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Jahrestag

13.05.2017

Symbol der Zerstörung gibt den Menschen jetzt wieder Hoffnung

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3 Bilder
Ein kräftiges Abendrot über Anwalting (Affing) hat unser Mitarbeiter Josef Abt mit seiner Kamera kürzlich eingefangen. Im Zentrum ist die Silhouette der restaurierten Salzbergkapelle links sowie die der Marienstatue rechts zu sehen.
Bild: Josef Abt

Der Tornado hat vor zwei Jahren viel Schaden angerichtet, nun thront die Salzbergkapelle wieder auf der Anhöhe bei Affing. Was das den Menschen aus der Region bedeutet.

Der Tornado hat einfach das Dach mitgenommen. Entblößt, ganz ohne „Haube“ stand die Salzbergkapelle nach der Tornadonacht vor zwei Jahren auf ihrer Anhöhe zwischen Gebenhofen und Anwalting. Die Bäume des kleinen Kiefernwäldchens, das die Kapelle zu „Unserer Lieben Frau von den Sieben Schmerzen“ umgeben hatte, waren umgeknickt wie Streichhölzer. Es war ein Bild der Zerstörung und anfangs wohl auch der Hoffnungslosigkeit. Viele fragten sich: Ist an eine Wiederherstellung überhaupt zu denken? Heute, fast exakt zwei Jahre später, ist die bange Hoffnung Wirklichkeit geworden: Am Sonntag wird die renovierte Salzbergkapelle gesegnet.

Am 13. Mai, dem Vorabend von Christi Himmelfahrt, fegte der Tornado übers Lechfeld und das Wittelsbacher Land. Er wurde zur größten je im Landkreis Aichach-Friedberg erlebten Katastrophe. Der Schaden ist nicht exakt zu ermitteln, eine Schätzung geht von bis zu 100 Millionen Euro aus. Über Stettenhofen (Landkreis Augsburg) suchte er vor allem Anwalting, Gebenhofen und Affing heim. Viele Anwaltinger und Gebenhofener waren zutiefst betroffen, als sie am Morgen des 14. Mai die zerstörte Kapelle sahen. Sozusagen ein „Rettungsanker“ und wohl auch ein Motivationsschub war die Marienstatue daneben. Die hatte den schweren Tornado fast unbeschadet überstanden. Nur ein Teil eines Fingers war abgebrochen. Für viele glich das einem Wunder, einem Zeichen, dass die Muttergottes schützend bei den Menschen war. Denn trotz der enormen Zerstörungskraft war kein Menschenleben zu beklagen. Inzwischen ist der fehlende Finger ersetzt. Die Nahtstelle ist noch deutlich zu sehen. Im Laufe der Jahre wird sich die Farbgebung anpassen und weniger sichtbar sein. Die „Narbe“ sieht Pfarrer Max Bauer symbolisch. In einer Andacht am ersten Jahrestag des Unglücks wünschte er den Betroffenen, dass sie lernen mögen, die Wunde zu ertragen, und im Laufe der Zeit nur leichte „Narbenschmerzen“ als Erinnerung haben würden.

Nicht nur die Statue, auch die Kapelle ist wieder heil. Die Kosten von 250000 Euro hat die Versicherung getragen. Für die Außenanlagen gab es nur 10000 Euro. Ohne das Engagement vieler Ehrenamtlicher wäre es nicht möglich gewesen, den Salzberg schön zu gestalten. Das ist Kirchenpflegerin Ingrid Mägele und den Mitgliedern der Kirchenverwaltung Werner Zwick und Rosmarie Sedlmeir mit Hilfe vieler Bürger gelungen. Der Treppenaufgang zur Kapelle wurde gepflastert, ein Wassertank eingefügt und ein Elektroanschluss verlegt, die Außenanlagen erneuert. Die damalige Klasse 6c der Affinger Realschule pflanzte im Herbst 2015 viele kleine Bäumchen. Bischofsvikar Martin Riß, der in der Pfarreiengemeinschaft Affing tätig ist, ist beeindruckt von der Gemeinschaftsleistung.

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Wie er hat auch Pfarrer i. R. Jakob Zeitlmeir eine besondere Beziehung zur Salzbergkapelle. Den Anwaltingern und Gebenhofenern sei sie immer schon am Herzen gelegen. „Sie ist ein Stück Heimat“, sagt Zeitlmeir, der sich an seine Kindheit erinnert: Die Kinder und Jugendlichen hatten damals in der Salzbergkapelle Kommunion- und Firmunterricht. Weiter erzählt er: „Pfarrer Wiedemann (langjähriger Pfarrer in der Pfarrei Gebenhofen-Anwalting; Anm. d. Red.) hielt, solange es ging, vom Frühjahr bis zum Herbst monatlich eine Messe auf dem Salzberg. Dabei kamen sehr viele Menschen und die kleine Kapelle war gedrängt voll. Die Kinder standen vorne.“ Mit der Kapelle seien die Gebenhofener und Anwaltinger „innerlich verwurzelt“, sagt der Geistliche.

