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Gachenbach-Weilach

28.11.2020

Von Lilly bis Sieglinde: Familie Karl baut sieben Sorten Kartoffeln an

Gabriele Karl verkauft ihre besonderen Kartoffelsorten direkt aus dem 1956 errichteten kleinen Kartoffelkeller.
Foto: Andrea Hammerl

Plus Die Farbe der Kartoffeln spielt bei Familie Karl aus Weilach im Kreis Neuburg-Schrobenhausen eine große Rolle. Die Farbe ist dekorativ und gesund zugleich.

Gabriele Karl schmunzelt und erzählt: „Die Leute denken immer, blaue oder rote Kartoffeln seien etwas Modernes.“ Die Nebenerwerbsbäuerin aus dem Gachenbacher Ortsteil Weilach (Kreis Neuburg-Schrobenhausen) gibt jederzeit bereitwillig Auskunft über ihre besonderen Kartoffelsorten. Weshalb sie gern gesehener Gast im Freilichtmuseum am Haus im Moos (Gemeinde Karlshuld) ist, wo sie am Gemüseerntetag ihren Kartoffelstand aufbaut. Sieben verschiedene Kartoffelsorten baut Familie Karl an.

Ungekrönte Stars sind die Rosa Tannenzapfen, die bereits um 1850 in mehreren Ländern Europas angebaut wurden. Geschätzt werden sie heute noch als Delikatesse - wegen ihres intensiven, würzig-erdigen Geschmacks. Ihren Namen verdanken sie der länglichen Knollenform mit leichten Verwachsungen und der leichten Rosafärbung der Schale. Das Fleisch ist dagegen hellgelb.

Rosa Tannenzapfen sind eine an die 200 Jahre alte Kartoffelsorte, sie waren 2013 Kartoffel des Jahres.
Foto: Andrea Hammerl

„Wir haben sie vor 20 Jahren im Fernsehen gesehen“, erzählt die 57-Jährige, wie sie zu der historischen Kartoffelsorte kam, „das war in einem Beitrag über den Kartoffelsepp“. Die Karls fuhren zu ihm und kauften einige Kilo Saatkartoffeln. Seitdem haben sie die Rosa Tannenzapfen im Sortiment und bauen sie so lange wie möglich nach. Lizenzgebühren fallen hier natürlich nicht an, nicht nur, weil die Sorte uralt ist, sondern auch, weil Kleinbetriebe unter fünf Hektar grundsätzlich davon befreit sind.

Kartoffeln heißen Tannenzapfen, Heidrot und Blaue St. Galler

Neben den Tannenzapfen stechen Heiderot und Blaue St. Galler ins Auge. Beide sind moderne Sorten. Letztere ersetzt seit vergangenem Jahr die historische Sorte „Hermanns Blaue“, die Hans und Gabriele Karl früher anbauten, jedoch wegen ihrer Schorfanfälligkeit aus dem Sortiment genommen haben. Außerdem halten die Blauen St. Galler die Farbe besser als frühere Sorten.

Blaue St. Galler, Heiderot und Lilly: Aus den drei Sorten lassen sich dreifarbige Kartoffelgerichte zaubern. Diese sind in Fett angebraten und dann geschmort.
Foto: Andrea Hammerl

Vorsicht ist allerdings bei der Zubereitung geboten, bei allen rot- und blaufleischigen Sorten. Denn die Anthocyane, die den Kartoffeln die auffällige Farbe verleihen, sind wasserlöslich, daher sollten diese Kartoffelsorten nicht als Salzkartoffeln ohne Schale in Wasser gekocht, sondern schonend in der Schale gedämpft, im Backofen zum Beispiel als Rosmarinkartoffeln gebacken oder in der Pfanne in Fett gebraten werden. Dazu schneidet Gabriele Karl rote, blaue und gelbe Kartoffeln in Würfel oder Scheiben, brät sie in Fett an und lässt sie bei geschlossenem Deckel garen. Zum Schluss wird der Pfannendeckel abgenommen, sodass die Kartoffeln noch etwas anrösten.

