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Affing

15.05.2020

Streit in Affing um Behelfsbrücke war für die Katz’

Der Affinger Rat setzte sich wiederholt mit einer Behelfsbrücke zum neuen Baugebiet „Am Weberanger“ auseinander, das links der Friedberger Ach entstehen wird.
Bild: Josef Abt (Archiv)

Plus Die Affinger Verwaltung „überrascht“ den neuen Gemeinderat mit einer Neuigkeit zum Baugebiet in Mühlhausen. Das ruft bei manchen Räten „Weißglut“ hervor.

Die Behelfsbrücke für die Erschließung des neuen Baugebietes „Am Weberanger“ in Mühlhausen war ein Zankapfel im alten Affinger Gemeinderat. Noch in dessen letzter Sitzung kam es zu einer Kampfabstimmung. In der ersten Sitzung des neuen Gremiums musste die Verwaltung nun Nachrichten unterbreiten, die am Ende sämtliche Beschlüsse wieder über den Haufen warfen.

Dreimal hatte sich der alte Gemeinderat mit der Behelfsbrücke auseinandergesetzt. Mit knapper Mehrheit hielt das Gremium zuletzt an der Entscheidung für eine provisorische Brücke fest, um damit die Erschließung zu beschleunigen. Die einen argumentierten, das Provisorium, das auf bis zu 150000 Euro geschätzt wurde, sei viel zu teuer und dem Bürger deshalb nicht vermittelbar. Die anderen, vor allem die Mühlhausener Räte, betonten hingegen, nur mit einer möglichst schnellen Erschließung hätten Familien noch die Chance auf Baukindergeld, nur so sei ein früherer Verkauf der Baugrundstücke möglich, womit schneller Geld zurück in die Gemeindekasse fließe, und nur so seien günstigere Preise zu erzielen, denn man spare sich die Baukostensteigerung.

Affing: Unter dem Boden könnte eine römische Siedlung stecken

Bauamtsleiter Ralf Scherbauer überbrachte nun eine Botschaft: Vor der Erschließung sind archäologische Untersuchungen nötig. Es besteht durchaus die Chance, dass Bodendenkmäler gefunden werden. Denn in früheren Zeiten verlief dort eine Straße. Noch ist unklar, ob sie aus dem Mittelalter oder aus römischer Zeit stammt. Wenn’s für die Gemeinde dumm laufe, „dann ist da eine römische Siedlung“. Und das würde vorläufig Stillstand bedeuten. Dabei, so hatte Scherbauer zuvor nach Rücksprache mit dem Ingenieurbüro noch versichert, gebe es zwar eine coronabedingte Verzögerung, doch die Behelfsbrücke sei bis Mitte September fertig, die tatsächliche Brücke dann Ende des Jahres. Georg Engelhard schlussfolgerte, das könne den Zeitgewinn von dreieinhalb Monaten durch die Behelfsbrücke wieder auffressen.

 

Ein tiefes Durchschnaufen war im Saal buchstäblich greifbar, als Scherbauer auf Nachfrage Engelhards zugeben musste: Die Grabungserlaubnis liegt der Gemeinde bereits seit 2018 vor, nun sei sie auf seinem Schreibtisch gelandet. Bürgermeister Markus Winklhofer konkretisierte: „Es hat mit gewissen Übergängen im Personalbereich zu tun.“ Bekanntlich hat der Verwaltungsleiter in Affing gewechselt. Gleichwohl sei das unerfreulich, das wolle er nicht beschönigen. Im Nachgang erklärte Winklhofer, ein Hinweis auf die Bodendenkmäler und die Grabungserlaubnis seien auch im bereits rechtskräftigen Bebauungsplan enthalten.

Befürworter der Affinger Behelfsbrücke schwenken um

Engelhard betonte, er wolle die Mühlhausener Kollegen nicht zur Weißglut treiben, doch es sei die Frage, ob man ein Risiko eingehen wolle, das keiner kalkulieren könne. Gerhard Faltermeier, bislang einer der größten Befürworter der Behelfsbrücke, machte klar, dass das auch nicht in seinem Sinne wäre. Die Nachricht mache ihn sprachlos und treibe ihn tatsächlich zur Weißglut, doch man müsse Einsicht in die Realitäten haben, stellte der Mühlhausener fest. Zugleich betonte er, dass er „nie und nimmer“ glaube, dass die Brücke so schnell gebaut werden könne. Faltermeier wies zudem darauf hin, dass 60 Prozent aus dem Bauplatzverkauf „Am Weberanger“ in diesem Jahr im Haushalt eingeplant seien. Das sei womöglich ein Fall für die Kassenversicherung, so der Jurist.

 

Insgesamt trug das Gremium die Nachrichten mit Fassung. Nach längerer Debatte beschloss es, gegen die Stimme von Manfred Klostermeir, die Ausschreibung für die Behelfsbrücke zu stoppen. Die Ausschreibung für die „richtige“ Brücke, die ebenfalls diese Woche rausgehen sollte, wird bis zur nächsten Sitzung verschoben. Bis dahin hoffen die Affinger, mehr zu wissen.

Der Streit um die Behelfsbrücke war im Nachhinein noch aus einem weiteren Grund „umsonst“. Scherbauer teilte mit, dass nach Rücksprache mit dem Wasserwirtschaftsamt offenbar doch eine einfache Verrohrung der Friedberger Ach und Überschüttung mit Erdreich anstelle einer Behelfsbrücke technisch möglich wäre – eine vielfach günstigere Variante.

Fest steht inzwischen, dass die Gemeinde Affing 51.000 Euro Ablöse an das Staatliche Bauamt zahlen muss, weil die Staatsstraße für eine Linksabbiegespur ins neue Baugebiet aufgeweitet werden muss.

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