Pfarrer Bauer spendet sie Ruhe und Kraft

So geht es auch Pfarrer Max Bauer. Für ihn ist die Salzbergkapelle ein wichtiger Ort, um Ruhe und Kraft zu tanken. Er freut sich auf das große Fest am Sonntag. Die fast unbeschädigte Marienstatue in all dem Chaos rundherum zu sehen, habe den Menschen vor zwei Jahren Trost gespendet. Die Kapelle sei ein Ort, um zu „beten, danken und auch Klagen darzubringen vor die schmerzhafte Muttergottes“. So ist es für Pfarrer Bauer immer noch selbstverständlich, einmal pro Woche ein Licht am Salzberg zu entzünden. Tatsächlich finden viele Menschen den Weg hinauf. Sie bringen ihre Sorgen und Schmerzen mit, Bitt- oder Dankesworte.

Wer die neue Salzbergkapelle besichtigt, sieht die früheren Nachbildungen der Figuren in den Seitennischen durch reale Nachbildungen ersetzt. Seit dem Diebstahl zweier Engeln bei einem Einbruch 1964 sind die Originale, die vermutlich der Friedberger beziehungsweise Bachener Künstler Bartolomäus Öberl geschaffen hat, gut gesichert in der Anwaltinger Kirche. Nun hat modernste Technik die Nachbildung ermöglicht: Durch 3D-Druck wurden die Figuren hergestellt und von Reinhard Binapfl gefasst. Dies war möglich durch eine Spenden-Aktion von Landrat Klaus Metzger, Firma voxeljet (3D-Druck), Firma Erwin Christofori (Vermessung, Laserscanning) und Firma Reinhard Binapfl (Kirchenmaler).

Bleibt noch die Frage, woher die Bezeichnung „Salzbergkapelle“ stammt. Kreisheimatpfleger Hubert Raab glaubt nicht daran, dass eine alte Salzstraße die Erklärung ist. Eher passe wohl eine Herleitung von „Salz“ in der Bedeutung von „Abhang, Böschung, Gefälle, Halde“. Letztendlich ist sich hier die Wissenschaft aber nicht schlüssig.

Diese Frage dürfte für die Menschen nicht entscheidend sein. Die Wiederherstellung der Salzbergkapelle hat eine tiefere Bedeutung. Sie gilt vielen nun als guter Abschluss der verheerenden Folgen dieses schrecklichen Unwetters.

Segnung Am Sonntag, 14. Mai, findet um 9.30 Uhr ein Festgottesdienst im Festzelt auf dem Salzberg statt. Danach gibt es Mittagessen im Stadel von Konrad Golling. Um 14.30 Uhr wird auf dem Salzberg eine Maiandacht gefeiert. Der Tag klingt bei Kaffee und Kuchen aus.

Die Geschichte der Salzbergkapelle

Der Ursprung 1694 berichtete der damalige Pfarrer von Gebenhofen, Johann Wilhelm Schlickh, dass ein Reisender zwischen Gebenhofen und Anwalting ein großes Unglück gehabt und gelobt habe, ein Bildnis der schmerzhaften Muttergottes aufzustellen, falls diese ihm helfen würde. Vermutlich hatte der Reisende einen Reitunfall und konnte sich nicht selbst weiterhelfen.

Die Folge Dieses Ereignis wurde als sehr bedeutsam angesehen und man errichtete an jenem Ort – dem Salzberg – eine Kapelle. Wahrscheinlich wurde der Bau erst 1702 beendet. Das Grundstück hatte der Anwaltinger Probstbauer Hans Wanner zur Verfügung gestellt.

Die Finanzierung Dr. Hubert Raab sagt zum Bau folgendes: „Das Geld zum Bau nahm man vom Opfergeld, offensichtlich der Gebenhofener Kirche, die als Mutterkirche bezeichnet wurde, wahrscheinlich aber auch von Anwaltinger Bauern. (…) Wahrscheinlich hat auch die Hofmarkschaft von Affing nicht nur die Erlaubnis zum Bau erteilt, sondern auch einen Beitrag geleistet.“

Die Ausstattung Es wurden vermutlich Künstler berücksichtigt, die jeweils in den Kirchen in Anwalting und in Gebenhofen tätig waren: der Friedberger Maler Sigismund Reis, der in der Anwaltinger Kirche das Fresko im Chorraum gemalt und der Stuckkateur Franz Xaver Feichtmayr, der in der Pfarrkirche in Gebenhofen die Stuckdekoration ausgeführt hat.

Die Entwicklung Es ist nicht klar, ob die erwähnte Kapelle die heutige Salzberg-Kapelle ist oder ob es sich um einen Nachfolgebau handelt. 1874 berichtete Pfarrer Baumgartner an das Ordinariat, dass die Kapelle wegen großen Volkszulaufs vergrößert werden musste. (chsm)

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