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Reise

30.10.2017

Wenn die Wohnung zum Hotel wird

Das Logo der Online-Plattform und des Community-Marktplatzes für Privatunterkünfte, Airbnb. Auch im Landkreis erfreut sich das Unternehmen großer Beliebtheit. In und um Aichach gibt es derzeit 306 Privatunterkünfte.
Bild: Foto: Jens Kalaene/dpa

Die Internetplattform Airbnb wird immer beliebter. Privatpersonen können ihr Zuhause vermieten, die Gäste müssen sich selbst versorgen. Auch im Landkreis ist die Nachfrage groß

Von Fabian Kluge und Samuel Jacker

Aichach-Friedberg In der Hauptsaison sind viele Hotels sehr teuer. Wer nicht auf die Nebensaison ausweichen will und dennoch zu günstigen Preisen reisen möchte, wird im Internet fündig – Airbnb macht es möglich. Die englische Abkürzung steht übersetzt für „Luftmatratze und Frühstück“. Tatsächlich funktioniert das im Jahr 2008 gegründete Unternehmen wie ein Marktplatz: Gastgeber inserieren ihre Wohnung oder einzelne Räume. Mieter suchen nach der passenden Stadt, Größe und Preis der Unterkunft. Interessiert man sich für ein Angebot, kann man über die Plattform mit dem Gastgeber in Kontakt treten. In der Nachricht muss man das An- und Abreisedatum angeben. Außerdem soll der Gast erzählen, was ihn in die jeweilige Region führt, was er dort vorhat und was er an dem Inserat gut findet.

Nach dem Aufenthalt können sich Gast und Gastgeber gegenseitig in den Kategorien Sauberkeit oder Preis/Leistung bewerten. Auch im Landkreis Aichach-Friedberg gibt es mittlerweile viele solcher Gastgeber. Tippt man auf der Homepage von Airbnb Aichach als Zielort ein, erhält man aktuell 306 Unterkünfte. In dieser Zahl enthalten sind allerdings nicht nur Angebote in Stadt und Umland, sondern auch einige Unterkünften in Gemeinden aus den Nachbarkreisen.

Auch Carmen Koller aus Echsheim (Markt Pöttmes) bietet eine Unterkunft an. Im Haus ihrer Schwiegereltern stand für längere Zeit eine Wohnung leer. Nach einem Jahr entschied sich Koller, die Wohnung auf Airbnb zu inserieren: „Wir haben ein paar Bilder hochgeladen. Fünf Tage später hatten wir die erste Buchung.“ Zuvor hatte sie mit der Plattform nur über ihre Schwester Kontakt. Diese übernachtete bei Gastgebern in Schweden. Seit Mai kommen die Gäste in das „Apartment zum Wohlfühlen auf dem Land“, wie es auf Airbnb betitelt ist. Mittlerweile hat Carmen Koller kaum freie Tage. Ihre Wohnung ist meist ausgebucht. „Es waren schon New Yorker, die auf der Durchreise nach Wien waren, in Pöttmes“, sagt Koller. Auch eine Familie aus dem Silicon Valley in Kalifornien hielt sich mit ihren beiden Kindern für einige Tage in Echsheim auf. „Beruflich nutzen ebenfalls viele Airbnb. Monteure, die in Donauwörth arbeiten, wohnten bei mir“, erzählt sie. Koller hält das Angebot von Airbnb für einige besonders geeignet: „Alle, die einen Job auf Probe haben, brauchen so keine eigene Wohnung.“ Carmen Koller, die selbst gerne reist, freut sich über den Kontakt mit anderen Kulturen und die Möglichkeit, neue Menschen kennenzulernen. „Wir haben schon mit Leuten Wein auf der Terrasse getrunken. Sie erzählen Geschichten aus einer anderen Perspektive“, sagt sie. Sie selbst hat aber noch nie das Angebot von Airbnb genutzt, kann es sich aber gut vorstellen.

Nicht nur die Nachfrage, sondern auch das Angebot an Unterkünften nimmt ständig zu. „In der Region sind es drei bis vier Inserate mehr als noch im Mai“, stellt Carmen Koller fest. Sie warnt aber: „Es ist nicht so leicht, wie es sich manche vorstellen. Mit jedem Gast haben wir etwas dazugelernt.“ Organisatorisch muss man auch nicht alles selber stemmen. „Bei Airbnb kann man auch Co-Gastgeber sein, indem man für die Kommunikation oder die Reinigung zuständig ist“, erklärt Koller. Dabei erhält man einen Prozentsatz der Übernachtungspauschale.

Carmen Koller bietet eine ganze Wohnung an. Dagegen wohnen die Gäste von Renate Schuster in einem Privatzimmer im Dachgeschoss ihres alten Bauernhauses in Kühbach. Die Familie hat einen großen Garten und einige Tiere. Weil Schuster selbst gute Erfahrungen mit Airbnb gemacht hat, entschied sie sich, das Zimmer online anzubieten. „Mir und meinen Kindern gefällt besonders der Kontakt mit neuen Leuten und Nationalitäten. Für meine Kinder, die drei Sprachen lernen, ist es gut, diese zu erproben.“, sagt sie. Das Zimmer ist seit August unter dem Titel „Wohnen unterm Dach im kleinen Dorf“ zu finden.

Bisher kamen die Gäste aus aller Welt, unter anderem aus USA, Chile, Tschechien und Kanada. Eine Kanadierin habe sich zum Beispiel ganz bewusst für Kühbach entschieden. „Sie macht ein Jahr lang Work&Travel und will aufs Land“, erklärt Schuster. „Viele Leute sagen sie kommen wieder. Alle finden es gemütlich“, freut sie sich. Ein Mann, der beruflich oft in Aichach ist, wohne regelmäßig in dem Bauernhaus in Kühbach. Insgesamt sagt sie aber: „Ich weiß nicht, ob wir es dauerhaft machen.“

Renate Schuster selbst hat bereits eine Unterkunft in London über Airbnb gebucht. „Sie war toll und bezahlbar.“ Sie erinnert sich gerne an die Gastfreundschaft des Mannes: „Er machte uns Porridge (warmer englischer Getreidebrei) zum Frühstück.“ In London und anderen bei Touristen beliebten Großstädten müsse man aber zeitnah planen. „Eine Unterkunft für 13 Personen in Wien haben wir bereits ein halbes Jahr im Voraus gebucht.“

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