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Energieversorgung im Wittelsbacher Land

29.06.2009

Öko-Strom boomt: 60 Prozent erzeugt Kreis schon selbst

Riesige Solar-Anlagen in der Wüste geplant
Bild: DPA

Zukunftsmusik: Jede siebte Kilowattstunde Strom, die in Deutschland aus der Steckdose kommt, könnte 2020 mit Sonnenenergie in der Wüste Sahara erzeugt werden. Realität: Drei von fünf Kilowattstunden Strom, die im nördlichen Teil des Wittelsbacher Landes verbraucht werden, sind schon 2008 regenerativ mit Biomasse, Sonne und Wasserkraft vor Ort erzeugt worden. Von Christian Lichtenstern

Aichach-Friedberg. Zukunftsmusik: Jede siebte Kilowattstunde Strom, die in Deutschland aus der Steckdose kommt, könnte 2020 mit Sonnenenergie in der Wüste Sahara erzeugt werden. Realität: Drei von fünf Kilowattstunden Strom, die im nördlichen Teil des Wittelsbacher Landes verbraucht werden, sind schon 2008 regenerativ mit Biomasse, Sonne und Wasserkraft vor Ort erzeugt worden. Das Verhältnis zwischen Erzeugung und Verbrauch von Stromenergie hat sich in den 16 Kommunen in nur zwei Jahren von 10,5 Prozent (2006) auf 61 Prozent (2008) nahezu versechsfacht (!).

Nach den uns vorliegenden Zahlen der beiden Energieversorger LEW und Eon wird in vier dieser Gemeinden schon jetzt mehr Strom vor Ort erzeugt als verbraucht (siehe Infoartikel). Strom-Spitzenreiter ist Sielenbach (312,4 Prozent) - das Dorf speist mit 59 Anlagen über drei Mal so viel ins Netz ein, als von allen Privathaushalten, Betrieben und der Kommune verbraucht wird. Gegenüber 2006 haben die Sielenbacher ihre Stromproduktion verdreifacht. Bürgermeister Martin Echter ist mächtig stolz auf seine Bürger: "Alles mit vergleichsweise kleinen Anlagen - ohne einen Solarpark." "Energiebauer" Sepp Bichler habe mit einer 10-Kilowatt-Fotovoltaikanlage auf dem Dach seines Stadls vor acht Jahren den Vorreiter gemacht und viele seien seinem Beispiel gefolgt, sagt Echter. Mit dem Blockheizkraftwerk in Tödtenried soll bald das nächste Pilot-Projekt Strom und Wärme liefern.

Neben Sielenbach liegen Petersdorf (196,7 Prozent), Kühbach (115,6 Prozent) und Dasing (115,4 Prozent) im Stromplus. Baar (86%) und Hollenbach (75%) sind schon jetzt nahe dran, dort gehen heuer bei Heimpersdorf und Igenhausen zwei große Solarparks ans Netz.

Öko-Strom boomt: 60 Prozent erzeugt Kreis schon selbst

Die hohe regenerative Quote in der Region liegt an zwei Faktoren: Die erneuerbaren Energien haben im Kreis dank vieler kleiner und einiger großer Projekte einen ungeahnten Aufschwung erlebt. Die Einspeisung stieg von 25,5 Millionen Kilowattstunden (2006) auf rund 150 Millionen Kilowattstunden (kWh) Strom (2008). Einen Löwenanteil davon liefert der Generator des Biomasse-Heizkraftwerks im Unterbernbacher Heggenstaller-Sägewerk mit 70 Millionen kWh Strom. Das allein würde ausreichen, um über 20 000 durchschnittliche Privathaushalte mit elektrischer Energie zu versorgen. Auf der anderen Seite verbrauchen die Menschen im industriearmen Kreis vergleichsweise wenig Strom. Im Durchschnitt verbraucht ein Deutscher 7500 kWh Strom, in der Region sind es nur die Hälfte - 3800 kWh pro Einwohner und Jahr.

Laut Experten entspricht der Stromverbrauch einem Drittel des Gesamtenergieverbrauchs - die beiden anderen Drittel sind Wärme- und der Energiebedarf für den Verkehr. Durch die Biomasse-Kraftwerke und die vielen Holzheizungen liegt der nördliche Kreis auch in Sachen regenerative Wärmeerzeugung bereits gut im Rennen. Für den Verkehr wird in ländlichen Regionen dagegen überdurchschnittlich viel Energie aufgewendet.

"ANsichtssache und AN-extra Seite 3

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