Kartoffeln sollen beim Kochen ihre Farbe behalten

In mit Essig angemachtem Kartoffelsalat verlieren alle farbigen Kartoffeln die Farbstoffe, auch die Milch im Kartoffelbrei zieht sie heraus. Die Farbe bei der Zubereitung zu erhalten, ist nicht nur dekorativ, sondern dient auch der Gesundheit, denn die Farbpigmente sind Antioxidantien wie Vitamin C oder E, sie fangen also schädliche Radikale und beugen so der Zellalterung vor. Zudem sollen sie entzündungshemmend und gefäßschützend wirken und Sehvorgänge positiv beeinflussen.

Die jüngste Sorte im Sortiment ist Lilly, eine moderne, 2011 zugelassene, mehlig kochende, mittelfrühe Sorte. Die übrigen vier der insgesamt sieben Kartoffelsorten, die die Karls heuer angebaut haben, trugen bereits die Auszeichnung „Kartoffel des Jahres“. Die wurde 2006 für ältere oder aus bäuerlicher Zucht stammende, also ohne Gebühren nachbaubare Sorten eingeführt.

Vergangenes Jahr war Gabriele Karl auf dem Museumsfest am Haus im Moos mit ihrem Kartoffelstand zu finden und freute sich über reges Interesse der Besucher.
Foto: Andrea Hammerl

Rosa Tannenzapfen waren 2013 prämiert worden, Linda 2007. Hintergrund war, dass Linda 2004 aufgrund ausgelaufener Lizenz vom Markt genommen worden war und nicht mehr angebaut werden durfte, was vor allem ökologisch arbeitende Betriebe traf. Nach zähem Kampf wurde sie 2010 schließlich wieder in Deutschland zugelassen. Sieglinde, die älteste noch erhältliche, vom Bundessortenamt für gewerblichen Anbau zugelassene Kartoffelsorte aus dem Jahr 1935, durfte sich 2010 mit dem Prädikat schmücken, Quarta im vergangenen Jahr. Sie ist eine leicht an ihren roten Augen erkennbare, vielseitig einsetzbare Kartoffelsorte, die in den vergangenen Jahren allerdings etwas aus der Mode gekommen ist.

Stammkunden wissen die Kartoffelsorten zu schätzen

Gabriele Karls Stammkunden jedoch wissen ihre Kartoffelsorten zu schätzen. „Vergangenes Jahr haben wir so viele Kartoffeln wie nie verkauft“, erzählt sie, „wir hatten kaum noch Saatgut übrig“. Verkauft wird nicht zentner-, sondern kilogrammweise direkt ab Kartoffelkeller. Die Kunden kommen auf den Hof, wo sie auch frische Eier und saisonal Kürbisse kaufen können.

Kürbisse bieten Gabriele und Hans Karl ebenfalls ab Hof an.
Foto: Andrea Hammerl

Auf Wochenmärkten ist die Weilacherin nicht zu finden. „Der Wochenmarkt lohnt sich für uns nicht“, weiß Gabriele Karl aus Erfahrung, denn dort werde das Besondere alltäglich. Sehr wohl aber ist sie auf besonderen Märkten wie dem Bauernmarkt am Bauerngerätemuseum in Hundszell (Stadt Ingolstadt) oder beim Museumsfest in Kleinhoheried (Gemeinde Karlshuld) am Haus im Moos unterwegs.

Der Laden im Überblick

Adresse Kartoffelhof Karl, Dorfstraße 12, 86565 Gachenbach-Weilach

Kontakt Telefon 08259/1439

Öffnungszeiten Nach telefonischer Vereinbarung und immer, wenn Familie Karl zu Hause ist.

Beliebtes Angebot Kartoffeln und saisonal Kürbisse. Letztere gibt es aber erst nächstes Jahr wieder.


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