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Pöttmes

05.09.2019

Warum die Ratsstuben am Pöttmeser Marktplatz schließt

Die Ratsstuben direkt am Pöttmeser Marktplatz schließen am Montag, 4. November. Die Pächter, Petra und Albert Utz, haben das beliebte Lokal sechs Jahre lang geleitet.
Bild: Vicky Jeanty

Petra und Albert Utz führen das Lokal seit sechs Jahren. Anfang November steigt das Ehepaar aus dem Pachtvertrag aus.

Seit sechs Jahren führen Petra und Albert Utz die Ratsstuben am Pöttmeser Marktplatz. Im Oktober 2013 übernahmen sie die damalige „Marktgalerie“ und benannten sie um. Eigentümer des großräumigen historischen Gebäudekomplexes, in dem früher die Brauerei der Familie von Gumppenberg war, ist der Markt Pöttmes.

Pächter ist Umberto Freiherr von Beck-Peccoz von der Brauerei Kühbach. Mit dem Ehepaar Utz schloss er 2013 einen Zehnjahres-Pachtvertrag ab. Nun steigen Petra und Albert Utz vorzeitig aus dem Vertrag aus. Sie hätten sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, betonen die beiden. Letztendlich waren es private Gründe, die den Ausschlag dafür gaben, dass sich das erfahrene Gastronomen-Ehepaar aus Pöttmes verabschiedet.

Pöttmes: Albert Utz stand in den Ratsstuben am Herd

Bevor sie nach Pöttmes kamen, hatten die beiden mehrere Lokale in Schrobenhausen sowie den Landgasthof Winkelacker in Oberbrunnenreuth bei Ingolstadt betrieben. Als Küchenchef und Koch stand Albert Utz auch in den Ratsstuben am Herd, unterstützt durch zwei Küchenhilfen. Seine Frau Petra war im Service tätig, neben einer Festangestellten und mehreren Aushilfskräften. „Unser Personal ist auch nach der Schließung versorgt“, betont Petra Utz.

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Nach einer kleinen Durststrecke unmittelbar nach der Übernahme vor sechs Jahren seien sie mit dem Umsatz sehr zufrieden gewesen, versichern die beiden. Gerade in den vergangenen beiden Jahren seien die Geschäfte gut gelaufen. „Wir haben uns hier sehr wohl gefühlt“, sagen Petra und Albert Utz. Vermissen werden sie nicht nur die vielen Gäste und Stammgäste. Sondern auch das einmalige Ambiente der Lokalität, in der Hochzeiten, Geburtstage oder kulturelle Veranstaltungen einen besonderen Rahmen fanden.

Ausnehmend positiv und vertrauensvoll sei die Zusammenarbeit mit der Gemeinde und der Brauerei Kühbach gewesen. Die befürchtete „Konkurrenz“ mit den örtlichen etablierten Gastronomie-Betrieben sei nie spürbar gewesen. „Im Gegenteil. Wir hatten mit allen ein gutes Verhältnis und wir halfen uns notfalls gegenseitig aus“, sagt Petra Utz.

Doch gesundheitliche Aspekte und die Sorge um eine gesicherte Altersversorgung gaben den Ausschlag. Beide sind über 50 Jahre alt, haben über 30 Jahre in der Gastronomie gearbeitet und sehen sich einer zunehmenden nervlichen Belastung ausgesetzt. „Es wäre ein Katastrophe, wenn einer von uns wegen Krankheit ausfallen würde“, betonen sie. Einen Kreuzbandriss habe ihr Mann in einem knapp zweiwöchigen „Urlaub“ versucht auszukurieren – immer nach dem Motto: „Es geht schon.“

Hinzu komme die Schwierigkeit, qualifiziertes Personal zu rekrutieren und langfristig an das Haus zu binden. „Darunter leidet die Qualität“, sagt Albert Utz. Er stellt hohe Ansprüche, was seine Speisekarte betrifft. „Ohne ausreichendes Personal ist das alles fast nicht durchführbar“, ergänzt er.

Ratsstuben: Dem Ehepaar bleibt nicht viel Zeit zum Nachdenken

Viel Zeit zum Nachdenken bleibt dem Ehepaar nicht. Am 26. Oktober organisieren sie in den Ratsstuben eine Art „Oktoberfest“ samt Unterhaltungsprogramm. Im November wollen sie einen hausinternen Flohmarkt mit all den Dingen ausrichten, die sie nicht mehr benötigen. Am 1. Dezember tritt Albert Utz seine neue Stelle als Küchenchef in einem größeren Betrieb in Rain am Lech an. Petra Utz wird sich als Restaurantfachfrau bewerben.

Damit geht ihre 25-jährige Ära als selbstständige Wirtsleute dem Ende entgegen und ein neuer Lebensabschnitt steht an. „Wir gehen mit einem weinenden Auge“, sagt Petra Utz. „Nein, mit zwei weinenden Augen“, ergänzt ihr Ehemann. Er sitzt im blütenweißen Küchenjackett samt rotem Halstuch an einem Tisch vor den Ratsstuben. Petra Utz glänzt im schicken Dirndl. Sie hat gerade die Tische am Marktplatz hergerichtet. Kurz genießen sie die Sonne, bevor es wieder an die Arbeit geht und die ersten Gäste des Tages bedient werden wollen.

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