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Affing-Anwalting

18.11.2018

Weltkriege fordern Opfer in einer Anwaltinger Familie

Martin Schmidberger steht mit zwei seiner Kinder im Frühjahr 1927 vor dem Achschuster-Anwesen in Anwalting, in das er nach dem Ersten Weltkrieg eingeheiratet hatte. Die junge Bäuerin hatte ihren ersten Mann im Krieg verloren und musste vier Kinder und den Hof versorgen. In der zweiten Ehe mit Martin Schmidberger wurden nochmals drei Kinder geboren.
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Martin Schmidberger steht mit zwei seiner Kinder im Frühjahr 1927 vor dem Achschuster-Anwesen in Anwalting, in das er nach dem Ersten Weltkrieg eingeheiratet hatte. Die junge Bäuerin hatte ihren ersten Mann im Krieg verloren und musste vier Kinder und den Hof versorgen. In der zweiten Ehe mit Martin Schmidberger wurden nochmals drei Kinder geboren.
Bild: Georg Engelhard Archiv

Der Vater bleibt im Ersten Weltkrieg, zwei seiner Söhne fallen im Zweiten Weltkrieg. 73 Jahre nach Kriegsende hat der Gedenktag nichts an Aktualität verloren

Vor 100 Jahren – am 11. November 1918 – endete der Erste Weltkrieg. Von 1914 bis 1918 verloren etwa 17 Millionen Menschen ihr Leben. Jeder siebte Mann aus Bayern, der Kriegsdienst leistete, fiel oder galt als vermisst, insgesamt 200000 Mann. Mit dem Zweiten Weltkrieg folgte eine noch größere Katastrophe. Er forderte von 1939 bis 1945 etwa 60 Millionen Tote. Dabei kam es vielfach vor, dass der Vater in den Ersten und die Söhne in den Zweiten Weltkrieg ziehen mussten. So auch in der Familie Kügle im Affinger Ortsteil Anwalting.

Der Vater, Josef Kügle, wurde am 13. Juni 1884 auf dem Achschuster-Anwesen in Anwalting geboren. Er übernahm es von seinen Eltern und heiratete Maria Sailer aus Taiting ( Dasing). Das Paar hatte vier Kinder. Am 1. August 1914 trat Deutschland in den Ersten Weltkrieg ein. Josef Kügle blieb anfangs von der Einberufung verschont. Doch am 6. Februar 1915 wurde er eingezogen. In seiner Militärakte ist vermerkt, dass er am 28. Juli 1916 ins Feld rückte. Nur wenige Wochen zuvor, am 3. Juni 1916, hatte seine Frau entbunden: einen Buben, das vierte Kind der beiden.

Der Vater aber musste an die Front und war ab dem 5. August 1916 bei Stellungskämpfen in den Vogesen eingesetzt. Es folgten vom 10. Oktober bis 8. Dezember 1916 Gebirgskämpfe und Gefechte in Rumänien. Am 4. Januar 1917 wurde ihm das Eiserne Kreuz II. Klasse verliehen.

Dem letzten Eintrag in seiner Militärakte ist zu entnehmen, dass Josef Kügle am 9. Februar 1917 im Feldlazarett Nummer 27 im rumänischen Focsani an einer Lungenentzündung starb. Zurück blieb seine junge Frau mit vier kleinen Kindern, das jüngste gerade acht Monate alt. Nach dem Krieg heiratete die junge Witwe Martin Schmidberger aus Au (Rehling), mit dem sie weitere drei Kinder hatte.

Der älteste Sohn, der nach dem Vater ebenfalls Josef hieß, war Wagnermeister. Zusammen mit seiner Frau hatte er sich 1935 ein kleines Anwesen mit Wagnerei in Freienried (Gemeinde Eurasburg) gekauft und eine Existenz aufgebaut. Das Paar hatte drei Kinder. Doch dann begann der Zweite Weltkrieg. Josef Kügle wurde von der Wehrmacht eingezogen. Seine Einheit gehörte zur sechsten Armee, die im Spätsommer 1942 Stalingrad einnahm. Bei einer Gegenoffensive im November 1942 wurden die Truppen der Wehrmacht und ihrer Verbündeten von der Roten Armee eingekesselt. Etwa 150000 deutsche und über 400000 sowjetische Soldaten fielen im Kessel den Kämpfen, der Kälte oder dem Hunger zum Opfer. Darunter auch Josef Kügle. Seit dem 1. Januar 1943 wurde er in Stalingrad vermisst. Seine junge Frau musste drei kleine Kinder alleine großziehen. Innerhalb von nur 26 Jahren wiederholte sich also in der Familie die Tragik, dass der Vater im Krieg blieb, während die junge Witwe zusehen musste, wie sie Hof und Kinder durchbrachte. Damit nicht genug: Johann Kügle war das jüngste Kind aus der ersten Ehe seiner Mutter und lernte seinen leiblichen Vater nie kennen. Als der Vater im Lazarett in Rumänien starb, war er erst acht Monate alt. Nun traf es auch ihn. Johann Kügle fiel am 2. Oktober 1943 mit nur 27 Jahren bei Witebsk in Russland.

Heute gibt es nur noch wenige Angehörige, die einen direkten Bezug zu den Kriegstoten haben. Inzwischen hat der Volkstrauertag, der an diesem Sonntag begangen wird, wieder erschreckende Aktualität erlangt.

Im Landkreis Aichach-Friedberg leben viele Menschen, die Ähnliches hautnah erleben mussten und die vor Zerstörung und Tod aus ihrer Heimat geflohen sind. Oder die bei Einsätzen der Bundeswehr in Kriegsgebieten Dienst leisten. Vor sechs Jahren beispielsweise verloren Eltern in Adelzhausen ihren 21-jährigen Sohn bei einem Bundeswehreinsatz in Afghanistan. 67 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war wieder ein Gefallener zu betrauern.

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