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Aichach

16.06.2019

So rettete eine Hunde-Physiotherapeutin einer Katze das Leben

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Magdalena Braunmüller macht auch mit ihrem achtjährigen Bordercollie-Mischling Nero Physiotherapie. Hier steht Nero auf einer Wippe, die die Muskeln trainiert.
Bild: Katharina Seeburger

Plus Rückenschmerzen, Arthrose, Verspannungen: Auch Hunde und Katzen leiden. Was die Hundephysiotherapeutin macht und was Unterschiede zum Menschen sind.

Schwarzes Fell mit einzelnen weißen Flecken und schwarze, treue Augen. Eine kalte Hundeschnauze schnuppert freudig wegen des Besuchs bei ihm und seinem Frauchen. Nero, ein Border-Collie-Mischling, ist der Hund von Magdalena Braunmüller. Und der Grund, dass die 25-jährige Tierarzthelferin die erste Hundephysiotherapeutin in Aichach ist.

2015 hatte sich der heute achtjährige Nero beim Gassigehen an einem Metallstück sein linkes Hinterbein aufgeschnitten und seine Sehnen verletzt. Nach seiner Operation wollte Nero nicht mehr richtig laufen. Braunmüller hat sich damals große Sorgen um ihren Hund gemacht und mit ihm einen Physiotherapeuten für Tiere aufgesucht. „Nero hat das Laufen neu gelernt und wieder ein Gefühl für die verletzte Pfote bekommen“, sagt Braunmüller. Von da an war ihr Interesse für die Physiotherapie geweckt und es entstand der Wunsch, sich zur Physiotherapeutin für Tiere weiterzubilden.

Diesen Wunsch erfüllte sie sich dann auch: Von Februar 2017 bis November 2018 machte die Tierarzthelferin eine Ausbildung zur Hundephysiotherapeutin an einer Schule für Tierphysiotherapie in Neusäß. An 14 Wochenenden lernte sie alles über den Körperbau von Hunden, ihre Muskeln, wie man Röntgenbilder und Laborwerte liest und welche Therapiemöglichkeiten es gibt. Parallel arbeitete sie weiterhin als Tierarzthelferin in der Tierarztpraxis Dr. Zott und Dr. Bangerter in Aichach, die sie in ihrer Ausbildung finanziell und fachlich unterstützt haben. Heute ist Braunmüller dort nicht nur als Tierarzthelferin, sondern auch als Physiotherapeutin angestellt – für Hunde und auch Katzen, weil deren Körperbau dem der Hunde sehr ähnlich ist. Bei der Behandlung der Tiere arbeiten Braunmüller und die Tierärzte Hand in Hand. „Die Physiotherapie erweitert bei uns die Schulmedizin“, sagt Braunmüller.

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Magdalena Braunmüller macht auch mit ihrem achtjährigen Bordercollie-Mischling Nero Physiotherapie. Hier steht Nero auf einem Balance-Kissen, das die Muskeln und das Gleichgewicht trainiert.
Video: Katharina Seeburger

Hundephysiotherapeutin rettet Katze das Leben

So konnte Braunmüller mit der Physiotherapie im Oktober 2018 einer Katze das Leben retten. Sie war ihre erste Patientin und ist ihr besonders in Erinnerung geblieben. Die Katze hatte einen Autounfall, bei dem ihre beiden Hinterbeine verletzt wurden. Sie kam in die Tierarztpraxis und wurde operiert. Obwohl die Operation geglückt war, ging es der Katze nicht gut: Sie wollte nicht mehr laufen, lag einfach nur noch da. „Die Katze hatte sich aufgegeben“, erinnert sich Braunmüller. Deshalb hätte man sie bald einschläfern müssen. Als letzter Versuch kam die Katze für ein paar Tage zu Braunmüller in die Praxis. Alle 30 Minuten hat die junge Frau das Tier animiert, gelockt und versucht, sie hinzustellen. Die Katze ließ sich gleich wieder hinfallen und blieb liegen. Doch Braunmüller war hartnäckig und hat das Tier nicht aufgegeben. Das hat sich ausgezahlt: Irgendwann konnte die Katze für ein paar Sekunden stehen. Dann ein paar Sekunden länger. „Das war faszinierend“, sagt Braunmüller. Sie strahlt bei der Erinnerung an ihren ersten Erfolg. Ihre langen, dunkelblonden Haare umrahmen ihr Lächeln. Heute geht es der Katze wieder gut.

