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Aichach-Untergriesbach

19.08.2019

Wie dieser Wald nach der Tornado-Katastrophe von 2015 neu auflebte

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Gerhard Granvogl, 63, und seine Tochter Claudia Granvogl-Klingenstein, 24, auf dem Weg durch den Wald der Familie bei Untergriesbach. Der Tornado vom Mai 2015 wehte hier auf einer Fläche von circa drei Hektar alle Bäume um – bis auf eine einzige Lärche (Hintergrund), die heute noch steht.
Bild: Nicole Simüller

Der Tornado von 2015 hinterließ im Wald der Granvogls eine Spur der Verwüstung. Seit der Wiederaufforstung steht er nach Ansicht von Experten besser da als zuvor.

Der Wald von Gerhard Granvogl nahe dem Aichacher Stadtteil Untergriesbach lässt sich grob in zwei Bereiche gliedern: ein „Davor“ und ein „Danach“. Ein Gebiet, das schon vor dem Tornado am 13. Mai 2015 existierte, und eines, das danach neu entstand.

Die meiste Zerstörung richtete der verheerende Wirbelsturm in den Affinger Ortsteilen Gebenhofen und Anwalting an. Doch auch im Aichacher Umland hinterließ er Schäden. In Aichach selbst deckte er beispielsweise das Dach der Ludwig-Steub-Grundschule ab. Im Wald von Granvogl mähte er auf rund drei Hektar alles nieder. Nur eine einzige Lärche blieb stehen.

Die Wiederaufforstung nach dem Tornado war eine Menge Arbeit und veränderte das Erscheinungsbild des Waldes. Wo früher überwiegend Fichten standen, mischen sich heute junge neue Fichten unter Roteichen, Douglasien, Birken, Lärchen oder Ahorn.
Bild: Nicole Simüller

Seit der Wiederaufforstung gibt es hier Roteichen, Ahorn- und Kirschbäume

Während sich im Hintergrund der Altbestand, dominiert von Fichten mit etwas Kiefern und Buchen, hoch in den Himmel hebt, recken sich im Vordergrund unzählige kleine Bäumchen nach oben. Junge Fichten und Lärchen sind ebenso darunter wie Roteichen, Ahorn, Kirschen oder Birken – Ergebnis der mühsamen Wiederaufforstung nach dem Sturm.

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Heute gilt dieses Waldstück laut Peter Erhard, dem Vorsitzenden der Waldbesitzervereinigung (WBV) Aichach, als Vorzeigeobjekt dafür, wie ein Wald klimagerecht umgebaut und für die Zukunft gerüstet werden kann, indem die Baumarten durchmischt werden und die Dominanz der Fichte beendet wird.

Waldbesitzer Gerhard Granvogl: „Es hat ausgeschaut wie nach dem Krieg“

Bis dahin war es jedoch ein weiter Weg. Granvogl erinnert sich gut daran, als er seinen Wald nach dem Tornado das erste Mal sah: „Es hat ausgeschaut wie nach dem Krieg“, sagt der 63-Jährige kopfschüttelnd. Auch seine Tochter Claudia Granvogl-Klingenstein hat die Bilder noch genau vor Augen: Als ob jemand eine Startbahn für einen Flughafen in den Wald planiert hätte, habe es ausgesehen. Plötzlich sei eine Lichtung dort gewesen, wo zuvor keine war. Kein Reh habe sich mehr blicken lassen. Die Geräuschkulisse des Tornados habe die Tiere völlig verstört zurückgelassen.

Nicht nur im Wald der Granvogls, wo 2500 Festmeter Schadholz anfielen, hinterließ der Tornado binnen weniger Minuten eine Schneise der Verwüstung. 30000 Festmeter Holz lagen laut Peter Erhard von der WBV Aichach nach dem Wirbelsturm auf dem Boden.

Schadholz musste nach Tornado schnell aufgearbeitet werden

Um dem Borkenkäfer zuvorzukommen, mussten sie schnellstmöglich aufgearbeitet werden. In nur anderthalb Monaten war die Arbeit geschafft. „Unternehmer und Sägewerke standen Gewehr bei Fuß“, berichtet Erhard. Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Augsburg bemühte sich um staatliche Hilfen und weitere Unterstützung, wo sie erforderlich war. „Die Zusammenarbeit hat perfekt funktioniert“, sagt Amtsleiter Wolfgang Sailer. Um zu garantieren, dass die Kooperation – nicht nur im Katastrophenfall – auch in Zukunft so gut läuft wie damals, schlossen AELF und WBV am Montag in Aichach eine Kooperationsvereinbarung ab.

Doch die Aufarbeitung des Schadholzes war nur der erste Schritt. Danach folgte die Wiederaufforstung. Immerhin 80 Prozent der von Granvogl aufgeforsteten Flächen kamen durch. AELF-Leiter Sailer lobt: Hier habe der Waldbesitzer „in vorbildlicher Weise“ gemischt und aktiv nachgepflanzt, sodass der Bestand nun von Laubholz dominiert sei. Fichten seien inzwischen „ein zu großes betriebliches Risiko“. Die Wälder müssten heute mit weniger Wasser und höheren Temperaturen auskommen. Ein klimagerechter Umbau wie bei Untergriesbach mindere das Risiko deutlich, dass der Wald die nächsten 100 Jahre nicht überstehe.

Roteiche ist als nicht einheimische Baumart umstritten

Dass die Roteiche als amerikanische und damit nicht einheimische Baumart durchaus umstritten ist, ist ihm bewusst. Aber als Beimischung ist sie in seinen Augen wichtig, um eine breite Palette an Baumarten zu haben – zumal sie schneller wachse und weniger anfällig sei als beispielsweise die Stieleiche. „In der Mischung steckt die Zukunft“, so Sailer. Auch Erhard ist überzeugt davon, dass der Weg, den Granvogl nach dem Tornado einschlug, richtig war: „Die Zukunft hat man hier gesichert.“ Doch alle in der Runde sind sich einig: Ob es tatsächlich so kommt, wie erhofft, werden erst die Enkel der jetzigen Waldbesitzer in vielen Jahren sehen.

Lesen Sie dazu den Kommentar Erhalt der Wälder geht uns alle an

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