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Schrobenhausen/Pöttmes

06.03.2019

Widerstand gegen Windräder im Hagenauer Forst

Gegen vier geplante Windräder im Hagenauer Forst regt sich Widerstand. (Symbolbild)
Bild: Manuel Wenzel

Die Bürgerenergiegenossenschaft plant vier Anlagen im Hagenauer Forst an der Grenze zum Wittelsbacher Land. Gegner aus Schrobenhausen lehnen das Projekt ab.

Gegen das geplante Windkraftprojekt der Bürgerenergiegenossenschaft (BEG) an der Landkreisgrenze im Hagenauer Forst formiert sich Widerstand in der Stadt Schrobenhausen. Die Genossenschaft will vier Windräder mit einer Gesamtleistung von bis zu 20 Megawatt zwischen Schrobenhausen und den Stadtteilen Sandizell und Hörzhausen errichten (wir berichteten: Großes Interesse an Windrädern im Hagenauer Forst).

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Die BEG Neuburg-Schrobenhausen-Aichach-Eichstätt, kurz BEG, plant die Windkraftwerke schon seit Längerem. Der Schrobenhausener Stadtrat hat das Projekt vor einem Jahr aber schon einmal abgelehnt. 13 Stadträte stimmten dagegen, sieben waren dafür. Damals sei es aber eher darum gegangen, ob der Standort überhaupt geeignet sei, sagte Peter Miesl, Vorstandsvorsitzender der BEG im Herbst. Inzwischen werde diese Lage aber als geeignet eingestuft und die Genossenschaft will das Projekt noch einmal zur Vorlage in den Stadtrat einbringen.

Abstand der Windräder zu den nächsten Häusern bei 1100 Metern

Der Abstand der Windräder zu den am nächsten daran liegenden Wohnhäusern soll laut früherer Planung 1100 Meter betragen. Die Windräder sollen eine Nabenhöhe von 165 Metern und bei einem Rotordurchmesser von 155 Metern eine Gesamthöhe von circa 245 Metern haben. Laut 10-H-Regel müsste der Abstand also 2450 Meter betragen.

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Läuft alles optimal, könnte im Sommer 2020 mit dem Bau begonnen werden, der dann rund ein halbes Jahr in Anspruch nimmt, so war die Zeitplanung der BEG zumindest noch im Herbst. Größter Abnehmer des regenerativ erzeugten Stroms wäre der Nachbar. Das Unternehmen MBDA, im Hagenauer Forst zu Hause, würde sich gerne mit Windstrom beliefern lassen.

Während die BEG auf Zustimmung hofft, haben sich Schrobenhauser Bürger zusammengefunden, die sich deutlich gegen das Projekt aussprechen. Schon bei einer BEG-Informationsveranstaltung in Sandizell meldeten sich Gegner des Projekts zu Wort. Die Gruppe führt für ihre Ablehnung eine Reihe von Gründen an. Der Standort seit wirtschaftlich ungünstig und liege noch dazu in einem Naturreservat, heißt es in einer Mitteilung von Bürgern aus dem Stadtgebiet. Es werde versucht, ein Projekt mit Dimensionen in einem in Deutschland nie gekanntem Ausmaß durchzudrücken. Die geplante Höhe der Windräder von 250 Meter verdeutliche schon den „wirtschaftlichen Irrsinn in einem ausgewiesenen Schwachwind-Gebiet“, so die Gegner. Zum Vergleich: Die sechs Windräder im Blumenthaler Forst sind knapp 200 Meter hoch. Die nächste Generation der Windkraftanlagen hat eine Leistung von fünf Megawatt und ist noch mal um 50 Meter höher.

Gegner sprechen von außerordentlich schlechter Ausgangslage

Die Gegner sprechen von einer „tendenziell außerordentlich schlechten Ausgangslage, vor dem Hintergrund der sich in Zukunft sukzessive verschlechternden Windwerte“. Alle professionellen Betreiber hätten Investitionen in Windkraftanlagen südlich eines Breitengrades der Linie Berlin-Hannover bis auf wenige Ausnahmen eingestellt, behaupten die Kritiker. Die Windkraftgegner sagen Bauruinen und wirtschaftlichen Schaden zum Nachteil der Bürger vor Ort voraus.

Vor allem befürchten sie aber eine massive Zerstörung des seit Jahrzehnten unbehelligt gewachsenen Naturreservates im Hagenauer Forst. Es sei mit bis zu einem Hektar Verlust an Waldfläche pro Windrad zu rechnen. Durch den in den 80er Jahren erlassenen Schutzstatus des Waldes habe sich dort nicht nur eine artenreiche Flora entwickelt, sondern auch eine außergewöhnliche Fauna, mit raren Amphibien, seltenen Säugetieren und Nistplätzen gefährdeter Vögeln wie den Roten Milan, den Uhu, diversen Spechtarten und dem auf der roten Liste stehenden Raufußkauz. (AN, cli)


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