Das gefällt Braunmüller an ihrer Arbeit: Dass sie den Tieren helfen und ihre Beschwerden lindern kann. Darüber freut sie sich jedes Mal. Auch, dass sie mit vielen verschiedenen Lebewesen in Kontakt kommt, mag sie an ihrem Beruf. Denn mit Tieren zu arbeiten, war schon immer Braunmüllers Wunsch. „Für mich gab es nach der Schule nur den Weg zu den Tieren. Ich mag Tiere einfach wahnsinnig gern“, sagt die junge Frau. Schon als Kind habe sie viel Zeit mit ihnen verbracht. Ihr erstes eigenes bekam sie dann zu Beginn ihrer ersten Ausbildung zur Tierarzthelferin: eine Katze. Drei Jahre später folgte Hund Nero, der immer an ihrer Seite ist. Auch in der Tierarztpraxis. Dort liegt er brav hinter der Anmeldetheke, während sein Frauchen anderen Tieren hilft.

Hundephysiotherapeutin verrät: Das sind die Probleme der Tiere

Die Probleme, mit denen Braunmüllers Patienten zur Physiotherapie kommen, sind unterschiedlich. Manche Besitzer bringen ihre Tiere zur Nachsorge, weil die nach einem Bruch oder einem Kreuzbandriss operiert wurden. Die älteren Patienten haben meist Arthrose. Andere Besitzer kommen mit ihren Tieren, um Beschwerden vorbeugend zu vermeiden. Die Behandlungsmöglichkeiten sind so verschieden wie die Beschwerden. Welche Therapie infrage kommt, hängt unter anderem von dem medizinischen Befund, anderen Erkrankungen und dem Alter der Tiere ab. Die Palette reicht dabei von Massagen, Dorntherapie und Schallwellentherapie über Behandlungen mit Wärme und Kälte bis hin zum Geräte- und Stangentraining.

Was Tiere zum Beispiel beim Gerätetraining lernen können, zeigt Braunmüller an ihrem Nero. Er steht auf einer grünen Wippe. „Wackelige Geräte sind gut für das Gleichgewicht und den Muskelaufbau“, erklärt Braunmüller. Die Wippe wackelt, aber Nero bleibt gelassen und gleicht die Bewegungen aus. Zur Belohnung bekommt der Border-Collie-Mischling ein paar Leckerli. Die verwendet Braunmüller oft, um ihre Patienten zum Mitmachen zu animieren. „Bei Hunden funktioniert das aber besser als bei Katzen“, sagt sie und lacht. Auch bleiben Katzen während der Behandlung kürzer liegen als Hunde. Schwierig wird es, wenn Hunde nicht gut erzogen sind. „Es gibt Hunde, die können kaum das Kommando ,sitz!‘“, sagt Braunmüller. Bisher konnte sie aber jedes Tier behandeln. Und noch mehr: Die Tiere genießen die Behandlung. Sie entspannen sich dabei, manche legen sich währenddessen irgendwann hin. „Viele Tiere schlafen sogar ein. Das ist ein sehr großer Vertrauensbeweis“, sagt Braunmüller.

„Wackelige Geräte sind gut für das Gleichgewicht und den Muskelaufbau.“Magdalena Braunmüller macht auch mit ihrem Bordercollie-Mischling Nero Physiotherapie. Hier steht er auf einer Wippe, die die Muskeln trainiert. Foto: Katharina Seeburger
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