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Aichach

14.07.2019

Rettung der Freundin bringt Drogenabhängigen ins Gefängnis

Der Angeklagte ist abhängig von Heroin, seit er 22 Jahre alt ist. Aus dem Umfeld stammten auch seine Freundinnen.
Bild: Boris Roessler, dpa

Plus Ein Mann schleppt eine bewusstlose Frau vor die Haustür. Doch er fällt auf, als er bei ihrer Reanimation teilnahmslos daneben steht. Warum er jetzt in Untersuchungshaft sitzt.

Seine Freundin lag bewusstlos am Stadtplatz in Aichach auf dem Boden und der 37-Jährige Freund sah eher teilnahmslos bei der Wiederbelebung zu. Der Grund für das seltsame Verhalten: Der Aichacher war auf Droge und hatte Ende August vergangenen Jahres zwei Plomben mit insgesamt 0,35 Gramm Heroin bei sich. Deshalb musste er sich kürzlich wegen unerlaubten Besitzes von Drogen vor dem Aichacher Amtsgericht verantworten. Zu der Verhandlung führten den Angeklagten Polizeibeamte aus der Justizvollzugsanstalt (JVA) vor.

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Dort sitzt der 37-Jährige wegen des Verdachts auf Totschlag in Untersuchungshaft. Ungefähr mit 16 Jahren hat der Angeklagte laut seiner Aussage angefangen, Alkohol zu trinken. Etwa zwei Jahre später kamen Drogen dazu. „Seit ich 22 bin, bin ich auf Heroin“, sagte er vor Gericht aus. Der 37-Jährige hat schon einige Therapien und Rückfälle hinter sich und war schon mehrmals zur Entgiftung eingeliefert. Dabei lernte er auch seine damalige Freundin kennen, die ebenfalls heroinsüchtig war.

Unter der Dusche wird die Frau bewusstlos

Im August 2018 hatten beide Heroin genommen, als seine Freundin unter der Dusche auf einmal die Augen verdrehte und bewusstlos wurde. Der 37-Jährige realisierte, dass sie Hilfe brauchte, und zog sie vor die Haustüre. Eine Nachbarin sagte ihm, er solle den Notarzt rufen. Dieser habe die Freundin retten können, sagte der Angeklagte vor Gericht aus.

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Er selbst stand unter Drogeneinfluss daneben und sah zu. Den Helfern fiel seine teilnahmslose Art auf. Eine Durchsuchung förderte die beiden Heroinpäckchen zutage. Die habe er sich besorgt, weil er seit ein paar Tagen keine Substitute, also Ersatzdrogen, mehr bekommen hatte, erklärte der 37-Jährige vor Gericht. Inzwischen hat er sich von seiner damaligen Freundin getrennt. Sie habe zu viele Rückfälle gehabt.

Seine neue Freundin stirbt

Auch seine neue Freundin lernte der Angeklagte während einer Entgiftung kennen. Vor Gericht sagte er: „Wenn ich nicht auf Entgiftung war, war ich bei ihr.“ Kürzlich starb sie in ihrer Wohnung im Landkreis Augsburg. Der 37-Jährige sitzt seitdem in Untersuchungshaft in der JVA. Er wird des Totschlags an seiner Freundin verdächtigt.

Nachdem der Angeklagte seit 2016 keinen Beruf mehr ausübt, drogenabhängig und sozial nicht eingebunden ist, kam für Staatsanwältin Beate Schauer eine Bewährungsstrafe nicht infrage. Sie plädierte wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmittel für drei Monate Haft. Beim Strafmaß spielte für sie auch eine Rolle, dass der 37-Jährige erst zwei Monate vor dem Vorfall mit seiner früheren Freundin wegen unerlaubten Drogenbesitzes zu einer Geldstrafe verurteilt worden war.

Warum es keine Bewährungsstrafe gibt

Amtsrichter Walter Hell schloss sich dem Plädoyer der Staatsanwältin an und verurteilte den Angeklagten zu einer dreimonatigen Haftstrafe ohne Bewährung. „Bei Therapieansätzen hätte es Bewährung gegeben“, sagte er zu ihm. Sein Rat an den 37-Jährigen: „Sie müssen in Therapie und weg aus Ihrem Umfeld.“ Weiter sagte der Richter: „Glauben Sie nicht, dass allein der Knastaufenthalt etwas an Ihrer Abhängigkeit ändert.“

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