Frage nach der juristischen Verantwortung. Die möchte Pioneer nämlich vor Gericht durch ein Musterverfahren klären lassen, so Ulrich Schmidt, Geschäftsführer von Pioneer Nordeuropa, nach der Versammlung. Gleichzeitig strebt das Unternehmen ein Amtshaftungsverfahren gegen das Land Niedersachsen an. Denn nachdem interne Untersuchungen des Saatguts keine Verunreinigungen ergeben hätten, sei das Saatgut in Umlauf gekommen. Zu spät seien die Ergebnisse der Proben durch ein Labor des Landwirtschaftsministeriums bekannt geworden, nämlich erst Ende April, nachdem das Saatgut bereits ausgebracht war. Das stimme zwar, so Dr. Gert Hahne, Sprecher des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums. Die Proben waren im Februar entnommen worden, ein Ergebnis sei allerdings innerhalb von wenigen Wochen nicht zu haben. Verantwortlich sei immer noch der Hersteller für die Qualität seiner Ware. "Wir sind hier nur eine Art TÜV", so Hahne. Auch die zuständige Staatsanwaltschaft in Oldenburg ermittelt inzwischen gegen die Firma wegen Verdachts auf Verstoß gegen das Gentechnikgesetz, so Staatsanwältin Dr. Frauke Wilken.

Kein Risiko und keine Kosten für den Einzelnen

Ein "Kompromiss im Sinne der Landwirte", wie es Geschäftsführer Ulrich Schmidt selbst nennt, ist dennoch in Sicht. Pioneer möchte bis Anfang August mit sämtlichen in Deutschland betroffenen Landwirten auf verschiedenen Informationsveranstaltungen reden. Mitte August könnte es dann ein neues Angebot von Pioneer geben, erwartet Herb. Wenn keine Einigung zustande kommt, strebt der BBV eine Sammelklage gegen Pioneer an, sagte Reinhard Herb. "Das macht dann der BBV. Der Einzelne hat damit kein Risiko und keine Kosten."

Dennoch bleibt die Hoffnung auf eine angemessene Entschädigung. "Das ist doch auch eine Imagefrage für Pioneer", so BBV-Obmann Gerhard Ringler.

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