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Prozess in Aichach

18.04.2013

Wenn Hells Angels am Abend an der Türe klingeln

Logo der Hells Angels.
Bild: Ronald Wittek/Archiv dpa

In einer turbulenten Sitzung wurden Mitglieder des Motorradklubs Hells Angels in Aichach wegen Erpressung verurteilt.

Turbulent ging es im Aichacher Amtsgericht zu. Richter Axel Hellriegel wies einen Anwalt lautstark zurecht, für Aichacher Verhältnisse ganz ungewöhnlich saß ein Wachtmeister mit im Saal, und schon früh war klar, dass der Prozess am Landgericht weitergehen wird. Angeklagt waren zwei Mitglieder des Motorrad- und Rockerklubs, weil sie eine Frau aus einer kleinen Gemeinde im Landkreis-Norden erpresst haben sollen. Einer der Männer muss nun in Haft, ein zweiter wurde zu einer Geldstrafe von 4500 Euro verurteilt. Ein drittes Mitglied ist bereits wegen derselben Tat zu einer Geldstrafe verurteilt worden und sagte als Zeuge aus.

Wie der Staatsanwalt schilderte, sind die drei an einem Abend im Oktober 2010 zu der Frau gefahren, weil sie im Internet Aufnäher versteigert habe, die von den Hells Angels getragen werden. Die Männer haben sie demnach aufgefordert, die „Patches“ genannte Ware herauszugeben. Aus Angst vor Repressalien sei sie der Aufforderung nachgekommen und weil bekannt sei, „dass sie eigene Gesetze haben“.

Angeklagte aus dem Raum Augsburg

Die beiden 37 und 36 Jahre alten Angeklagten aus dem Raum Augsburg äußerten sich weder zur Tat noch zu ihren persönlichen Verhältnissen. Der bereits Verurteilte jedoch erzählte, er sei der Wortführer gewesen und habe der Frau am Gartenzaun gesagt: „Das geht so nicht.“ Er habe sie gefragt, ob sie die Aufnäher herausgeben würde, da diese nur von den Hells Angels getragen werden dürften. Daraufhin hat sie mit ihrem Mann telefoniert und die „Patches“ mit der Aufschrift „Berlin Nomads“ ausgehändigt, ohne dass sie dafür Geld verlangte. Im Internet seien sie für 13 Euro angeboten worden.

Wenn Hells Angels am Abend an der Türe klingeln

Richter schrie Anwalt an

Wie er, so konnte sich auch die Frau nach eigenen Worten an viele Einzelheiten nicht mehr erinnern. Sie betonte aber, dass es ein normales Gespräch gewesen sei und sie keine Angst, wenn auch Respekt vor den Männern gehabt habe. Sie selbst habe die Aufnäher nicht angeboten, sondern ihr Mann. „Ich hatte keine Lust auf eine Patentklage und wollte keinen Ärger“, erklärte die Frau, die sehr aufgewühlt war. Daher bat sie der Richter, sich vor dem Saal zu beruhigen. Dem Verteidiger des 37-Jährigen gefiel aber nicht, dass Hellriegel sie etwas lauter aufforderte, nachdem sie nicht direkt hinaus ging. Daraufhin schrie der Richter den Anwalt an und schlug auf den Tisch. Der Verteidiger konterte „Ich akzeptiere nicht, dass Sie schreien“ und Hellriegel blaffte zurück, er habe nicht das Wort.

Der Staatsanwalt forderte vier Monate Haft für den 37-Jährigen. Der Verteidiger plädierte auf Freispruch. Wenn keiner gedroht und die Frau keine Angst habe, sei der Vorwurf der Erpressung weit hergeholt. Richter Hellriegel jedoch sah eine Haftstrafe von drei Monaten als angemessen an, weil der Angeklagte unter Bewährung wegen einer anderen Tat steht und allein durch das Auftreten der Männer gewisse Reaktionen ausgelöst würden. „Es gibt keine Anhaltspunkte für Schwachsinnigkeit, sie wissen, welchen Eindruck sie machen“, sagte er.

Staatsanwalt: Frau hat noch immer Angst

Angst auszulösen hätten sie billigend in Kauf genommen, indem sie ihre Motorradkluft anlegten, obwohl sie mit dem Auto unterwegs waren, und zu dritt auftauchten. Für ihn bestehe kein Zweifel, dass die Frau noch immer Angst habe – „auch wenn es nicht das Schlaueste war, das zu verkaufen“.

Hätte sich der 37-Jährige von der Tat distanziert, sei eine Geldstrafe möglich gewesen, erläuterte der Richter. Für die nächste Instanz könne sich die Verteidigung eine neue Strategie überlegen. „Nichts zu sagen bringt nur Nachteile“, gab Hellriegel mit auf den Weg.

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