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Gesundheit

09.10.2014

Was trinken wir alles mit unserem Wasser?

Was ist drin im Wasser? Nicht alle Stoffe werden regelmäßig kontrolliert.
Bild: Archivfoto: Bernhard Weizenegger

Hormone und Medikamentenrückstände werden im Wittelsbacher Land nicht aus dem Trinkwasser gefiltert. Warum Experten das ohnehin für nicht erforderlich halten.

Wasser ist Leben. Was aber lebt in unserem Trinkwasser? Bei Warnungen vor Bakterien und Viren wird empfohlen, das Wasser abzukochen, um so die Keime aus dem Trinkglas verbannen. Doch was ist mit anderen Inhaltsstoffen? Medikamentenrückstände, Hormone oder Pflanzenschutzmittel sind so leicht nicht aus dem Trinkwasser zu kochen.

Im Landkreis Aichach-Friedberg gibt es auch keine Kläranlage, die Medikamentenrückstände aus dem Wasser filtern könnte. Es geht unter anderem um Reste von Schmerzmitteln wie beispielsweise Diclofenac oder um Hormone, die beispielsweise in der Pille enthalten sind.

Wie gefährlich sind Kosmetika?

Stephan Kreppold vom Bund Naturschutz Aichach-Friedberg warnt zudem vor Hormonen, die durch die Viehzucht ins Trinkwasser gelangen. Wie er erklärt, dienen sie in der Landwirtschaft zur Rationalisierung, etwa damit Sauen bei der Zucht in Rauschezeiten zur selben Zeit bereit zur Empfängnis sind. Hormonrückstände im Trinkwasser seien immer mit Risiken verbunden, erklärt Kreppold. „Wir sollten viel kritischer und sorgsamer mit der Frage nach Rückständen im Wasser umgehen.“ Jeder Einzelne könne persönlich einen Teil dazu beitragen. Zum Beispiel, indem er die chemische Keule aus dem Garten verbannt. Kreppold äußert sich besorgt über den Einsatz des Wirkstoffs Glyphosat, der zur Unkrautvernichtung verwendet wird und dessen negative Auswirkungen auf Bakterien und auf die Gesundheit von Embryonen nachgewiesen sei. Auch die Chemie aus dem Kosmetikschrank solle mit Bedacht verwendet werden.

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Trinkwasser: Nach Medikamentenrückständen oder Hormonen wird nicht gesucht

Marcus Bitzl ist Geschäftsleiter der Adelburggruppe, die momentan 30 000 Menschen in der Region mit Trinkwasser versorgt. Bitzl berichtet, dass das Wasser vor Ort laufend auf Rückstände wie Ammonium oder Nitrit untersucht werde. Bestimmte Werte dürfen nicht überschritten werden. Nach Medikamentenrückständen oder Hormonen werde aber nicht speziell gesucht, dies sei im Moment noch nicht Teil der Trinkwasserschutzverordnung des Landkreises. Das Thema betreffe außerdem eher Oberflächengewässer und weniger das Grundwasser, aus dem das Trinkwasser stammt.

Steve Gallasch leitet die Abteilung für den Bereich Aichach-Friedberg beim Wasserwirtschaftsamt in Donauwörth. Er bestätigt, dass es keine Anlagen im Landkreis gibt, die solche Medikamentenrückstände oder Hormone filtern. Bayernweit werde die Konzentration von Medikamenten im Trinkwasser jedoch immer wieder gemessen und oft würde sie bei diesen Proben „am Rande der Nachweisfähigkeit“ enthalten sein. Es bestehe also derzeit kein Anlass, die Kläranlagen in der Region mit speziellen Filtern auszurüsten, sagt Steve Gallasch. Insgesamt hält er die Diagnosen und Untersuchungen für verlässlich. Im bayernweiten Vergleich sei der Landkreis mit seiner Wasserversorgung gut aufgestellt.

Diese Filter befinden laut Holger Grünaug von den Friedberger Stadtwerken im Moment ohnehin noch im Versuchsstadium. Der Leiter des Gesundheitsamtes Aichach-Friedberg, Dr. Michael Hennig, ist ebenfalls der Meinung, dass diese Maßnahme im Landkreis nicht erforderlich ist. Hier stünden vor allem Pflanzenschutzmittel im Fokus der Trinkwasserkontrollen.

Wasser aus dem Hahn ist besser als das aus der Flasche

Die Menschen in der Region beziehen ihr Trinkwasser aus dem Grundwasser – Regen, der durch die Ackerbauflächen in den Boden sickert. Auch da seien strenge Vorgaben einzuhalten. Michael Hennig glaubt, dass das Trinkwasser in der Region eine gute Qualität habe. „Aus Sicht der Mikrobiologie ist es oft sogar in einem besseren Zustand als Flaschenwasser“, erklärt er. Abgefülltes Trinkwasser steht länger still, wodurch sich winzige Keime besser vermehren könnten, als in einer Wasserleitung, die ständig benutzt wird.

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